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«Eine deutliche Erinnerung an unser Schuldenproblem»

Schwache Konjunktur, steigende Verschuldung: Die Ratingagentur Moody's senkt die Kreditwürdigkeit Grossbritanniens. Der britische Finanzminister sieht sich in seinem Sparkurs bestätigt.

Kein Wirtschaftswachstum in Sicht: Der Finanzbezirk von London.
Kein Wirtschaftswachstum in Sicht: Der Finanzbezirk von London.
Reuters

Die Ratingagentur Moody's hat Grossbritannien die Top-Bonität Aaa entzogen und das Land auf Aa1 herabgestuft. Ursache seien die schwache Konjunktur und die steigende Verschuldung, teilte Moody's am Freitagabend in London mit.

Moody's senkte auch das Rating für die britische Zentralbank, die Bank of England, um eine Stufe auf Aa1. Damit können neue Kredite für die Briten potenziell teurer werden, weil Geldgeber einen höheren Risikoaufschlag verlangen könnten.

«Wirtschaftswachstum wird lau bleiben»

Moody's erklärte, der Hauptgrund für die Herabstufungen sei «die wachsende Klarheit, dass das Wirtschaftswachstum Grossbritanniens trotz einer bemerkenswerten strukturellen wirtschaftlichen Stärke in den kommenden Jahren lau bleiben wird».

Es sei damit zu rechnen, dass die steigende Schuldenlast der Regierung bis mindestens 2016 zu schaffen machen werde. Zu diesem Zeitpunkt werde das Land mit 96 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet sein.

Grossbritannien steckt seit der Finanzkrise 2008 tief in der Schuldenfalle. Das Land ist nach internationalen Statistiken mit 86 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verschuldet.

Hohe Wettbewerbsfähigkeit

Moody's bescheinigte aber der britischen Wirtschaft eine hohe Wettbewerbsfähigkeit. Diese sei zudem breit gefächert. Ausserdem sei der politische Wille vorhanden, um der Regierung eine finanzielle Konsolidierung zu ermöglichen. So gesehen sei der Ausblick für das neue Rating Aa1 stabil.

Bei den anderen beiden grossen Ratingagenturen, Standard & Poors und Fitch, hat Grossbritannien noch das Spitzenrating. Allerdings haben auch sie die drittgrösste Volkswirtschaft der EU vor einiger Zeit auf einen negativen Ausblick gesetzt.

Im vergangenen November hatte Moody's bereits Frankreich die Bestnote in Sachen Kreditwürdigkeit entzogen. Die Schweiz geniesst weiterhin Top-Bonität.

Regierung: «Wir haben ein Schuldenproblem»

Finanzminister George Osborne sagte in einer ersten Reaktion, die Aktion der Ratingagentur sei «eine deutliche Erinnerung daran, welch ein Schuldenproblem unser Land hat». Die neue Benotung werde die Entschiedenheit der Regierung verdoppeln, die Wirtschaft auf Kurs zu bringen.

Osborne hatte bereits in seinem Herbststatement im Dezember bekannt, dass der Schuldenabbau mangels Wachstum nicht vor dem Haushaltsjahr 2015/2016 gelingen könne.

Camerons Rezepte funktionieren nicht

Die 2010 angetretene konservative Regierung von Premier David Cameron hatte versucht, die Neuverschuldung mit drastischen Haushaltskürzungen in den Griff zu bekommen. Das Konzept ging bisher jedoch nicht auf. Experten gehen davon aus, dass das Haushaltsdefizit von zuletzt knapp sieben Prozent 2013 wieder steigen wird.

Die Regierung hatte sich etwas Linderung von der Versteigerung von 4G-Mobilfunklizenzen versprochen. Die Auktion spülte Mitte der Woche aber 1,2 Milliarden Pfund weniger in die Staatskasse, als erhofft.

Neue Rezession droht

Zudem machte die britische Wirtschaft im letzten Quartal 2012 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent einen ersten Schritt in Richtung Rezession. Erst im vergangenen Sommer hatte sie dank der Olympischen Spiele in London die zweite Rezession seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 überwunden.

Doch danach machten dem Land Produktionsausfälle in der Industrie und eine geringere Öl-Förderung in der Nordsee zu schaffen. Eis und Kälte lähmen zudem Einzelhandel und Bau.

Pfund befindet sich auf Talfahrt

Die britische Notenbank hatte ferner vor kurzem erklärt, die Inflation werde in den nächsten Jahren nicht auf die Zielmarke von zwei Prozent zu drücken sein und eher bei drei Prozent liegen.

Der Kurs des britischen Pfundes ist seit Monaten auf Talfahrt, sowohl im Vergleich zum Euro als auch zum US-Dollar. Für Verunsicherung sorgen auch die Reformwünsche Camerons, der Rechte von der EU in Brüssel nach London zurückverlagern will.

SDA/rbi/chk/mw

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