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Arbeitsmarkt ist bereit für höheres Rentenalter

Ein Kommentar von BZ-Redaktor Fabian Schäfer über die schrittweise Erhöhung des Rentenalters.

Arbeitslosigkeit im Alter ist eine Horrorvision. Nach dem 50.Geburtstag die Stelle zu verlieren, ist schmerzhaft und erniedrigend. Dabei sind die materiellen Probleme nur das eine. Noch schlimmer sind laut Fachleuten oft der psychische Stress, das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, das ramponierte Selbstvertrauen. Jeder Betroffene hat das Mitgefühl seines Umfelds und tatkräftige Unterstützung durch die staatlichen Arbeitsvermittler verdient.

Gleichzeitig sollte man sich davor hüten, aufgrund von Einzelschicksalen Schlüsse für den ganzen Arbeitsmarkt zu ziehen. Es liegt wohl an der tief verwurzelten Angst vor dem Jobverlust im Alter, dass bis heute falsche Vorstellungen verbreitet sind. Zum Beispiel denken viele, dass Ältere besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Oder dass sie bei Stellenabbau immer als Erste entlassen werden. Beides trifft nicht zu. Die amtlichen Statistiken sind in diesem Punkt sehr klar.

Das Bild ist aber zwiespältig: Ältere werden zwar seltener arbeitslos – wenn sie es aber einmal sind, dauert es länger, bis sie wieder einen Job finden. Offensichtlich stellen Arbeitgeber im Zweifel lieber Jüngere ein, die sie dank der Personenfreizügigkeit problemlos «importieren» können.

Nun ist aber seit der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative klar, dass die Zuwanderung reduziert werden muss. Zugleich wird sich der Mangel an Arbeitskräften verschärfen, weil zurzeit riesige Jahrgänge das Pensionsalter erreichen und magere Generationen nachrücken.

Es ist daher vernünftig, dass der Bund nun versucht, mehr Ältere in den Arbeitsmarkt einzubinden und sie zu motivieren, mindestens bis 65 zu arbeiten. In der Pflicht sind die Arbeitgeber. Aber nicht nur: Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass die klassische Laufbahn seltener wird.

Dass der Lohn nach 50 vielleicht auch mal sinkt. Dass dafür aber auch mehr interessante Teilzeitjobs zu finden sind.

Man darf auch nicht vergessen, dass sich heute viele Angestellte vor 65 aus dem Arbeitsleben abmelden, einfach, weil sie es sich leisten können. Es wäre allen gedient, wenn sie länger werktätig blieben. Wirksamstes Mittel wäre eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters auf 66 oder 67.

Die Voraussetzungen dafür sind in der Schweiz sehr gut: Die Erwerbsquote der Älteren ist hoch, die Lebenserwartung und der Anteil an «Bürojobs» ebenso. Ein höheres Rentenalter macht die AHV-Reform massiv günstiger und kurbelt die Wirtschaft an. So kann es sich die Schweiz auch besser leisten, gute Sozialleistungen zu finanzieren, damit Personen in Verschleissjobs oder ältere Langzeitarbeitslose früher in Pension gehen können.

Alles zusammen können wir nicht haben. Wir können nicht die Zuwanderung bremsen, uns am Rentenalter 65 festklammern und uns obendrein einen AHV-Ausbau um monatlich 70 Franken gönnen. Den Fünfer, das Weggli und das Schoggistängeli gibts nicht.

Mail: fabian.schaefer@bernerzeitung.ch

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