Das Haustier wird zum Hightechspielzeug

Kann Technik das Leben von Haustieren und ihren Besitzern wirklich verbessern? Sicher ist: Es wird teuer.

Die per App gesteuerte Katzentür lässt nur das Tier mit dem richtigen Chip durch - wenn man es die Voreinstellung zulässt. Foto: Keystone

Die per App gesteuerte Katzentür lässt nur das Tier mit dem richtigen Chip durch - wenn man es die Voreinstellung zulässt. Foto: Keystone

Das Haustier hat in seiner angeblich bereits mindestens 15’000 Jahre währenden Geschichte schon manche Rolle übernehmen müssen. Es war Jagd- und Spielgefährte, Zierde und Ausstellungsstück, Ersatzpartner und Beziehungskiller. Zu Beginn des neuen Jahrzehnts nun wird immer deutlicher, dass vor allem Hund und Katze vor dem nächsten Entwicklungssprung stehen: vom Seelentröster zum Hightechspielzeug. Das zeigt ein Rundgang über die Elektronikmesse CES in Las Vegas, wo viele Dutzend Anbieter ihre neuesten Ideen zur Zukunft des Haustiers vorstellen.

Zwei Trends stechen besonders hervor: Da sind einmal die vielen Futter- und Toilettenautomaten, mit denen die Hersteller Herrchen und Frauchen Arbeit abnehmen und zugleich dafür sorgen wollen, dass die Zwei- und Vierbeiner gesund bleiben. Und da sind Spiel- und Überwachungsgerätschaften, welche die Tiere bei Laune halten und langeweilebedingte Zerstörungsorgien verhindern sollen, wenn ihre menschlichen Mitbewohner im Büro oder in der Fabrik weilen. Ob die neue Haustier-Hightechwelt tatsächlich schöner wird, muss sich erst zeigen. Teurer wird sie gewiss.

«Unser Produkt ist so etwas wie Weight Watchers für Haustiere.» Judith Bank, Sure Petcare

Judith Bank vom britischen Techanbieter Sure Petcare etwa ist fest davon überzeugt, dass Haustierhalter sich einen Futterautomaten zulegen sollten. Das Gerät ihrer Firma registriert nicht nur, wenn der Hund heimlich aus dem Katzennapf naschen will, er sorgt auch dafür, dass jedes Tier nur so viel Kalorien zu sich nehmen kann, wie Herrchen oder Frauchen festgelegt hat. «60 Prozent aller Katzen und Hunde, die daheim gehalten werden, sind übergewichtig», sagt Bank und verweist auf Studien, wonach Fettleibigkeit das Leben einer Schmusekatze um zwei Jahre und mehr verkürzen kann.  «Unser Produkt ist so etwas wie Weight Watchers für Haustiere.»

Die zugehörige App zeigt zudem Veränderungen im Fressverhalten und damit mögliche Erkrankungen an. Vor allem aber: Der Automat ist absolut unbestechlich, da kann der Hund noch so treu dreinblicken.

Das Geschäft nach dem Fressen kann künftig etwa in der Smart Litter Box von Ikuddle stattfinden, einem Katzenklo im Design eines modernen, überdimensionierten Toasters, das Gerüche absorbiert und per App mitteilt, wie oft der Stubentiger zu Besuch war. Andere Hersteller ermöglichen sogar einen Urintest, der Aufschluss darüber gibt, ob das Tier gesund und möglicherweise mit den heiligen Vorfahren am Hofe der Königin Kleopatra genetisch verwandt ist.

Die Techindustrie will zudem dafür sorgen, dass Tierfreunde nicht länger ein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie Hund oder Katze tagsüber für viele Stunden allein lassen. Das dänische Start-up Go Dogo etwa bietet eine Spielkonsole an, auf deren Bildschirm ein menschlicher Trainer erscheint und Befehle wie «Sitz!» oder «Platz!» gibt. Eine Kamera überwacht, ob der Hund gehorcht. Tut er wie verlangt, kann er sich ein Leckerli abholen.

Tiere aus Plastik, Blech und Kunstfell

Tiere, die lieber draussen spielen, können Tennisbällen hinterherjagen, die eine Wurfmaschine verschiesst. Ins Freie gelangt der Hund durch die Terrassentür, die Herrchen oder Frauchen vom Büro aus hydraulisch öffnen, schliessen und per Kamera überwachen kann. Ist man wieder zu Hause, lässt sich der kleine Hydraulikarm der US-Firma Wayzn bequem zur Seite klappen.

Der virtuelle Zaun warnt das Tier mit einem Ton, kann ihm aber auch einen Stromschlag versetzen.

Selbst wer einen Garten hat, der nicht eingezäunt ist, kann den Hund nach draussen lassen. Möglich macht das der US-Anbieter Spot On, mit dessen Hilfe der Tierhalter einen virtuellen Zaun ziehen kann. Dazu schreitet er den Bereich ab, den der Hund nicht verlassen soll, die GPS-Daten werden in der App und im elektronischen Halsband gespeichert. Nähert sich das Tier der Grenze, ertönt aus dem kleinen Lautsprecher am Halsband ein Ton, der es daran erinnern soll umzukehren. Reagiert der Hund nicht, wird der Ton lauter und unangenehmer. Auch ein leichter elektrischer Schlag ist möglich. Läuft das Tier dennoch fort, wird es per App geortet.

Die CES wäre jedoch nicht die CES, wenn neben Produkten für Tiere aus Fleisch und Blut nicht auch Artgenossen aus Plastik, Blech und Kunstfell präsentiert würden. Viele von ihnen können die Augen bewegen, Pfötchen geben, Tierlaute imitieren – und sind durchaus mehr als nur eine Spielerei. Manche Senioreneinrichtungen etwa setzen die Roboter bei der Pflege von Demenzkranken ein. Für manche Patienten, so berichten Betreuer, sei der Besuch der niemals schlecht gelaunten Tierimitatoren der Höhepunkt des Tages.

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