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Das Geschäft mit den Superreichen

Wer im Geld schwimmt, hat viele Probleme. Das ist ein gefundenes Fressen für Berater aller Art. Sie leben von den Brosamen der Superreichen. Im Hotel Dolder in Zürich bilden sie sich weiter.

Villen an Schweizer Seen sind heiss begehrt, und wer sich das leisten kann, wird bearbeitet und betreut.
Villen an Schweizer Seen sind heiss begehrt, und wer sich das leisten kann, wird bearbeitet und betreut.
Keystone

Unter der riesigen Kuppel des Ballsaals wird für einmal weder getanzt noch diniert. Es herrscht Seminaratmosphäre. Vorne erklärt Marc Rudolf von Greater Zurich Area, dass sich die pauschale Besteuerung nur für wirklich Reiche rechne, da der Mindesttarif je nach Kanton bei 250'000 Franken oder auch bei einer halben oder ganzen Million liege.

Nicht über Geld reden

Unter den Zuhörern sitzt eine imposante Figur: kurzer Bürstenschnitt, schwarze Jeans, schwarzes, offenes Hemd, auf der Schulterpartie bestickt – chic, aber für die Örtlichkeit doch eher underdressed. Vermutlich ist der Mann so reich, dass es ihm egal sein kann, wer im Dolder Grand was über ihn denkt. Er kommt, so viel verrät er, aus Holland und ist angereist, um sich über die Pauschalbesteuerung zu informieren. Bereits ist er aber zum Schluss gekommen, dass ihm diese nicht bringt, was er sich davon versprochen hat. «Enttäuscht?» – «Nein, überhaupt nicht», sagt der Mann und strebt zum Kaffeeausschank. Geld hat man. Darüber reden will man nicht.

Der Holländer gehört an der Konferenz im Dolder zur Minderheit. Die wenigsten Superreichen verschwenden ihre Zeit mit einem Weiterbildungsseminar. Sie informieren sich nicht selbst. Sie lassen sich informieren. Die grosse Mehrheit der Teilnehmer setzt sich deshalb aus Anwälten, Beratern und Bankern zusammen. Sie kommen aus aller Herren Länder, von allen Kontinenten, auch aus Afrika.

Panoramasicht für Russen

Veranstalter ist Henley & Partners, die sich als weltweit führender Spezialist für Fragen der Niederlassung und der Staatsbürgerschaft ausgeben. Entsprechend wurde zur «Global Residence & Citizenship Conference» geladen. Konferenzsprache ist Englisch. Informationsmaterial liegt aber auch in Russisch, Chinesisch oder Spanisch auf. Die Klientel ist global.

Robert Ferfecki, bei Henley Schweiz zuständig für die Vermittlung von Immobilien, hat beispielsweise für einen russischen Kunden ein Zuhause mit Panoramasicht über den Zürichsee organisiert. Der Mann ist im Risikokapital- und Investmentgeschäft tätig. Er lebt und arbeitet international. Der Zürcher Flughafen ist ihm deshalb wichtiger als der See, zumal er auch Häuser am Meer besitzt: in Frankreich und in der Karibik, neben der Liegenschaft in der russischen Heimat. In der engeren Wahl für das neue Domizil standen auch England und Spanien. Den Ausschlag für die Schweiz gab der Nachwuchs: «Wir wollten, dass unsere Kinder in einer sicheren, ordentlichen und intakten Umgebung aufwachsen.» Die Ordnung in der Schweiz könne einen geradezu «süchtig» machen.

Wohnsitze auf der ganzen Welt

Es könnte auch ein Inder sein, sagt Ferfecki. Mit einer Fabrik in Hongkong, einer Wohnung in London, einem Chalet in den Alpen und einer Jacht in der Karibik. Wenn auch er seine Kinder in der Schweiz schulen lassen will, verhelfen ihm die Spezialisten von Henley & Partners zu einer Niederlassungsbewilligung. Und sie suchen ein standesgemässes Zuhause.

Nur, ein Schweizer Pass ist für Inder oder Russen nicht so einfach zu erlangen. «Der Pass bedeutet Mobilität», sagt Ferfecki. «Je höher die Reputation eines Passes ist, desto grösser ist die räumliche Mobilität.» Deshalb sind Weltenbürger oft auf der Suche nach einer zweiten Nationalität. Doch nicht jeder Pass ist ein internationaler Freibrief. «Versuchen Sie einmal mit einem arabischen Pass nach Israel oder einem pakistanischen in die USA einzureisen», sagt Ferfecki. Und er verweist darauf, dass ein US-Pass in gewissen Ländern das Todesurteil bedeuten kann. Dann, wenn US-Amerikaner terroristischen Fanatikern in die Hände fallen. Aber eben: Wer aus solchen Gründen legal eine zweite Staatsbürgerschaft erlangen will, kommt in der Schweiz innerhalb nützlicher Frist nicht zum Ziel. Von den Experten wird er aber erfahren, dass dies in Belgien eine Frage von nur sieben Jahren ist, im karibischen Inselstaat St. Kitts and Nevis gar nur eine des nötigen Kleingeldes. Ab 200'000 US-Dollar ist man dabei.

Das Geschäft von Henley mit den Superreichen muss äusserst lukrativ sein. Auf Zahlen angesprochen, verdreht Ferfecki die Augen und relativiert: «Es sind nur ein paar handverlesene Personen oder Familien, die wir pro Jahr in der Schweiz platzieren.» Man sei eine exklusive Beratungsboutique, die kein Massengeschäft betreibe.

Absenz der Schweizer Banken

Auffallend an der dreitägigen Konferenz im Dolder ist das Nicht-Vorhandensein der Schweizer Banken. Man habe im Vorfeld etliche kontaktiert, sagt Ferfecki. Doch die Schweizer Banken befänden sich noch immer in einer «Strategie- und Selbstfindungsphase». Sie seien zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Henley-Partner Christian Kälin doppelt nach: «Die Schweizer Banken schenken der Frage von Domizilwechseln zu wenig Beachtung. Dabei ist das Potenzial der Standortfrage riesig, viel grösser, als man denkt.»

Anwesend ist dagegen die britische Konkurrenz: HSBC und Barclays. «Vor allem Barclays Wealth hat es gecheckt», sagt Kälin. Sie würden sich voll auf die Bedürfnisse der schwer reichen Weltenbürger konzentrieren und zwar nach dem Prinzip «comply or move out»: Regeln einhalten, Steuern bezahlen oder mitsamt dem Geld woanders hingehen.

Das Geld mit den OP`s

Anwesend an der Dolder-Konferenz ist auch die Privatklinikgruppe Hirslanden. Auch sie lebt teilweise von den Reichen dieser Welt. Die Kunden beziehungsweise Patienten stammen vor allem aus Deutschland, den Golfstaaten und Russland. Sprecher Oliver Meili korrigiert aber ein Klischee: «Sie kommen nicht für ein paar Botox-Spritzen, sondern für ernsthafte Operationen.» Deshalb spüre die Klinikgruppe auch die Krise nicht. Dringende Operationen könne man nicht aufschieben.

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