Das Heizöl ist so teuer wie seit vier Jahren nicht mehr

Der Ölpreis steigt und steigt – und ausgerechnet jetzt müssen sich Hausbesitzer mit Heizöl eindecken. Was Mieter nun beachten müssen.

Franziska Kohler@tagesanzeiger

Von 79 Rappen auf 1,07 Franken pro Liter in einem Jahr: Der Preis für Heizöl steigt und steigt und steigt. Allein im September machte er einen regelrechten Sprung um 10 Prozent.

Verantwortlich für das Preisrally sind einerseits die US-Sanktionen gegen das Öl-Förderland Iran. Laut der Investmentbank Goldman Sachs sind die Exporte aus dem Iran eingebrochen, seit die Amerikaner aus dem Atomabkommen mit dem Land ausgestiegen sind. Die Öl-Empfängerländer wollen sich nicht mit den USA anlegen.


US-Sanktionen gegen den Iran treiben Ölpreis in die HöheTrump verlangt von der Opec, etwas gegen den hohen Kurs zu unternehmen. Bloss: Er selbst ist dafür mitverantwortlich. Wie reagiert China? (Abo+)


Auch der aussergewöhnlich heisse und trockene Sommer spielt eine Rolle. Weil der Pegel des Rheins tief ist, können Tankschiffe nicht so viel laden wie normalerweise. Dadurch steigen die Frachtkosten.

Die Folgen bekommen zum Beispiel die Schweizer Autofahrer zu spüren. Im August kostete der Liter Benzin 95 laut «Blick» 1.60 Franken, im September waren es gemäss TCS schon 1,69 Franken.

Auch Hausbesitzer müssen mit höheren Kosten rechnen. Derzeit sehe es nicht nach einer Entspannung an der Preisfront aus, sagt ein Sprecher des Vergleichsdienstes Comparis. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran dürfte den Ölpreis weiter in die Höhe treiben. Und: Die Heizölpreise ziehen in den Herbst- und Wintermonaten aufgrund der erhöhten Nachfrage tendenziell an.

Lieber heute als morgen bestellen

Die Hausbesitzer jedenfalls scheinen die Hoffnung aufgegeben zu haben, dass die Preise vor dem Winter nochmals sinken. Bis in den September hinein seien sie mit ihren Einkäufen sehr zurückhaltend gewesen, sagt Sabine Schenker, Sprecherin der Coop Mineralöl AG. «Da nun die Temperaturen gesunken sind und die Tankbestände tendenziell tief sind, haben die Bestellungen in den letzten Tagen deutlich angezogen.»

Auch beim Tankstellenbetreiber Agrola nehmen die Bestellungen zu. Weil der Ölpreis immer weiter steige, bestellten die Kunden «lieber heute als morgen», sagt Agrola-Chef Alexander Streitzig.

Für die Mieter werde es nun besonders wichtig, die Heiz- und Nebenkostenabrechnung sorgfältig zu prüfen, sagt der Comparis-Experte. Werden die Nebenkosten individuell abgerechnet, nach dem Verursacherprinzip, lohne es sich, den Ölverbrauch zu reduzieren. Zum Beispiel mit diesen Massnahmen:

  • Richtige Raumtemperatur: 21 bis 23 Grad für Aufenthaltsräume (Wohn-, Ess-, Arbeitszimmer, Bad), 17 bis 19 Grad für Küche, Schlafzimmer und Flur – so lautet der Ratschlag von Fachstellen.
  • Richtig lüften: Alle Fenster ein- bis zweimal pro Tag für etwa 5 Minuten öffnen, anstatt sie über längere Zeit zu kippen. Denn das führt zu einem hohen Wärmeverlust.
  • Weniger heizen bei Abwesenheit: Wer verreist, sollte die Heizung während dieser Zeit ein paar Grad runterdrehen.
  • Der Heizung Freiraum lassen: Möbel nicht direkt vor den Heizkörper stellen, sonst kann sich die Wärme schlechter im Raum verteilen. Dasselbe passiert, wenn Wäsche zum Trocknen über den Heizkörper gehängt wird.
  • Fenster in der Nacht verdunkeln: Vor allem über alte und schlecht isolierte Fenster geht Wärme verloren. Es lohnt sich darum, nachts die Vorhänge zuzuziehen und die Läden zu schliessen.
  • Heizung richtig einstellen: Ist die Heizung auf eine zu hohe Vorlauftemperatur eingestellt, verbraucht sie sinnlos Öl. Ideal eingestellt ist sie laut einem Fachmann dann, wenn im kühlsten Raum der Wohnung bei einem voll geöffneten Heizkörper die Soll-Temperatur gerade so erreicht wird.

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