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«Es ist klar, die Krise muss sich ausweiten»

Griechenlands Schuldenberg bringt Europa immer stärker ins Wanken. Wie gross ist die Gefahr, dass sich die Krise in Athen zu einem europäischen Flächenbrand ausweitet?

Nach Griechenland und Portugal stufte die Ratingagentur Standard & Poor's auch Spanien herab: Die spanische Finanzministerin Elena Salgo im Parlament in Madrid.
Nach Griechenland und Portugal stufte die Ratingagentur Standard & Poor's auch Spanien herab: Die spanische Finanzministerin Elena Salgo im Parlament in Madrid.
Keystone

«Es ist ganz klar, dass sich diese Krise ausweiten muss», sagt Daniel Gros von einem unabhängigen Brüsseler Forschungsinstitut gegenüber der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens (SF). Der Direktor des Centre for European Policy Studies fährt fort: «Und zwar deswegen, weil andere Länder wie beispielsweise Portugal in einer ähnlichen Situation sind wie Griechenland.» Ausserdem wisse man aus der Vergangenheit, wenn ein Land in grosse Schwierigkeiten gerate, dass dann alle Schuldner herabgestuft würden. «Und das passiert jetzt gerade», so Gros.

Den Euro hingegen sieht der Experte im Interview mit der «Tagesschau» nicht in Gefahr. «Der momentane Wechselkurs ist immer noch 20 Prozent höher als zur Anfangszeit des Euro. Der Kern der Währung ist nicht wirklich gefährdet.»

Ob denn bereits eine Ansteckung im Gange sei und Portugal ein griechisches Szenario drohe, wollte der SF-Reporter wissen. Die Antwort ist beunruhigend: «Das ist unvermeidlich. Wenn Griechenland Hilfe braucht, dann braucht auch Portugal Hilfe. Denn die beiden Länder sind wirtschaftlich gesehen in der gleichen Situation.»

Portugals Parteien rücken zusammen

Um doch nicht in solch arge Nöte zu gelangen wie die Griechen, haben sich die Parteien in Portugal zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen. In Portugal rücken die Regierung und die Opposition im Kampf gegen die Schuldenkrise zusammen. Ministerpräsident José Sócrates beschwor in Lissabon mit der sozialdemokratischen Oppositionspartei PSD ein gemeinsames Vorgehen gegen «unbegründete spekulative Attacken». Die sozialistische Minderheitsregierung hat bereits ein striktes Sparprogramm aufgelegt.

Die Märkte in Portugal reagierten positiv auf die Ankündigung Sócrates': An der Börse in Lissabon stieg der Index PSI-20 am Mittwoch um ein Prozent. Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Portugals am Dienstag um gleich zwei Stufen gesenkt hatte, waren die Kurse um mehr als sechs Prozent eingebrochen.

Die Neuverschuldung in Portugal erreichte im vergangenen Jahr 9,4 Prozent, die Gesamtverschuldung stieg damit auf 76,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). In Griechenland erreichte die Neuverschuldung vergangenes Jahr 13,6 Prozent, die Gesamtverschuldung lag bei 115,1 Prozent des BIP.

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