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Der Bulle wird kommen

Auf jede Baisse an den Aktienmärkten folgt eine Hausse. Oder in der Sprache der Wall Street: Auf jeden Bärenmarkt folgt ein Bullenmarkt. Das ist kein Naturgesetz, sondern eine historische Erfahrung. Und die neuste Hausse ist aller Voraussicht nach bereits im Gang.

Der 9.März 2009: Dieses Datum werden sich nicht nur Börsenhistoriker merken müssen. An diesem Tag erreichte der Swiss Market Index (SMI) mit 4235 Punkten den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Gegenüber dem bisherigen Allzeithöchststand von 9548 Punkten vom Juni 2007 hatte er in diesem Frühjahr exakt 56 Prozent eingebüsst.

Das Ende der 13. Baisse

Auch wenn einige Pessimisten weiterhin bezweifeln, dass am besagten 9.März zumindest an den Aktienbörsen ein neuer Aufschwung eingesetzt hat, vieles spricht dafür, dass die dreizehnte Baisseperiode in unserem Land seit 1926 an diesem Tag tatsächlich zu Ende gegangen war. Seither hat nämlich diese wichtigste helvetische Börsenmessziffer im Einklang mit den US-Leitindizes innert knapp acht Monaten um fast genau die Hälfte zugelegt. Der rassige Kursaufschwung hat bei vielen professionellen Börsenbeobachtern aber prompt Bedenken ausgelöst, die Börsen nähmen die wirtschaftliche Erholung etwas gar weit vorweg. «Eine Korrektur an den Aktienmärkten muss und wird nun kommen», zeigt sich beispielsweise auch Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, überzeugt.

Zu kurzes Gedächtnis

«Vermögensverwalter könnten von zwei dem Menschen eigenen Defekten profitieren», hält Privatbankier Konrad Hummler diesen Skeptikern entgegen, «vom kurzen Gedächtnis und von der Schwierigkeit mit dem Umgang mit der Prozentrechnung.» Tatsächlich hätten sowohl die US- wie die Schweizer Aktienbörse seit dem Tiefststand im März mehr als 50 Prozent zugelegt. «Doch seit dem letzten Hoch vom Juni 2007 beträgt der Verlust dies- und jenseits des Atlantiks immer hoch mehr als einen Drittel», rechnet Hummler vor. Nach Ansicht von Philipp Vorndran, Aufsichtsrat des deutschen Vermögensverwalter Flossbach&von Storch und ehemaliger Anlagestratege der Credit Suisse, sind derzeit vor allem defensive Blue Chips wie Roche, Novartis, Nestlé, E.on oder Vodafone immer noch so tief bewertet wie kaum je zuvor.

Sogar wenn sich der Börsenhimmel in den nächsten Wochen nochmals stark eindunkeln sollte, der Börsenbulle wird kommen. Wie schon am 31.März 2009 an dieser Stelle gesagt: Auf jede Baisse folgt eine Hausse. Das ist kein Naturgesetz, sondern eine historische Erfahrung. Auf Grund dieser Erfahrung lässt sich nüchtern feststellen, dass ein Börsenhoch in unserem Land im Durchschnitt genau viereinhalb Jahre gedauert hat und Kursgewinne von 132 Prozent brachte (siehe Grafik).

Im Schnitt 18 Quartale

Zugegeben: An der Börse gibt es keine mechanischen oder biologischen Gesetzmässigkeiten. Auch keine historischen. Der Blick in unsere Grafik zeigt, dass auch in unserem Land jeder Bullenmarkt bisher etwas anders verlaufen ist. Dennoch kann es nichts schaden, sich zumindest Gedanken zu machen, was passieren könnte, wenn am helvetischen Aktienmarkt tatsächlich bereits ein neuer Bullenmarkt begonnen hätte. Die historische Antwort hier: Seit 1928 waren in unserem Land genau dreizehn Haussen an den Aktienmärkten zu verzeichnen. Sie dauerten im Durchschnitt 18 Quartale oder viereinhalb Jahre und waren damit mehr als doppelt so lang als die Baisseperioden. Die Kursgewinne im Verlauf dieser Bullenmärkte erreichten im Durchschnitt etwas mehr als 130 Prozent.

Erst 40 Prozent aufgeholt

Das tönt auf die aktuelle Börsenlage umgesetzt doch höchst erfreulich. Dann hätte der SMI erst knapp 40 Prozent des Aufwärtsgangs hinter sich. Innerhalb der nächsten knapp vier Jahre würde er also nochmals rund drei Fünftel zulegen und sich der magischen Marke von 10000 Punkten nähern. Und sollte die nach aller Voraussicht bereits im Gang befindliche Kurshausse gar ein überdurchschnittliches Ausmass annehmen, könnte das Blue-Chip-Barometer bis Ende 2013 sogar die Marke von 11000 Punkten überspringen.

Kein abwegiges Szenario. Denn es ist offensichtlich, viele Investoren, darunter auch die meisten institutionellen Anleger, haben den deutlichen Kursaufschwung seit dem März dieses Frühjahrs bisher verpasst. Die Bestände an liquiden Mitteln sind bei diesen Investoren weiterhin überdurchschnittlich hoch. «Die kleinen und erst noch abnehmenden Handelsumsätze an den Aktienbörsen zeigen, dass in den letzten Monaten immer nur wenige Akteure am Werk waren», bestätigt Hummler. Logischer Schluss: Das Gros der Marktteilnehmer hat nur teilweise oder noch gar nicht vom Kursaufschwung profitiert. Und mit jedem Tag, an welchem die immer wieder angekündigte scharfe Korrektur ausbleibt, steigt der Druck auf diese Anleger, ihre liquiden Mittel auch noch in die Aktienmärkte zu investieren. Niemand wird es sich Ende Jahr leisten können, mit einer zu tiefen Aktienquote dazustehen, wenn sich das Kursniveau bis Ende Jahr auch nur auf dem aktuellen Stand behaupten sollte. «Der Markt wird diese zögerlichen Investoren zu Investitionen zwingen», ist Vorndran überzeugt.

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