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Europa ist schuld – warum der Franken wieder erstarkt

Die positiven Aussichten im EU-Raum und die Politik der Europäischen Zentralbank haben den Franken geschwächt. Jetzt droht eine Enttäuschung.

Markus Diem Meier
Nach dem Knacken der Marke von 1.20 Franken pro Euro hat sich der Schweizer Franken wieder leicht aufgewertet, was sich in einem leicht tieferen Eurokurs zeigt.
Nach dem Knacken der Marke von 1.20 Franken pro Euro hat sich der Schweizer Franken wieder leicht aufgewertet, was sich in einem leicht tieferen Eurokurs zeigt.

Nachdem der Europreis in Franken Ende der vergangenen Woche die Marke von 1.20 erstmals seit der Aufhebung des Mindestkurses im Januar 2015 wieder erreicht hat, ist der Kurs wieder leicht zurückgegangen. Wie es mit der Schweizer Währung in den nächsten Tagen weitergeht, hängt stark davon ab, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag ihren geldpolitischen Entscheid kommuniziert. Die überraschend starke wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone war der wichtigste Grund für die Erholung des Frankens weg von seiner massiven Überbewertung.

Ein über Erwarten starkes Wachstum in der Eurozone liess bisher vermuten, dass die EZB ihre nach wie vor aussergewöhnlich expansive Geldpolitik in absehbarer Zeit beendet. Aktuell kauft sie noch immer jeden Monat für 30 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere ein, ihr Leitzins (Hauptrefinanzierungsrate) liegt bei 0 Prozent und der Zinssatz, den Banken auf den EZB-Konten bezahlen müssen, bei –0,4 Prozent.

Die entsprechenden Sätze der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind deutlich tiefer im negativen Bereich: Der Leitzins (3-Monats-Libor) liegt bei –0,75 Prozent, auf diesem Niveau befinden sich auch die Einlagesätze für die Bankeinlagen bei der SNB. Damit der Franken nicht an Attraktivität gegenüber dem Euro gewinnt, müssen in der Schweiz die Zinsen tiefer sein als in Europa. Das hat bereits eine lange Geschichte und liegt im Wesentlichen daran, dass Anlagen in Franken als weniger riskant gelten.

Bisherige Erwartungen zur EZB ...

Eine früher als erwartete Straffung der EZB-Geldpolitik würde deshalb den Euro gegenüber dem Franken attraktiver machen. An Kapital- und Devisenmärkten treiben aber nicht die Entscheide selbst die Kurse, sondern bereits die Erwartungen dazu. Und weil diese Erwartungen wieder ändern können, schwanken auch die Kurse.

Veränderte Erwartungen insbesondere zur Politik der EZB sind ein Grund dafür, dass der Preis des Euro in Franken seinen Aufwärtstrend beendet und sich wieder von seinem Hoch von 1.20 entfernt hat. Aktuell notiert er an den Devisenmärkten bei rund 1.194. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung:

... und der potenzielle Dämpfer

Der gestern publizierte sogenannte Einkaufsmanager-Index (PMI) zur Industrie in der Eurozone ist mit einem Wert von 56 Punkten auf ein 14-Monats-Tief gefallen. Noch Ende 2017 notierte dieser Index bei über 60 Punkten. Werte über 50 zeigen noch immer eine Expansion an, für eine gewisse Beunruhigung sorgt aber der Rückgang.

Als ein Grund für das leicht geringere Wachstum der Auftragseingänge (die mit dem PMI erfasst werden) wird der Eurokurs gegenüber dem Dollar genannt. Im Jahresverlauf hat sich die Gemeinschaftswährung gegenüber jener der USA deutlich verteuert, das führt auch zu höheren Preisen der europäischen Güter im Aussenhandel.

Die mit den jüngsten Konjunkturdaten verbundene Sorge um eine Abschwächung des Wachstums in der Eurozone macht es wieder weniger wahrscheinlich, dass die EZB am Donnerstag bereits Schritte für eine Normalisierung ihrer Geldpolitik ankündigt. Denn das würde dem Euro nur noch mehr Schub verleihen. Es ist sogar möglich, dass sie eher das Gegenteil betont: nämlich, dass sie für absehbare Zeit noch nichts daran ändern wird. Diese veränderte Erwartung zur EZB-Politik allein reicht schon als Erklärung für den wieder leicht stärkeren Franken aus, beziehungsweise den Rückfall des Eurokurses unter 1.20 Franken.

Gefallen ist der Preis des Euro in den letzten Tagen auch in Dollar. Auch das kann als Zeichen dafür interpretiert werden, dass die EZB doch nicht so bald ihre expansive Geldpolitik beendet. In den USA zeichnet sich im Gegenteil sogar ein rascherer Zinsanstieg als bisher erwartet ab: So sind die 10-Jahres-Zinsen gemessen an der Rendite 10-jähriger Staatsanleihen auf beinahe 3 Prozent angestiegen.

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