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Griechenland-Hilfe deutlich höher als befürchtet

Der Finanzbedarf Griechenlands ist offenbar weitaus dramatischer als bisher angenommen. Es ist die Rede von bis zu 135 Milliarden Euro.

Alles noch schlimmer: Griechenland benötigt offenbar bis zu 120 Milliarden Euro.
Alles noch schlimmer: Griechenland benötigt offenbar bis zu 120 Milliarden Euro.

Der Bedarf Griechenlands liege am Ende wohl zwischen 100 und 120 Milliarden Euro, sagten SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann und Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin nach einem Treffen mit Finanzminister Wolfgang Schäuble sowie den Chefs des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank, Dominique Strauss-Kahn und Jean-Claude Trichet. Zwei Drittel müssten durch die EU aufgebracht werden, davon wiederum 20 Prozent durch Deutschland. Experten bezweifeln, dass Griechenland den Kredit zurückzahlen kann.

«Enormes Defizit»

Strauss-Kahn wollte die Zahlen mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen in Athen nicht bestätigen. Er sprach lediglich von einem Drei-Jahres-Programm und von einem «enormen Defizit», dessen Rückführung den Griechen «schmerzhafte Einschnitte» abverlange.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, Deutschland sei bereit, seinen Beitrag zu leisten, wenn die Stabilität des Euro-Raumes in Gefahr sei. «Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind», erklärte sie. Zu Berichten, wonach Griechenland bis zu 135 Milliarden Euro benötige, sagte die Kanzlerin: «Lasst uns über Zahlen sprechen, wenn das Programm ausverhandelt ist.»

Schäuble meinte im ZDF: «Der Euro ist zu retten.» Aber die finanzielle Stabilität des Währungsraums stehe auf dem Spiel.

Kabinett tagt wahrscheinlich Montag

Das Bundeskabinett will am Montag einen Gesetzentwurf beschliessen, damit die KfW-Bank ihren Ermächtigungsrahmen erweitern kann. Die kommende Woche über soll es ein beschleunigtes Gesetzgebungsverfahren geben, damit die Beratungen am 7. Mai im Bundesrat abgeschlossen werden können. Offen ist, ob die Opposition mitspielt. Die Refinanzierungsfähigkeit Griechenlands ist spätestens am 19. Mai bedroht, wenn die nächste Anleihe platziert werden muss.

Aberwitzige Zinssätze

Nach der Herabstufung griechischer Staatsanleihen auf Schrottstatus durch die Ratingagentur S&P explodierten am Mittwoch die Zinssätze. Griechenland müsste derzeit mehr als 12 Prozent Zinsen anbieten, um an den Finanzmärkten frisches Geld zu bekommen. Das ist das Vierfache dessen, was Deutschland aufwenden muss.

Die Ratingagentur stufte auch die Kreditwürdigkeit Spaniens herunter - von AA& auf AA. Das Land habe eine «verlängerte» Phase schwachen Wirtschaftswachstums vor sich, hiess es zur Begründung.

Aussenminister Guido Westerwelle sprach sich für die Einrichtung einer unabhängigen europäischen Ratingagentur aus. «Ratingagenturen dürfen nicht gleichzeitig Finanzprodukte entwickeln, vertreiben und bewerten», sagte der FDP-Chef der «WAZ»-Mediengruppe.

Gipfel für den 10. Mai geplant

Die Griechenlandkrise drückte nicht nur den Ölpreis auf 82,24 Dollar pro Barrel (159 Liter) nach einem Höchststand von vorher 87 Dollar. Sie macht auch anderen Branchen Probleme: Die Rückversicherung Munich Re hat mehr als zehn Milliarden Euro in Staatsanleihen von Griechenland, Spanien, Portugal und Italien investiert.

Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone wollen wahrscheinlich am 10. Mai zu einem Gipfeltreffen zusammenkommen, um die geplante Finanzhilfe für Griechenland auf den Weg zu bringen. Das erklärte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in Tokio.

ddp/sda/bru

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