Wenn von «free lunch» am Goldmarkt die Rede ist

Ist die Goldinitiative unter Goldhändlern ein Thema? Bringen sie sich für eine Kursbewegung in Stellung? Dazu ZKB-Gold-Analystin Susanne Toren.

Wohin die Reise? Verschiedene Darstellungen des Goldpreises an einem Bildschirm einer australischen Bank in Sydney.

Wohin die Reise? Verschiedene Darstellungen des Goldpreises an einem Bildschirm einer australischen Bank in Sydney.

(Bild: Reuters)

Matthias Chapman@matthiaschapman

Um 150 Dollar würde der Preis für eine Feinunze Gold unmittelbar nach der Abstimmung vom 30. November nach oben springen, sollte das Volk die Goldinitiative annehmen. Das schätzt die Bank of America in einem Papier zu den Auswirkungen des Volksbegehrens (wir berichteten). Das wären weit über 10 Prozent.

«Die Annahme der Initiative würde einen Spekulationsschub auslösen. Wir sprechen von ‹free lunch›. Das würde ein Selbstläufer, quasi eine Einbahnstrasse nach oben. Jeder Goldinvestor wird das nutzen wollen», sagt auch Susanne Toren, die Goldanalystin der ZKB. Mögliche Kurssprünge nach oben, das dürfte Marktteilnehmer hellhörig machen.

Noch wenig Aufmerksamkeit

Schaut also die ganze Goldinvestorenschaft in den nächsten Wochen auf die Schweiz? Insbesondere, da die Nationalbank bei einem Ja Hunderte Tonnen Gold zukaufen müsste? Die Antwort von Toren überrascht: «Im Goldmarkt ist die Schweizer Abstimmung bis jetzt noch kein grosses Thema. Das sind einzelne Brokerhäuser, die das Thema entdeckt haben und sich damit befassen.»

In der Tat haben sich neben der Bank of America noch eine Handvoll Marktbeobachter mit dem Thema befasst. Der Finanznachrichten-Dienst Bloomberg etwa – von «short term rally» («kurzfristiger und rascher Preisanstieg») ist da die Rede.

Eine «verheerende Spirale nach oben»

Toren selber geht weniger von einem kurzfristigen Effekt aus. «Ich glaube nicht, dass es nur einen einmaligen Sprung beim Goldpreis nach oben gäbe. Das würde wohl eine langfristige Entwicklung. Und zwar darum, weil die SNB bei der Verteidigung der Euro-Untergrenze unter Druck käme. Dann müsste sie neue Euros kaufen und das wiederum bläht die Bilanz auf. Folge: Sie muss neues Gold kaufen.» Die ZKB-Analystin spricht von einer «verheerenden Spirale nach oben».

Toren kennt die Mechanismen im weltweiten Goldmarkt. Derzeit überwiegt die physische Schmucknachfrage – sie macht rund 50 Prozent aus – die Nachfrage der Goldinvestoren, die bei rund 35 bis 40 Prozent liegt. Den Rest machen andere Marktteilnehmer aus. «Bei einer Annahme der Initiative dürfte sich dieses Verhältnis schlagartig ändern», sagt Toren.

Der Goldmarkt rechnet wohl eher mit einem Nein: Der jüngste Goldpreisrutsch führte hinunter bis auf 1131 Dollar pro Feinunze.

Der aktuelle Goldpreis im Übrigen deutet eher daraufhin, dass der Goldmarkt nicht mit einer Annahme der Initiative rechnet. Die Feinunze kostet bald nur noch 1100 Dollar, das gab es seit über vier Jahren nicht mehr.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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