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Deutlicher Appell aus den USA

Europa müsse seinen Wirtschaftsmotor ankurbeln, fordert der US-Finanzminister Jack Lew. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, beschwichtigt hingegen.

Ruft die Euro-Zone zu Konjunkturmassnamen auf: Der US-Finanzminister Jack Lew. (7. Oktober 2014)
Ruft die Euro-Zone zu Konjunkturmassnamen auf: Der US-Finanzminister Jack Lew. (7. Oktober 2014)
Jonathan Ernst, Reuters

US-Finanzminister Jack Lew hat die Euro-Zone erneut zu Konjunkturmassnahmen aufgerufen. Die europäischen Regierungen sollten auf kurze Sicht die schwache Nachfrage in ihren Ländern angehen und mittel- bis langfristig das Wachstumspotenzial erhöhen, forderte Lew bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington.

In einer vorab verteilten Mitteilung zum Treffen des IWF-Lenkungsausschusses lobte Lew Europa zwar für die bisherigen Schritte im Kampf gegen die Konjunkturprobleme. Es müsse aber angesichts einer neuen Schwächephase mit Hilfe von finanziellen, geldpolitischen und strukturellen Mitteln mehr für das Wachstum getan werden.

Länder mit einem hohen Aussenhandelsüberschuss - dazu gehört etwa Deutschland - rief Lew generell auf, mehr für die Binnennachfrage zu tun. «Die anhaltende Abwesenheit von stärkerer Binnennachfrage in grösseren Volkswirtschaften mit hohem Überschuss wird das globale Wachstum weiterhin negativ beeinflussen», meinte er. Die USA selbst haben ein massives Handelsbilanzdefizit.

Draghi: Konsequente Sparpolitik

Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, sprach sich indes für eine konsequente, aber wachstumsfreundliche Sparpolitik in der Euro-Zone aus. «Eine standhafte Umsetzung der Haushaltskonsolidierung in einer wachstumsfreundlichen Weise und Entschlossenheit bei Strukturreformen sollten dazu beitragen, das Vertrauen von Unternehmen und Konsumenten künftig zu unterstützen», erklärte Draghi in einer schriftlichen Mitteilung.

In der vor der Sitzung des IWF-Lenkungsausschuss verteilten Erklärung verdeutlichte Draghi, dass die derzeitige Konjunkturschwäche in der Euro-Zone die Wiederaufnahme privater Investitionen verzögern könnte. Auch die derzeitigen geopolitischen Krisen hätten daran ihren Anteil.

«Nach vorn blickend ist zu erwarten, dass die Erholung weitergeht, wenn auch bescheiden.» Er bekräftigte, dass die EZB bei einer zu lang anhaltenden Niedrig-Inflation in der Euro-Zone weitere «unkonventionelle» geldpolitische Mittel einsetzen werde.

«Wir sind zutiefst besorgt»

Finanzminister und Notenbankchefs aller Welt sprachen sich ausserdem für ein entschlossenes Handeln zur Stärkung der globalen Konjunktur aus. Man wolle das Wachstumspotenzial erhöhen, um eine Wirtschaft zu schaffen, die kräftiger, nachhaltiger und ausgeglichener sei sowie mehr Arbeitsplätze biete, erklärte der Lenkungsausschuss des Internationalen Währungsfonds später in Washington.

Es sollten kühne und anspruchsvolle Massnahmen ergriffen werden, um die Nachfrage neu zu beleben und ökonomische Engpässe zu beheben, hiess es im Abschlusspapier des Gremiums bei der Jahrestagung des IWF und der Weltbank.

Die Mitgliedstaaten des IWF zeigten sich zudem sehr beunruhigt über die Ebola-Epidemie in Westafrika. «Wir sind zutiefst besorgt über die menschlichen und sozioökonomischen Auswirkungen von Ebola», erklärte der IWF-Lenkungsausschuss. Die Finanzminister und Notenbankchefs aus aller Welt begrüssten die Hilfsleistungen des Währungsfonds für die betroffenen Staaten und forderten weitere Unterstützung.

«Ein bisschen Feuer» machen

Der IWF hatte vor der Jahrestagung seine Prognose des globalen Wachstums für dieses Jahr auf 3,3 Prozent gesenkt. Im April war der Wert noch 0,4 Prozentpunkte höher. Auch für 2015 korrigierte der IWF seine Aussichten nach unten und rechnet nun mit 3,8 Prozent Wachstum. Die zum wiederholten Male verschlechterten Aussichten hatten beim Treffen die Besorgnis über eine neue globale Krise ausgelöst.

IWF-Chefin Christine Lagarde relativierte die Sorgen: «Das Wachstum ist zurück und wir haben eine Erholung», sagte sie. Ihr Ziel für die Tagung sei gewesen, den Finanzministern und Notenbankgouverneuren «ein bisschen Feuer» zu machen. «Seid mutig und benutzt all eure Werkzeuge», rief sie ihnen zu.

SDA/thu

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