«Die Fed ist zu stolz, ihren Fehler einzugestehen»

Donald Trump greift seine Notenbank heftig an, nennt sie inkompetent – und spricht dann über Börsenverluste.

Er habe sogar noch grössere Verluste an den Märkten erwartet, sagte Trump am Mittwoch vor Journalisten. Foto: AP/Andrew Harnik

Er habe sogar noch grössere Verluste an den Märkten erwartet, sagte Trump am Mittwoch vor Journalisten. Foto: AP/Andrew Harnik

Inmitten von Finanzmarktturbulenzen in Folge des Handelsstreits mit China verstärkt US-Präsident Donald Trump seine verbalen Angriffe auf die heimische Notenbank (Fed). Diese müsse ihre Zinsen «stärker und schneller» senken, twitterte Trump am Mittwoch.

«Unser Problem ist nicht China», ergänzte er. «Unser Problem ist, dass die Federal Reserve zu stolz ist, um ihren Fehler einzugestehen, zu schnell gehandelt und zu stark gestrafft zu haben (und dass ich richtig lag!).» Die Notenbank müsse jetzt ihre völlig überzogene quantitative Straffung stoppen.

«Es ist schrecklich, Inkompetenz mit ansehen zu müssen, vor allem, wenn die Dinge sooo einfach gelöst werden könnten.» Trump fügte hinzu: «Wir werden auf jeden Fall gewinnen, aber es würde schneller gehen, wenn die Fed verstünde, was sie nicht tut, dass wir gegen andere Länder konkurrieren, die alle wollen, dass es ihnen auf unsere Kosten gut geht.»

Trump greift die Notenbank bereits seit Monaten wegen der geldpolitischen Ausrichtung an und fordert von ihr vehement eine deutliche Senkung der Zinsen.

Trump will stärkere Senkung

Die Fed kappte zwar Ende Juli erstmals seit mehr als zehn Jahren den Leitzins. Jedoch fiel der Schritt nicht so kräftig aus wie von Trump gefordert. Er hatte Fed-Chef Jerome Powell vorgeworfen, die USA «im Stich gelassen» zu haben und ihm mit einer Degradierung gedroht. Powell wiederum hatte erklärt, er würde nicht zurücktreten, falls Trump ihn dazu auffordern würde.

Nach Ansicht von Experten nahm der Druck auf die US-Währungshüter noch einmal zu, nachdem der US-Präsident vergangene Woche überraschend angekündigt hatte, ab 1. September Sonderzölle auch auf bisher davon verschonte chinesische Waren zu verhängen.

Eine weitere Zinssenkung könnte erforderlich sein, um die Folgen eines eskalierenden Handelskonflikts für die US-Wirtschaft abzumildern. Zudem war die chinesische Währung in dieser Woche unter eine wichtige Marke gefallen, was die Chancen chinesischer Firmen auf dem Weltmarkt verbessert.

Eine wichtige Rolle bei dieser Entwicklung spielt die chinesische Zentralbank, die - im Gegensatz zur Fed - nicht unabhängig von der Regierung agiert.

Marktturbulenzen erwartbar

Die Marktturbulenzen wegen des Handelskriegs mit China sind nach Ansicht von US-Präsident Donald Trump kein Grund zur Sorge. Das Absacken der Märkte sei erwartbar gewesen, er habe sogar grössere Verluste erwartet, sagte Trump am Mittwoch vor Journalisten.

Langfristig würden die Börsenindizes jedoch viel höher steigen, als es ohne seine Politik möglich gewesen wäre, versprach Trump. China sei ein «Anker» gewesen, der die US-Wirtschaft nach unten gezogen habe. «China hat uns mit unfairen Handelsabkommen fertiggemacht.»

Der US-Leitindex Dow Jones gab am Mittwoch um rund 0,5 Prozent oder 140 Punkte nach. Am Montag war der Dow Jones bereits um knapp 3 Prozent gefallen.

Dies wurde weithin als Reaktion gesehen auf die Abwertung der chinesischen Währung und die Ankündigung Chinas, künftig keine US-Agrarprodukte mehr zu importieren. Ende vergangener Woche hatte die US-Regierung den Handelskonflikt weiter eskaliert und neue Strafzölle angekündigt.

Der Handelskrieg war ursprünglich von der Verärgerung Trumps darüber ausgelöst worden, dass China weit mehr in die USA exportiert als umgekehrt. Der US-Präsident fordert eine Beseitigung von Marktschranken, kritisiert die Verletzung von Urheberrechten und den zwangsweisen Technologietransfer bei in China tätigen US-Unternehmen sowie staatliche Subventionen. Die nächste Runde der Verhandlungen für ein umfassendes Handelsabkommen der beiden Länder ist für Anfang September in Washington geplant.

sda

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