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In europäischer Energiedebatte fehlen Solarkraftwerke in der Sahara Projekterfolg hängt von Stromleitung zwischen Afrika und Europa ab Von Christine Schultze, dpa, und Erik Nebel, dp

München 15 Prozent seines Strombedarfs soll Europa künftig mit Solarkraftwerken in den Wüsten Afrikas und des Nahen Ostens decken.

Mit diesem Ziel haben vor einem Jahr zwölf Unternehmen - darunter ABB - ein Konsortium gegründet. In der aktuellen Energiedebatte ist das Desertec-Projekt aber kein Thema. Während in der Politik über neue Atomkraftwerke, längere Laufzeiten für bestehenden Kraftwerke und Windenergieparks in der Nordsee diskutiert wird, ist von Solarkraftwerken in der Sahara nirgends die Rede. Auch im Energiekonzept der deutschen Regierung beispielsweise tauchen sie nicht auf. Die Initiatoren des Desertec-Projekts beklagen sich denn auch über mangelnde Unterstützung aus der deutschen Politik. Dabei hätten sich anfangs nicht nur die Industrie, sondern auch die deutsche Regierung hinter die Wüstenstrom-Pläne gestellt und diese sogar als Option in den Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP aufgenommen, erläutert der Niederländer Paul van Son. Van Son leitet seit November 2009 die mit den Desertec-Plänen betraute Projektgesellschaft Desertec Industrial Initiative GmbH mit Sitz in München. In vielen Ländern der Welt werde das Projekt als visionär geschätzt, sagt van Son. In einem Brief hatte sich das Industriekonsortium nun kürzlich bei der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und mehreren Ministerien über die mangelnde Unterstützung beschwert. Erst auf Papier Zu einem Teil dürfte die Zurückhaltung daran liegen, dass bisher noch kein Bagger angerollt sind. Von Desertec existiert bis heute einzig und alleine die Vision, mit solarthermischen Kraftwerken sowie Photovoltaik- und Windkraftanlagen in den Wüsten Nordafrikas und des Mittleren Ostens auch einen Teil des europäischen Strombedarfs decken. Van Son weiss, dass die Pläne möglichst rasch umgesetzt werden müssen, um Unterstützer und potenzielle Investoren bei der Stange zu halten. «Wenn wir uns ins Studierzimmer zurückziehen, werden wir nicht ernst genommen.» Greifbar werden soll Desertec deshalb mit einem ersten Projekt in Marokko. Der Standort gilt als besonders geeignet, weil das nordafrikanische Land bereits über Leitungen mit Europa verbunden ist und auch selber einen ehrgeizigen Solarplan verfolgt. Der erste Strom aus Marokko könnte ab etwa 2015 auch nach Europa fliessen. Muster für weitere Kraftwerke Bei den Unternehmen des Konsortiums werden die Vorbereitungen durchaus als konkret eingestuft. Es werde intensiv an Kalkulationen gearbeitet, heisst es beispielsweise beim Elektrokonzern Siemens. Doch nicht nur in technischen Belangen ist Desertec komplex: Van Son und sein Team klären derzeit die rechtlichen Rahmenbedingungen und überprüfen die Marktchancen für den Wüstenstrom. Sie sprechen mit Herstellern der Solarkraftwerke, mit der EU-Kommission, mit Regierungen und mit Stromnetzbetreibern. Bis 2012 soll das Geschäftsmodell stehen, das dann als Vorlage für weitere Anlagen in anderen nordafrikanischen Ländern angewendet werden könnte. Leistungsfähige Leitungen nötig Entscheidend für den Erfolg von Desertec ist aber der Ausbau der Stromleitungen in Europa. «Die Frage der Energieübertragung von Nordafrika zu den europäischen Märkten ist ein Schlüsselelement», so van Son. Tausende Kilometer neuer Leitungen müssten gelegt werden, wenn tatsächlich einmal 15 Prozent des europäischen Strombedarfs in der Wüste erzeugt werden sollen. Der deutsche Energieversorger RWE, der auch Mitglied des Energiekonsortiums ist, sieht darin die grösste Herausforderung. Bislang tun sich die Europäer nämlich schwer mit grenzüberschreitenden Kabeln. So wird etwa bereits seit Jahrzehnten erfolglos über den Bau von leistungsfähigen Stromleitungen zwischen Frankreich und Spanien oder zwischen der Schweiz und Italien gesprochen.

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