Zum Hauptinhalt springen

China wird zur Bank Europas

Das angeschlagene Spanien hat am Mittwoch mehr als ein Dutzend Abkommen mit China geschlossen. Die Vereinbarungen betreffen auch den Banken- und Energiesektor. China will aber bedeutend mehr.

Gute Laune beim Staatsbesuch: Vize-Ministerpräsident Li Keqiang und Spaniens König Juan Carlos.
Gute Laune beim Staatsbesuch: Vize-Ministerpräsident Li Keqiang und Spaniens König Juan Carlos.
Keystone

Vize-Ministerpräsident Li Keqiang sicherte Spanien am Mittwoch zu, dass China weitere Staatsanleihen kaufen werde. Das Geld dazu besitzt Peking. Die Volksrepublik verfügt über die grössten Währungsreserven der Welt. Das Interesse der kommunistischen Führung dürfte aber nicht nur in einem guten Geschäft liegen, sondern auch geopolitisch und strategisch begründet sein.

Die Zahl ist gigantisch: 2,648 Billionen Dollar (2,019 Billionen Euro) betragen die Währungsreserven des Landes. Das ist fast so viel wie das gesamte deutsche Bruttoinlandsprodukt des vergangenen Jahres. 907 Milliarden Dollar davon hat China in US-Anleihen geparkt. Seit der Finanzkrise aber versucht das Land, sein Geld breiter zu streuen.

Europa wird zum wichtigen Markt

Im Dezember kündigte das chinesische Aussenministerium an: «Wir sind bereit, den Ländern der Euro-Zone zu helfen, die Finanzkrise zu überwinden.» Europa werde in Zukunft einer der wichtigsten Märkte der Volksrepublik für die Investition ihrer Rücklagen sein. Auf seiner Europa-Reise, die ihn am Donnerstag auch nach Deutschland führt, untermauert Vize-Regierungschef Li Keqiang den Willen seines Landes, sich in Europa zu engagieren.

China wolle in den betroffenen EU-Staaten durch den Kauf von Anleihen «zur umfassenden Wirtschaftserholung und zum stabilen Wachstum» beitragen, schrieb er in einem Beitrag für die «Süddeutsche Zeitung» am Mittwoch. Den Schuldenstaaten in Europa - allen voran Griechenland, Irland, Portugal und natürlich auch Spanien - ist die chinesische Hilfe willkommen. Sie dürfte die Märkte beruhigen und die Spekulationen auf eine Pleite der Länder einschränken.

Peking ist nicht nur Wohltäter

Allerdings handelt Peking wohl nicht als reiner Wohltäter. Es hilft dem Land natürlich, wenn die Wirtschaft in seinen Exportmärkten gut läuft. Aber: «Die Motivation scheint eher geopolitisch und strategisch als finanziell zu sein», sagt Patrick Artus, Chefvolkswirt der französischen Bank Natixis. Die globale Bedeutung Chinas würde steigen, und auch in einer Reihe wirtschaftlicher und politischer Streitfragen kann es auf eine bessere Position hoffen.

Bislang sind die Investitionen in europäische Anleihen nach Schätzungen von Analysten eher gering. Die Volksrepublik hat demnach vor allem in Anleihen grosser Staaten wie Deutschland und Frankreich investiert. «Die Chinesen haben einen kleinen Betrag griechischer Anleihen gekauft, mehrere hundert Millionen Euro - das ist eher unbedeutend -, und ein paar Milliarden Euro portugiesische Schuldpapiere», schätzt Artus.

Imagekorrektur als «Weisser Ritter»

Der Kauf von Anleihen hochverschuldeter Staaten berge für China zwar auch ein gewisses Risiko, sagt Ken Peng, Analyst der Citigroup in Peking. Deutlich grösser könnte aber der politische Gewinn für China sein - nämlich dann, wenn sich die Volksrepublik auch als Bank für Europa etabliert und zum «Weissen Ritter», zum Retter in der Not, für den Kontinent aufschwingt.

Ein Allheilmittel für die Stabilisierung des Euro ist der Kauf der Staatsanleihen durch China nach Ansicht von Experten aber nicht. China könne die europäischen Probleme vielleicht vorübergehend «übertünchen», sagt der Ökonom der Forschungseinrichtung Capital Economics, Mark Williams.

AFP/ sda/ dapd/pbe

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch