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Goldboom lockt unseriöse Händler an

Experten warnen vor Risiken beim Goldverkauf: So sollen unseriöse Händler die Preise massiv drücken.

Im Rekordhoch: Eine Feinunze (ca. 31 Gramm) Gold notiert zurzeit bei 390 Franken.
Im Rekordhoch: Eine Feinunze (ca. 31 Gramm) Gold notiert zurzeit bei 390 Franken.
Keystone

Ob Schmuck, Münzen oder Altgold: Beim Goldverkauf kann der Besitzer aktuell Höchstpreise erzielen - oder einen Reinfall erleben. Denn die Zahl der Aufkäufer, die am Goldboom verdienen wollen, hat rapide zugenommen. Immerhin ist der Preis pro Feinunze (ca. 31 Gramm) innerhalb eines Jahres um rund 390 Franken* auf aktuell circa 1261 Franken gestiegen.

«Es gibt zahlreiche unseriöse Ankäufer, die ihren Wissensvorsprung zum Nachteil der Kunden ausnutzen», sagt Kay Görner, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Sachsen. «Hinzu kommt, dass der Markt völlig intransparent ist, weshalb jeder Verkäufer unbedingt mehrere Angebote einholen und sich über den aktuellen Tagespreis informieren sollte.»

Goldaufkäufer nehmen fast alles, von Münzen und Schmuck bis zu Zahngold und Besteck. Allerdings erhalten die Verkäufer nicht den amtlichen Börsenkurs. Sie müssen mit Abschlägen von rund zehn Prozent und mehr rechnen. Deutlich zugenommen hat die Zahl der Online-Anbieter, bei denen Kunden ihr Gold per Brief einschicken können. Sie bewerten dann die Stücke kostenlos und nennen einen Preis. Akzeptiert der Verkäufer diesen, wird ihm das Geld sofort überwiesen, andernfalls wird das Gold zurück geschickt - so verspricht es zumindest die Werbung.

Probleme bei Online-Anbietern

Doch die Praxis sieht nicht selten anders aus, wie zwei Fälle der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein aus dem Frühjahr zeigten. So bot hier ein Online-Aufkäufer für Goldschmuck, der später 780 Franken einbrachte, lediglich 243 Franken. In einem weiteren Fall wurden einer Kundin zunächst 103.80 Franken geboten, das Angebot später auf 221 Franken nachgebessert. Sie verlangte die Stücke zurück und erhielt bei einem seriösen Anbieter 780 Franken. In beiden Fällen wurde den Kunden ihr Gold erst nach Androhung juristischer Schritte ausgehändigt.

Bei Online-Anbietern lauern laut Görner zudem weitere Risiken, beispielsweise eine Beschädigung der Stücke. Denn in den Geschäftsbedingungen seien gelegentlich Klauseln enthalten, wonach Goldschmuck zur Wertfeststellung beschädigt oder zerstört werden darf. «Der Kunde hat dann zwar einen Anspruch auf Schadenersatz, aber da einige Firmen im EU-Ausland ansässig sind, kann es schwierig werden, sein Recht durchzusetzen», sagt der Experte.

Unseriöse Methoden

Dass in der Branche nicht selten unseriös gearbeitet wird, bestätigt auch der Händler Daniel Klapp aus Schifferstadt. «Die Aufkäufer unterscheiden sich erheblich in ihren Preisen, und Verkaufsbedingungen, bei der Beratungsqualität, den Methoden zur Wertbestimmung und in ihrer Seriosität», sagt Klapp. Fixpreis-Angebote lägen bis zu 50 Prozent unter denen seriöser Händler. Manche Aufkäufer berechneten beispielsweise hohe Bearbeitungsgebühren oder zögen fälschlicherweise die Mehrwertsteuer vom Goldwert ab. Der Experte hat Ende August mehrere Angebote für 81,5 Gramm 585er Goldschmuck eingeholt. Ein Online-Anbieter bot ihm dafür 405 Franken, eine Lotto-Annahmestelle 995 Franken, ein Juwelier 1176 Franken und ein Auktionshaus 1365 Franken.

Wer sein Gold verkaufen will, der sollte es zunächst Händlern vor Ort anbieten, rät Kay Görner. Denn gerade in Kleinstädten wollten die sich ihren Ruf nicht durch schlechte Angebote ruinieren. Bei Goldschmuck kann sich das Angebot eines Juweliers lohnen, denn der Wert des Schmuckstücks kann deutlich höher liegen als der reine Goldwert. Gleiches gilt für Münzen und Medaillen, die der Besitzer zunächst einem Münzhändler anbieten sollte.

Spekulationsfrist beachten

Übrigens kann sich auch das Finanzamt für Goldgeschäfte interessieren. Denn beim Verkauf gilt die Spekulationsfrist. Liegen zwischen Kauf und Verkauf weniger als 12 Monate, ist der Gewinn einkommenssteuerpflichtig und muss in der Steuererklärung angegeben werden. Das gilt immer dann, wenn der jährliche Freibetrag von 2554 Franken überschritten wird, wie der Bundesverband deutscher Banken mitteilt.

Deshalb kann es sich lohnen, mit dem Verkauf abzuwarten, denn nach einem Jahr Haltefrist sind die Gewinne steuerfrei.

*Alle Preise wurden von Euro in Franken umgerechnet.

dapd/mrs

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