Chinas Notenbank versucht zu beruhigen

Im Reich der Mitte ist die Nervosität mit Händen zu greifen. Gestern stürzte die Shanghaier Börse ab. Die Angst vor einer Bankenkrise geht um. Nun meldet sich erstmals die Notenbank zu Wort.

Nervöse Märkte: Ein Anleger sieht sich Kursangaben in Shanghai an. (25. Juni 2013)

Nervöse Märkte: Ein Anleger sieht sich Kursangaben in Shanghai an. (25. Juni 2013)

(Bild: Reuters)

Die chinesische Zentralbank versucht, den Sorgen über eine Kreditklemme in China zu begegnen. Die Notenbanker sind aber weiter nicht bereit, neues Geld in den Markt zu pumpen. Die aktuellen Liquiditätsrisiken seien kontrollierbar, versicherte der Vizedirektor der Vertretung der Zentralbank in Shanghai, Ling Tao, heute an einer Pressekonferenz.

Der jüngste Anstieg der Geldmarktsätze sei nur vorübergehend. Saisonale Faktoren, die sich auf die Geldmarktsätze auswirken, würden nachlassen. Die Zinsen sollten «in einer vernünftigen Bandbreite» gesteuert werden, sagte der Vertreter weiter.

Die Aktienmärkte blieben allerdings nervös. Nach dem grössten Kurseinbruch seit knapp vier Jahren am Vortag gaben die chinesischen Börsen in Shanghai und Shenzhen heute Dienstag noch einmal leicht nach.

Keine Bankenpleiten absehbar

Beruhigende Worte an die Adresse der Finanzmärkte gab es auch von der Ratingagentur Standard and Poor's (S&P). Die aktuellen Schwierigkeiten in China seien nicht mit der Situation nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers in den USA zu vergleichen, sagte S&P-Analyst Qiang Liao in einer Telefonkonferenz.

Standard and Poor's geht ebenfalls davon aus, dass sich die angespannte Lage am chinesischen Geldmarkt entspannen wird. Dies werde sich aber nicht schnell vollziehen, sondern nur schrittweise. Insgesamt rechnet die führende Ratingagentur nicht mit Bankenpleiten in China.

In der vergangenen Woche schockten Meldungen die internationalen Finanzmärkte, wonach der chinesische Interbankenmarkt am Donnerstag praktisch zum Stillstand gekommen war. Die Geldhäuser hatten Angst, sich gegenseitig Geld zu leihen.

Gerüchte um Zahlungsunfähigkeit

Die grosse staatliche Bank of China sah sich sogar genötigt, Gerüchte über ihre Zahlungsunfähigkeit zu dementieren. Zuletzt waren die Geldmarktsätze, also die Zinsen für das kurzfristige Verleihen von Geld unter den Banken, allerdings wieder gesunken.

Die Rate, die vergangene Woche zeitweise Spitzenwerte bis 25 Prozent erreicht hatten, fiel am Dienstag auf knapp 6 Prozent. Damit lag sie aber deutlich über dem normalen Niveau von 2 oder 3 Prozent.

Mit ihrer Weigerung, weiter Geld in den Markt zu pumpen, will die Zentralbank die Finanzhäuser zu mehr Kreditdisziplin erziehen. Die hohe Verschuldung, dubiose Anlageprodukte, riskante Kreditvergabe im boomenden Schattenbankenwesen, die Immobilienblase und das schwächere Wirtschaftswachstum lassen die Verunsicherung an den Finanzmärkten wachsen.

rub/sda

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