Der «Luxussport» Skifahren ist in

Schweizer Skigebiete klagen seit Jahren über sinkende Gästezahlen. Doch eine neue Studie zeigt: Skifahren ist beliebter denn je. Die schlechten Zahlen haben also einen anderen Grund.

Mehr Freizeitangebote machen heute dem Schneesport Konkurrenz: Skifahrer am Eröffnungswochenende der Skisaison in Verbier. (8. November 2014)

Mehr Freizeitangebote machen heute dem Schneesport Konkurrenz: Skifahrer am Eröffnungswochenende der Skisaison in Verbier. (8. November 2014)

(Bild: Keystone Maxime Schmid)

Untergangszenarien aus der Bergbahn-Branche oder aus dem Tourismus sind fehl am Platz. Skifahren und Snowboarden in der Schweiz haben Zukunft, wie eine neue Bündner Studie zeigt. Der Wintersport im Alpenraum sei ein Wachstumsmarkt und die Zahl der Schneesportler stabil.

Die Nachrichten glichen sich in den letzten Jahren: Fast jeden Winter verzeichnen Schweizer Skistationen weniger Gäste. Vergangenen Winter wurden gemäss Angaben des Verbandes Seilbahnen Schweiz sechs Prozent weniger Tageseintritte registriert. Es war das schlechteste Ergebnis seit zehn Jahren. Doch Untergangszenarien des Schneesports zielen an der Realität vorbei. Das Wirtschaftsforum Graubünden, die Denkfabrik der Bündner Wirtschaft, trug Datenmaterial zusammen und analysierte.

Herausgekommen sind Erkenntnisse, die den Wintersport nicht als Auslaufmodell erscheinen lassen. Laut dem Wirtschaftsforum ist der Rückgang der Skifahrertage nicht auf die Abnahme der Anzahl Skifahrer zurückzuführen, sondern darauf, dass die Schweiz Marktanteile an die europäischen Konkurrenz verloren hat.

Nachbarländer fahren mehr Ski

Die Anzahl der Skitage ist in den letzten zwölf Jahren im gesamten Alpenraum um durchschnittlich 13 Prozent gestiegen. Österreich, Frankreich und Italien verzeichneten Zuwachsraten, einzig in der Schweiz ging die Zahl der Skitage um 18 Prozent zurück.

Die Schweizer Schneesportler wählen die Skitage gezielter aus als früher. Und generell werden weniger Schneesporttage geplant. Diese Verhaltensänderung hat verschiedene Ursachen. Es gibt mehr alternative Freizeitangebote. Zudem wird vermutet, dass die Veränderung im Klima eine Rolle spielt.

Dabei ist die Anzahl der Schneesportler stabil, worauf gemäss Wirtschaftsforum verschiedene Indikatoren hinweisen. Und gemäss einer Umfrage des Bundesamtes für Sport gehört Skifahren in der Schweiz zu den beliebtesten Sportarten, Tendenz steigend: 2008 gaben 26,6 Prozent der befragten Personen an, Ski zu fahren. Im laufenden Jahren waren es sogar 35,4 Prozent.

Skischulen haben Kundschaft

Was den Nachwuchs anbelangt, sind gemäss Wirtschaftsforum Graubünden wegen fehlender Datenbasis keine abschliessenden Einschätzungen möglich. Fakt ist, dass die Zahl der Skilager in den letzten fünf Jahren von 2700 auf 2000 gesunken ist. Demgegenüber steht die Nachfrage nach der klassischen Skischule. Die verfügbaren Zahlen deuten laut Wirtschaftsforum auf eine mindestens konstante Ausbildung von Skifahrern hin. Geschätzt wird, dass in der Schweiz Jahr für Jahr 77'000 neue Skifahrerinnen und Skifahrer ausgebildet werden.

Praktisch kein Wort verliert der Bericht des Wirtschaftsforums zum Preis der Tageskarten. Der Grund: In diesem Bereich sei die Preisdifferenz zum Ausland am geringsten, sagte Peder Plaz, Geschäftsführer des Forums. Plaz sprach in Chur wiederholt vom «Luxussport» Skifahren und meinte, einige Bergbahnen könnten bei den Beförderungspreisen etwas mehr Flexibilität an den Tag legen.

thu/sda

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