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«Es gibt kaum jemand, der für den Posten besser qualifiziert ist»

Die meisten Experten reagieren positiv auf die Nomination von Janet Yellen als künftige Chefin der US-Notenbank. Skeptiker hegen Zweifel, ob sie sich als Krisenmanagerin bewähren wird.

Sie steht vor schwierigen geldpolitischen Entscheiden: Janet Yellen wird heute von US-Präsident Barack Obama an die Spitze der US-Notenbank berufen.
Sie steht vor schwierigen geldpolitischen Entscheiden: Janet Yellen wird heute von US-Präsident Barack Obama an die Spitze der US-Notenbank berufen.
Keystone

Viele Experten und Beobachter sind voll des Lobes für Janet Yellen. «Es gibt kaum jemand, der besser qualifiziert für den Posten ist als Yellen», sagt Nathan Shets, Chefökonom der US-Bank Citigroup. Zudem garantiere sie Kontinuität. Selbst Larry Summers, der von Präsident Barack Obama als Bernanke-Nachfolger lange favorisiert wurde, spricht von einer hervorragenden Wahl.

Obama wird heute die derzeitige Fed-Vizechefin an die Spitze der mächtigsten Zentralbank der Welt berufen. Yellens Nominierung muss noch vom Senat bestätigt werden. Dies gilt als wahrscheinlich, da Obamas Demokraten in der Parlamentskammer die Mehrheit haben.

Grosse Herausforderung

Yellen steht für eine Fortsetzung der ultra-lockeren Geldpolitik Bernankes. Die 67-jährige frühere Professorin ist eine ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin, die für eine höhere Beschäftigung einen moderaten Anstieg der Teuerung in Kauf nimmt. Ihr fällt die schwierige Aufgabe zu, angesichts der wirtschaftlichen Erholung die üppigen Konjunkturhilfen des Fed allmählich zurückzufahren.

Dies sei eine der grössten Herausforderungen, vor denen die Fed je gestanden habe, sagt Laurence Meyer, der mit Yellen Ende der 90er-Jahre bei der Notenbank zusammengearbeitet hat. «Sie steht vor sehr schwierigen Entscheiden, die sowohl inner- als auch ausserhalb des Fed äusserst kontrovers diskutiert werden.»

Eine Unsicherheit weniger

«Gott sei Dank ist es Yellen, die unter den gegenwärtigen Umständen nominiert wird», sagt Fondsmanager Dan Fuss von Loomis Sayles in Boston. Die Personalentscheidung bedeute eine Unsicherheit weniger für die bereits sehr nervösen Märkte. «Einen Kurswechsel bei der Notenbank könnten wir gerade jetzt nicht gebrauchen.»

Yellen sei besser für den Job geeignet als Summers, sagt Holger Sandte, Chefanalyst der schwedischen Bank Nordea. «Man weiss bei ihr, was man kriegt. Bei Summers wäre das nicht so klar gewesen – ausser, dass er einen kontroversen Führungsstil pflegt.» Sie müsse nun herausfinden, wie lange die amerikanische Wirtschaft noch die Unterstützung der Notenbank brauche. Das sei ihre grösste Herausforderung. «Sie muss rechtzeitig den Fuss vom Gas nehmen, um Blasen auf den Märkten zu verhindern», sagt Sandte. Es sei von Vorteil, dass sie eine ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin sei und bereits Erfahrung beim Fed gesammelt habe.

Taugt Yellen als Krisenmanagerin?

Skeptischer äussern sich die Analysten der Commerzbank. Das Risiko sei hoch, dass Yellen das Zurückfahren der quantitativen Lockerungen nur quälend langsam gestalten werde, um auch ja ihre ambitionierten Wachstumsziele zu erreichen. Auch wenn das langfristig eine Belastung für den Dollar darstelle, beschäftige derzeit den Markt die noch viel akutere Frage, wann denn der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik überhaupt beginne.

Zweifel hegen einige Beobachter, weil Yellen nie an vorderster Front habe Krisen bewältigen müssen und sie keine praktische Erfahrung in der Finanzbranche habe. Sie sei zwar während der Finanzkrise Präsidentin der Fed-Zweigstelle in San Francisco gewesen, aber nie im Zentrum des Sturms, sagt Alan Blinder, ehemaliger Fed-Vizepräsident. Er sei nicht sicher, ob sie in der Lage sei, die beruhigende öffentliche Figur zu spielen, die in einer Krise wichtig sei.

Mit Yellen werde es keine Revolution in der Geldpolitik geben, glaubt Christian Schulz, Ökonom der Berenberg Bank. Er erwartet, dass das Fed unter ihrer Führung den Ausstieg aus den Sondermassnahmen noch vorsichtiger betreiben werde als der aktuelle Chef Bernanke. «Mit Yellen ist Kontinuität gewählt worden. Das sollte für die Märkte die Sicherheit bringen, dass der Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik nicht verfrüht kommt.»

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