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Währungsverluste sind kaum aufzuholen

Viele Anleger haben Währungsrisiken vernachlässigt: Nun büssen sie dafür, nur auf hohe, ausländische Zinsen geachtet zu haben.

Vor anderthalb Jahren hat F. H. über 20'000 Franken in Anleihen von Queensland Treasury Corporation, der Finanzierungsbehörde des australischen Bundesstaates, investiert. Ihn lockte der Coupon von 6 Prozent, der eine weit höhere Rendite als bei Anleihen der Eidgenossenschaft versprach. Im Frühling 2007 war der Australische Dollar 1.02 Franken wert. In diesem Herbst ist er eingebrochen und sank unter 0.70 Franken. F. A. sitzt auf einem Währungsverlust von rund 30 Prozent. Was tun in dieser Lage?

Die jahrelange relative Ruhe an der Währungsfront hat auch anderswo Leute dazu verleitet, die Währungsrisiken ausser Acht zu lassen. In Ungarn haben Banken ihren Kunden empfohlen, sich in Schweizer Franken zu verschulden, wegen der tiefen Zinsen. Fast die Hälfte der ungarischen Eigenheime soll mit Franken-Krediten finanziert sein. Nun das Erwachen: In einem einzigen Monat hat der Forint gegenüber dem Franken ein Achtel an Wert verloren, die Finanzierung der ungarischen Eigenheime wird nun teuer.

Keine fundamentalen Einflüsse

Auch die Carry Trades, bei denen Investoren Kredite in Niedrigzinswährungen aufnehmen und das Geld dann in hochverzinsten Währungen anlegen, haben ihre Tücken offenbart. Durch solche Transaktionen werden Hochzinswährungen aufgewertet - die Finanzkrise hat auch da jetzt für abrupte Korrekturen gesorgt.

Anja Hochberg, die bei der Credit Suisse die globale volkswirtschaftliche Abteilung leitet, meint aber, dass die Sprünge der Wechselkurse dieser Tage nicht mit fundamentalen Faktoren zu erklären seien. Ihre Ursachen lägen anderswo, etwa im Deleveraging, dem Schuldenabbau im Finanzsystem. Zurzeit brauchten viele Marktteilnehmer dringend Liquidität, vorab jene, die ihre Anlagen mit Fremdkapital finanziert haben. Ihnen stellen die Geldgeber nach den Wertverlusten das Ultimatum: Entweder schiessen sie Eigenkapital nach oder die Positionen werden aufgelöst. Zudem würden viele multinationale US-Unternehmen wegen Liquiditätsengpässen aufgrund der Kreditkrise Kapital repatriieren, sagt Ralf Wiedenmann, Leiter Economic Research bei der Bank Vontobel. Die USA finanzierten ihr Leistungsbilanzdefizit über die Repatriierung von Kapital derzeit also grösstenteils selbst. Das alles hilft dem Dollar-Kurs.

Unfreiwillige Anpassung

Dass die Anleger in diesen Panik-Zeiten risikoscheu geworden sind, treibt den Yen und den Franken, die nach wie vor als «sichere Häfen» gelten. Andererseits gibt es eine Flucht aus den Währungen von Schwellenländern und Hochzinsländern wie Australien. Zwar hat die Finanzkrise dafür gesorgt, dass sich die Währungen in Richtung ihrer Gleichgewichtskurse bewegt haben, konzediert Hochberg von der Credit Suisse. Doch die Angleichung sei eben «nicht freiwillig» erfolgt, nicht wegen der fundamentalen Faktoren wie der Kaufkraftparität. Diese würden auch in den nächsten Monaten im Hintergrund bleiben. Hochberg rechnet damit, dass es abrupte, «nicht fundamental» erklärbare Gegenbewegungen geben wird, die stark ausfallen.

Einen anderen Blickwinkel auf das Geschehen hat Alfred Roelli, Leiter der Finanzanalyse bei Pictet. Er sagt, bei den Währungen seien seit zwei, drei Jahren «grosse Abweichungen von den Gleichgewichtskursen» festzustellen gewesen, der Yen zum Beispiel wich so stark davon ab, wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Dessen ungeachtet wiederholt sich das Muster, erläutert Roelli: Die Anleger gewöhnen sich über eine gewisse Zeit an Währungsungleichgewichte - bis es plötzlich zu Korrekturen kommt. Alle fünf bis sieben Jahre seien solch stufenweise Wechselkursanpassungen zu beobachten.

Das langfristige Gleichgewicht der Schweizer Währung sieht Roelli gegenüber dem Euro bei einem Kurs von 1.48 Franken und gegenüber dem Dollar bei 1.22 Franken. Auf Währungsebene hat es zuletzt also eine «Rückkehr hin zur Normalität» gegeben, so der Fachmann.

Dem auf australischen Anleihen sitzenden F. H. macht Roelli wenig Hoffnung. Der australische Dollar sei sehr volatil, ohne klaren Trend und somit «etwas für Spekulanten». Dagegen ist beim Franken wie auch beim Yen ein eindeutiger Trend zu erkennen, sie werden langfristig stärker. Über 10 bis 20 Jahre habe man mit diesen beiden Währungen, so Roelli, noch immer verdient - oder anders herum: In Franken rechnende Anleger müssen, wenn sie in Fremdwährungen investieren, über kurz oder lang mit Währungsverlusten rechnen.

Und der US-Dollar, wird er langfristig wieder schwächer? Marc Faber, die Investmentlegende aus der Schweiz, hat sich dazu spitzzüngig wie immer ausgedrückt. Der Dollar werde einst wertlos - wegen der hohen Schulden Amerikas.

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