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Berner Firmen knausern bei den Löhnen

Kaum ein Arbeitgeber legt seinen Angestellten dieses Jahr ein grosses Lohnpaket unter den Weihnachtsbaum. Sie begründen dies damit, dass die Teuerung negativ sei. Damit steigen die Löhne langsamer, als die Wirtschaft wächst.

Mit den Lohnerhöhungen für 2017 kann es sich kaum jemand bequem machen.
Mit den Lohnerhöhungen für 2017 kann es sich kaum jemand bequem machen.
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Die Schweizer Wirtschaft hat den Frankenschock von 2015 relativ gut verdaut. Die Konjunktur­experten des Bundes veranschlagen für das Jahr 2016 ein Wachstum des Bruttoinlandproduktes von 1,5 Prozent. 2017 soll die Konjunktur anziehen auf ein Plus von 1,8 Prozent.

Die Löhne der Angestellten der grössten Arbeitgeber im Kanton Bern halten da nicht Schritt, wie eine Umfrage dieser Zeitung zeigt. Spitzenreiter sind der Reiseanbieter Globetrotter, der die Lohnsumme um 1,5 Prozent anhebt, und CSL Behring. Der Hersteller von Blutplasmamedikamenten erhöht die Löhne seiner 1449 Angestellten um bis zu 2,2 Prozent. CSL Behring steht schon seit Jahren immer wieder oben auf dieser Rangliste.

Globetrotter dagegen hatte 2015 wegen der Wechselkurskrise und der unsicheren Wirtschaftsentwicklung noch eine Nullrunde beschlossen. «Trotz allem Gegenwind können wir auf zwei gute Jahre 2015 und 2016 zurückblicken und wollen das grosse Engagement unserer Mitarbeitenden auch entsprechend honorieren», sagt Firmensprecherin Sandra Studer.

Auch das Lysser Industrieunternehmen Feintool erhöht nach schwierigen Jahren für den Sektor seine Lohnsumme um gut ein Prozent. Überdurchschnittlich profitieren hier Mitarbeitende mit einem tieferen Einkommen. Alle Mitarbeitenden erhalten sodann eine Sonderprämie von mindestens 200 Franken.

Kanton bessert nach

Nach diesem Spitzentrio folgen die öffentliche Hand (Stadt und Kanton Bern), die Pharmafirmen Ypsomed und Galenica, die Bahnunternehmen BLS und Jungfraubahnen sowie die Grossbank UBS.

Beat Zimmermann von Personalamt des Kantons Bern sagt zur Erhöhung der Lohnsumme um ein Prozent, der Arbeitgeber Kanton Bern weise gegenüber dem Konkurrenzumfeld Lohnrückstände auf. Für den Kanton sei es ­deshalb wichtig, dass er nicht weiter an Terrain verliere. Unlängst ­haben die Berner Lehrerinnen und Lehrer kritisiert, dass sie deutlich weniger verdienten als ihre Berufskollegen in anderen Kantonen.

Die Bundesverwaltung, die rund 20'000 Angestellte im Kanton Bern beschäftigt, erhöht die Löhne individuell um 0,7 Prozent. Wegen Personalabgängen bleibt die gesamte Lohnsumme dennoch unverändert. «Die angespannte Haushaltslage – es drohen strukturelle Defizite in den kommenden Jahren – lässt keine Lohnerhöhungen respektive Mehrausgaben zu», hält das Eidgenössische Personalamt fest.

Bei einigen grossen Firmen wie der Grossbank Credit Suisse oder der Post laufen die Lohnverhandlungen noch. Andere Unternehmen wie die Berner Kantonalbank oder die BKW beschliessen die Lohnrunde jeweils per 1. April. Auf diesen Termin gewechselt hat auch Meyer Burger. Beim Thuner Solarunternehmen läuft derzeit ein weiterer Persona­l­abbau, und die verbleibenden Angestellten müssen froh sein, dass die Aktionäre kürzlich einer dringend benötigten Kapitalerhöhung zugestimmt haben.

Auch noch nicht abgeschlossen ist die Lohnrunde auf dem Bau. Die Sozialpartner haben sich bislang nicht einigen können.

Beat Augstburger, Personalleiter der Frutiger-Gruppe, geht von einer Nullrunde mit individuellen Erhöhungen aus. Er betont, dass zur Sicherung des flexiblen Altersrücktritts die Beiträge für Arbeitgeber um 1,5 Prozent und für Arbeitnehmer um 0,5 Prozent erhöht worden sind. «Im Weiteren sind die Löhne im Bauhaupt­gewerbe verglichen mit anderen Gewerben auf einem komforta­blen Niveau», sagt Augstburger.

Mehr Freizeit bei Bahnen

Bei der BLS finden dies offenbar auch die Bähnler. Aus der Mitarbeiterumfrage ging hervor, dass die Mehrheit mit ihrem Lohn und den Sozialleistungen zufrieden bis sehr zufrieden ist, wie BLS-Sprecherin Helene Soltermann sagt. Handlungsbedarf bestehe jedoch bei der Arbeits- und der Freizeit. Unter dem Motto «Zeit für mich» hat die BLS ­einige Anstellungsbedingungen geändert. So besteht nun auf allen Stufen ein Anspruch darauf, Teilzeit arbeiten zu können.

Die Jungfraubahnen gewähren ihren Mitarbeitenden 2017 zwei zusätzliche Ferientage. Zudem erhöht das Unternehmen seine Sparbeiträge, um das Rentenniveau halten zu können.

Entspannt hat sich die Lage im Detailhandel, wo die Effekte des Frankenschocks und des Einkaufstourismus nicht mehr ganz so belastend sind wie im letzten Jahr. So erhöhen die Migros, Coop, Loeb und die Landi-Muttergesellschaft Fenaco die Lohnsummen um 0,5 bis 0,7 Prozent.

Coop und Migros bezeichnen das Umfeld zwar weiterhin als anspruchsvoll. Trotzdem möchten sie mit den Lohnerhöhungen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Erfolg teilhaben lassen. Loeb hebt insbesondere die Mindestlöhne an. Mit 271 neuen Stellen hat die Migros dieses Jahr ­besonders viele Arbeitsplätze geschaffen. Hauptgrund ist die neu eröffnete Welle 7 in Bern.

Auf der anderen Seite gingen bei der Swisscom 200 Stellen verloren. Auch fällt die Lohnerhöhung beim Telecomkonzern mit 0,6 Prozent geringer aus als früher. Die Swisscom sei starkem Wettbewerbs- und Preisdruck ausgesetzt, zudem bestehe hoher Investitionsbedarf bei Netzen und IT, sagt Sprecher Sepp Huber.

Nullrunde bei Swatch

Gar eine Nullrunde müssen die Mitarbeitenden des Uhrenkonzerns Swatch Group hinnehmen. Nur bei besonderen Leistungen oder Funktionswechseln wird das Gehalt erhöht. Schon für 2016 hatte die Gruppe die Lohnsumme beibehalten.

Swatch-Sprecher Bastien Buss verweist auf den Gesamtarbeitsvertrag der Uhrenindustrie: «Dieser besagt, dass allen Mitarbeitenden die Teuerung ausgeglichen werden muss.» Dazu bestehe kein Anlass. Denn das Bundesamt für Statistik rechnet für dieses Jahr damit, dass die Konsumentenpreise um 0,4 Prozent sinken. Für nächstes Jahr prognostiziert es stabile Preise. Nicht eingerechnet sind hier allerdings die erneut stark steigenden Krankenkassenprämien.

Der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse bezeichnet das Ergebnis seiner Lohnverhandlungen als knapp zufriedenstellend. Neben den Nullrunden störe besonders, dass die Mehrheit der Lohnerhöhungen individuell verteilt werde.

Das ist nicht nur intransparent und bis zu einem gewissen Grad willkürlich, sondern es profitierten längst nicht alle Mitarbeiter vom positiven Geschäftsergebnis, sagt der Gewerkschafter Gabriel Fischer. In der Umfrage dieser Zeitung gab kein einziges Unternehmen an, die Löhne generell für alle ­anzuheben.

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