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Finma startet Untersuchung zum UBS-Betrugsfall

Die eidgenössische Finanzmarktaufsicht wird den Fall um den UBS-Händler unter die Lupe nehmen. Kweku Adoboli ist inzwischen wegen Betrugs und zwei Fällen von Bilanzfälschung angeklagt worden.

Im Prozess geht es zunächst um die Frage, ob sich Kweku Adoboli schuldig bekennt oder auf unschuldig plädiert.
Im Prozess geht es zunächst um die Frage, ob sich Kweku Adoboli schuldig bekennt oder auf unschuldig plädiert.
Reuters
Angeklagt ist Adoboli wegen Betrugs und Bilanzfälschung.
Angeklagt ist Adoboli wegen Betrugs und Bilanzfälschung.
Keystone
Der 31-jährige Adoboli in einer Aufnahme auf seinem Facebook-Profil.
Der 31-jährige Adoboli in einer Aufnahme auf seinem Facebook-Profil.
Keystone
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Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma startet gemeinsam mit der Finanzmarktaufsicht von Grossbritannien, der Financial Services Authority (FSA), eine umfassende, unabhängige Untersuchung zu den Ereignissen rund um die Handelsverluste bei der UBS in London. Mit der Untersuchung werde ein aussenstehendes Unternehmen beauftragt, das komplett unabhängig von der UBS sei, teilte die Finma am Abend mit. Ziel der Untersuchung sei es, die genauen Umstände der nicht autorisierten Handelsaktivitäten abzuklären.

Ausserdem sollten allfällige Fehler in den internen Kontrollsystemen der UBS aufgedeckt werden, die erlaubten, dass diese Aktivitäten unentdeckt geblieben seien. Zusätzlich geht es um eine Überprüfung der grundsätzlichen Kontrollmechanismen der UBS, um nicht autorisierte oder kriminelle Aktivitäten in der Investment Bank zu verhindern. Die Finma kann nach eigenen Angaben zurzeit noch keine Auskunft geben, bis wann diese umfassende Untersuchung abgeschlossen sein wird.

Anklage gegen Adoboli

Der Investmentbanker Kweku Adoboli, der die Grossbank UBS um rund 2 Milliarden Dollar gebracht haben soll, ist heute in London vor Gericht erschienen. Zuvor hatte die Polizei der Londoner City den aus Ghana stammenden Mann wegen Betrugs angeklagt. Die Anklage umfasse ferner zwei Fälle von Bilanzfälschung. Einer davon stamme bereits aus dem Jahr 2008.

Das Gericht entschied, der 31-Jährige muss zunächst bis zum 22. September in Polizeihaft bleiben. Dann es soll es eine weitere Anhörung vor Gericht geben. Der Investmentbanker soll nicht autorisierte Geschäfte gemacht haben, die nach Angaben der UBS zu dem Milliardenverlust geführt haben sollen. Nach Augenzeugenberichten brach der Banker auf der Anklagebank in Tränen aus.

Adoboli war nach Behördenangaben Direktor bei der UBS und im Handel mit Exchange Traded Funds (ETF) tätig. Er bleibe in Polizeigewahrsam und müsse noch heute Nachmittag vor dem zuständigen Gericht in London erscheinen.

Verlängerung der vorsorglichen Haft

Zuvor sei die 24-stündige Frist, innerhalb der ein Verdächtiger ohne Erstattung einer Anzeige festgehalten werden könne, um zwölf Stunden verlängert worden, teilte die Londoner Polizei heute Morgen mit. Der 31-jährige Investmentbanker war in der Nacht zum Donnerstag gegen 3.30 Uhr festgenommen worden.

Die UBS hatte gestern mitgeteilt, dass einer ihrer Händler durch unerlaubte Wertpapiergeschäfte einen Verlust von schätzungsweise zwei Milliarden Dollar verursacht hatte. Deswegen müsse die Bank in diesem Quartal möglicherweise einen Verlust vermelden. Für Kunden entstünden jedoch keine Nachteile. Verschiedene Bankexperten äusserten aber Zweifel an der Theorie, dass ein einzelner Händler allein einen Milliardenschaden habe verursachen können.

Drohende Herabstufung

Als Reaktion auf die Vorfälle erwägen die beiden US-Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Grossbank. Der Fall sei ein Rückschlag für die Bemühungen der UBS, ihre Reputation wiederzuerlangen und ein verstärktes Risikomanagement vorzuweisen, erklärte Standard & Poor's. Das Langfrist-Rating «A», die fünftbeste Note bei der Ratingagentur, stehe zur Disposition.

Falls der genannte Betrag von 2 Milliarden Dollar nicht ansteige, sei der Verlust für die Bank aber verkraftbar. Die Zeitspanne, bis die UBS die von den Behörden verschärften Kapitalvorschriften erfüllen könne, verlängerte sich durch diesen Vorfall ebenfalls nur marginal.

Umbau der Investmentbank läuft

Der Handelsverlust dürfte aber die laufende Strategieüberprüfung bei der Investmentbank beeinflussen, mutmasste Standard & Poor's. Nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal hatte UBS bereits den Abbau von konzernweit 3500 von rund 65'000 Stellen angekündigt, um die jährlichen Kosten um etwa 2 Milliarden Franken zu drücken. Der Schwerpunkt des Abbaus soll im Investmentbanking liegen. Die von Carsten Kengeter geführte Sparte zählt weltweit noch knapp 18'000 Beschäftigte.

Eine UBS-Sprecherin bezeichnete Medienberichte nach einer Ausweitung der Abbaupläne in der Investmentbank auf Anfrage als reine Spekulation. Bankenanalyst Andreas Venditti von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) rechnet damit, dass die Sparte das Gesamtjahr mit einem Verlust abschliesst. Das wäre der vierte Fehlbetrag in der für sehr hohe Saläre bekannten Sparte in fünf Jahren.

AFP/dapd/jak/mrs/ami

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