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In kurzer Zeit fast 26 Milliarden Franken für den Euromindestkurs

In ihrem Geschäftsbericht listet die Nationalbank ihre Interventionen am Finanzmarkt auf – und sagt, warum sie schliesslich den Euromindestkurs aufgegeben hat.

Festhalten am Mindestkurs «in keinem Verhältnis zu dessen Nutzen für die Wirtschaft»: SNB-Präsident Thomas Jordan. (19. März 2015)
Festhalten am Mindestkurs «in keinem Verhältnis zu dessen Nutzen für die Wirtschaft»: SNB-Präsident Thomas Jordan. (19. März 2015)
Keystone

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die Summe für die Ende 2014 nötig gewordenen Devisenkäufe zur Durchsetzung des damals noch gültigen Euromindestkurses publik gemacht: Insgesamt kaufte sie gegen Ende Jahr Fremdwährungen für 25,8 Milliarden Franken.

Dies geht aus dem Jahresbericht der SNB hervor. Der Euro hatte sich ab Mitte November wieder sehr nahe bis an den Mindestkurs von 1.20 Franken heran abgeschwächt. Erstmals seit September 2012 mussten die Währungshüter dann im Devisenhandel intervenieren, um den Mindestkurs zu garantieren, ehe sie ihn am 15. Januar 2015 fallen liessen.

Druck «massiv erhöht»

Bereits bekannt ist, dass die Devisenanlagen 2014 insgesamt um rund 67 Milliarden auf 510 Milliarden Franken angeschwollen sind. In der ersten Januarhälfte habe sich der Druck auf den Mindestkurs «massiv erhöht», halten Direktoriumspräsident Thomas Jordan und Bankratspräsident Jean Studer im Geschäftsbericht fest. Eine Summe zu den in dieser Periode getätigten Devisenkäufen nannten sie nicht.

Es sei aber deutlich geworden, dass sich der Mindestkurs nur noch mit anhaltenden Interventionen am Devisenmarkt durchsetzen lassen würde. «Dies hätte zu einer nicht mehr kontrollierbaren Ausdehnung der Bilanz – potenziell auf ein Mehrfaches des schweizerischen Bruttoinlandprodukts – geführt», schreiben die Währungshüter.

Mindestkurs «nicht mehr zu rechtfertigen»

Sie seien deshalb zum Schluss gekommen, dass ein Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro «nicht mehr nachhaltig und somit geldpolitisch nicht mehr zu rechtfertigen» sei. Mit einem Festhalten hätte die SNB nach ihrer Darstellung riskiert, wegen der massiv steigenden Devisenkäufe «in der längeren Frist die Kontrolle über die Bilanz und damit die monetären Bedingungen zu verlieren».

Die Durchsetzung sei nicht mehr zu verantworten gewesen und die Kosten eines weiteren Festhaltens am Mindestkurs «wären in keinem Verhältnis zu dessen Nutzen für die Wirtschaft gestanden». Wegen der Frankenaufwertung nach der Aufgabe des Mindestkurses nahm die SNB aber die Prognose für das Wachstum der Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr kürzlich von rund 2 auf noch knapp 1 Prozent zurück.

Mehr Personal

Wie dem Geschäftsbericht weiter zu entnehmen ist, beschäftigte die SNB Ende des letzten Jahres 868 Personen. Das sind 36 mehr als ein Jahr zuvor. Der wiederum deutlich erhöhte Personalbedarf sei nicht nur auf die Umsetzung der Geldpolitik zurückzuführen, schreiben die Währungshüter.

Auch die Neuausrichtung des Bereichs Bargeld und Aufgabenerweiterungen in den Bereichen Finanzstabilität, Statistik und Internationale Währungskooperation hätten zusätzliche Ressourcen erfordert.

Die Aufwände für Löhne, Gehälter und Zulagen stiegen um 5,6 Prozent auf 116,7 Millionen Franken. Die Gesamtvergütung von Direktoriumspräsident Thomas Jordan inklusive Sozialbeiträge des Arbeitgebers nahm von 1,052 Millionen auf 1,135 Millionen Franken zu. Ohne Sozialbeiträge betrug sie unverändert 895'000 Franken.

SDA/rar

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