«Das wirkt jetzt wie eine Abwärtsspirale»

Panik im Rubel-Handel. Ist der Totalabsturz noch zu stoppen? Dazu UBS-Devisenexperte Thomas Flury.

Viele Fonds müssen nun reagieren und ihre Quoten anpassen: Devisen-Experte Thomas Flury von der UBS.

Viele Fonds müssen nun reagieren und ihre Quoten anpassen: Devisen-Experte Thomas Flury von der UBS.

(Bild: zvg)

Matthias Chapman@matthiaschapman

Herr Flury, der Rubel ist heute praktisch in den freien Fall übergegangen. Kann diese Entwicklung noch gestoppt werden? Wenn Sie das Aussetzen des Handels meinen, dann ist die Antwort Nein. Das gibt es im Devisenhandel in dem Sinne nicht.

Müssen Notenbank und Regierung also tatenlos zuschauen? Nein, überhaupt nicht. Wie die Notenbank ja schon mit einem kräftigen Zinsschritt in der Nacht andeutete, hat sie schon noch Mittel. Sie kann mit den Zinsen noch höher gehen.

Der Chart of Doom: Ein Dollar ist in Rubeln ausgedrückt immer mehr wert.

Mehr Möglichkeiten hat die Notenbank nicht mehr? Klar, sie könnte noch versuchen, den Handel via die Geschäftsbanken zu unterbinden. Quasi die Finanzinstitute auffordern, keine Rubel mehr zu verkaufen. Das wären dann Kapitalverkehrsrestriktionen. Das hat man zum Beispiel während der Asienkrise gemacht. Aber das schädigt die Wirtschaft nur noch mehr.

Welches Szenario halten Sie für wahrscheinlich? Ich gehe davon aus, dass die Notenbank nochmals die Zinsen erhöht.

Und das nützt gegen den Absturz? Ja klar, irgendwann beginnt das schon zu greifen. Schweden kämpfte 1992 mit einem ähnlichen Phänomen. Worauf die Zinsen kräftig angehoben wurden. Der Wochenzinssatz stieg damals auf 40 Prozent, Tagesgeld war für 70 Prozent zu haben.

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Was ist eigentlich die unmittelbare Wirkung von derart hohen Zinsen? Man verhindert die Kapitalflucht quasi mit der Brechstange.

Wer sind nun die Hauptakteure, die für den derzeitigen Absturz des Rubels sorgen? Das ist schwer zu sagen. Sicher kommen spekulative Elemente dazu. Es gibt auch Panik im Markt. Klar ist: Viele Fonds müssen nun reagieren und ihre Quoten anpassen. Das wirkt wie eine Abwärtsspirale.

Wo wird überhaupt der Rubel gehandelt? Das findet weltweit statt, aber das meiste natürlich in Russland.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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