Apple-Aktien brechen ein und schicken Wallstreet auf Talfahrt

Die US-Börse tauchte am Donnerstag, auch weil Konjunkturdaten auf die Stimmung drückten. Der Nasdaq verlor über 3,3 Prozent.

Apple-Aktien fielen um 9,1 Prozent und steuerten auf den grössten Tagesverlust seit sechs Jahren zu. (Reuters)

Apple-Aktien fielen um 9,1 Prozent und steuerten auf den grössten Tagesverlust seit sechs Jahren zu. (Reuters)

Verfehlte Umsatzziele von Apple lösten einen Ausverkauf an der Wallstreet aus. Die US-Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 fielen kurz nach der Eröffnung am Donnerstag um bis zu 2,9 Prozent.

Ausserdem drückten neue US-Konjunkturdaten auf die Stimmung. Die US-Industrie verlor überraschend deutlich an Schwung und schürte damit unter Investoren Sorgen um die Konjunktur. Der Einkaufsmanager-Index für die Industrie fiel im Dezember auf 54,1 Punkte von 59,3 im Vormonat. Derart stark war das Barometer seit Oktober 2008 nicht mehr eingebrochen. Es liegt nun auf dem niedrigsten Niveau seit November 2016.

Nach dem Eröffnungstaucher machten die US-Indizes zwar wieder etwas Boden gut, verloren bis zum Börsenschluss um 22 Uhr Schweizer Zeit aber erneut. Der Dow Jones schloss mit Minus 2,8 Prozent bei 22'686 Punkten. Der S&P 500 verringerte sich um 2,4 Prozent, der Nasdaq-Index fiel gar um 3,4 Prozent.

Apple verfehlt Umsatzziel deutlich

Wegen eines schwächelnden China-Absatzes seiner iPhones blieb Apple den Angaben zufolge mehrere Milliarden Dollar hinter seinem selbst gesteckten Umsatzziel für das abgelaufene Quartal zurück – erstmals seit etwa zwölf Jahren. «Dies zeigt, wie man aus einem langsameren Wachstum und einem Handelskrieg einen tödlichen Cocktail für die Anlegerstimmung mixt», sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses Thinkmarkets.

Anfangs September notierten die Apple-Aktien noch bei 228 USD, am 3. Januar sind sie auf 143 abgestürzt. (Chart: Finanz und Wirtschaft)

Die Apple-Aktien fielen bis zum Börsenschluss um knapp 10 Prozent, das ist der grösste Tagesverlust seit sechs Jahren. In den letzten drei Monaten hat Apple über einen Drittel an Wert verloren – am 1. November 2018 lag der Kurs noch bei 222 Dollar.

Der Apple-Ausblick nährte Börsianern zufolge zudem Spekulationen auf eine weitere Abkühlung der chinesischen Konjunktur. Daher trennten sich Investoren auch von Firmen, deren Geschäft stark von der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft abhängt. Die Titel des Airbus-Rivalen Boeing und des Baumaschinen-Herstellers Caterpillar verloren jeweils mehr als ein Prozent.

Schwacher Umsatz schickt Delta auf Talfahrt

Ein Quartalsumsatz unter Markterwartungen brockt auch Delta Air Lines den grössten Kurssturz seit dreieinhalb Jahren ein. Die Aktien der US-Fluggesellschaft fielen am Donnerstag um 7 Prozent. In ihrem Sog verloren die Titel der Konkurrenten United und Southwest bis zu 6,8 Prozent. Die Papiere von American Airlines brachen zeitweise sogar um gut 11 Prozent ein und waren mit 28,81 Dollar so billig wie zuletzt vor zweieinhalb Jahren. In Europa verloren Lufthansa, Air France und die British Airways-Mutter IAG bis zu 2,9 Prozent.

Delta erwirtschaftete vorläufigen Berechnungen zufolge im abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 10,73 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 10,85 Milliarden Dollar gerechnet.

Pharma-Übernahme für 74 Milliarden

Die Papiere von Celgene schossen dagegen 24 Prozent in die Höhe – so stark wie noch nie. Der Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb (BMS) will die Biotechfirma für 74 Milliarden Dollar übernehmen. Bristol-Titel brachen dagegen um knapp 13 Prozent ein.

Es ist einer der grössten Deals in der US-Pharmaindustrie: BMS will sich mit Celgene vor allem auf lukrative Krebsmedikamente, Entzündungshemmer sowie auf Erkrankungen des Immunsystems und der Blutgefässe konzentrieren. Die Unternehmen erwarten den Vollzug des Geschäfts im dritten Quartal 2019, wenn die Aktionäre und Behörden grünes Licht geben.

«Zusammen mit Celgene bauen wir einen innovativen Anführer im Biopharma-Bereich», sagte BMS-Chef Giovanni Caforio. Er setzt mit dem Zukauf vor allem auch auf einige chancenreiche Arzneikandidaten im Celgene-Programm. Mit dem Zukauf erweitere man die eigene Pipeline an sogenannten Phase-III-Medikamenten beträchtlich, hiess es. In Kürze seien sechs Produktstarts zu erwarten, die zusammen mehr als 15 Milliarden Dollar an Umsatzpotenzial hätten.

anf/Reuters

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