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Japans Geldpolitik verpufft an den Märkten

Um die lahmende Konjunktur anzukurbeln, hat die Bank of Japan eine Geldschwemme angekündigt. Die asiatischen Märkte lassen sich davon nicht beeindrucken: Sie schliessen teilweise sogar im Minus.

Die Regierung und die Notenbank von Japan wollen den stotternden japanischen Wachstumsmotor mit einer wahren Geldschwemme wieder auf Touren bringen. In einer gemeinsamen Erklärung kündigten sie heute Dienstag an, dass die Zentralbank im Kampf gegen Deflation und Konjunkturflaute ab dem kommenden Jahr unbegrenzt Anleihen ankauft.

Die Entscheidung der Notenbank stellt einen Bruch mit der bisherigen Strategie dar, die Käufe schrittweise auszuweiten. Der erst seit wenigen Wochen amtierende Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte einen «Paradigmenwechsel» in der makroökonomischen Strategie an.

Der Yen fiel unmittelbar nach der Entscheidung, erholte sich dann jedoch wieder. Auch der 225 Werte umfassende Nikkei-Index konnte seine Gewinne nicht halten. Mehrere Analysten wiesen darauf hin, dass die Notenbank mehr hätte tun können. Zudem dürften Politiker, Volkswirte und einige Notenbankmitglieder den Druck weiter aufrecht erhalten, den Geldhahn noch weiter aufzudrehen. Ein solcher Schritt könnte sein, Anleihen mit längerer Laufzeit zu kaufen. Zudem könnte der Zinssatz von 0,1 Prozent für kurzfristiges Notenbankgeld gestrichen werden.

Japan leidet an Deflation

International stösst die enge Verbundenheit von Notenbank und Regierung in Japan auf Kritik. So hatte sich etwa der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble wiederholt kritisch dazu geäussert. «Mir macht ziemlich viel Sorge, was die neue Politik der neu gewählten Regierung ist», sagte er.

Die Bank von Japan hat überdies ihr Inflationsziel auf zwei Prozent verdoppelt. Die hartnäckige Deflation ist ein massives Problem für die japanische Wirtschaft. Seit Ende der 1990er Jahre sind die Konsumentenpreise nur in wenigen Monaten stärker als zwei Prozent gestiegen. Häufiger waren dagegen fallende Preise.

Diese sind gefährlich, weil sich die Verbraucher in der Hoffnung auf noch günstigere Angebote mit Einkäufen zurückhalten und so eine Abwärtsspirale in Gang kommt. Eine schnelle Besserung ist auch nach Einschätzung der Bank von Japan nicht in Sicht: Für das Haushaltsjahr, das im März 2015 endet, rechnet sie mit einer Teuerungsrate von nur 0,9 Prozent.

Regierung eingeschränkt

Ministerpräsident Abe, der mit seiner gemässigt-konservativen Liberaldemokratischen Partei bei der Wahl Mitte Dezember einen klaren Sieg errungen hatte, versprach massive Konjunkturstützen und schickte damit den Yen auf Talfahrt. Zugleich erhöhte er den Druck auf die Notenbank, das Ziel für die Inflation anzuheben und ihr Mandat auch auf die Förderung des Arbeitsmarktes auszudehnen.

Abe ist auf die Hilfe der Notenbank angewiesen, um die Konjunkturflaute zu überwinden, weil die Regierung angesichts einer Staatsverschuldung von etwa 235 Prozent der Wirtschaftsleistung kaum noch Spielraum für weitere Konjunkturpakete hat.

Nach Einschätzung von Experten reichen jedoch kurzfristige Konjunkturstützen nicht aus. Die Regierung müsse vielmehr auch die politisch schwerer umzusetzenden Strukturreformen angehen, um dem Land neue Wachstumskräfte einzuhauchen, wie etwa eine Deregulierung der stark reglementierten Landwirtschaft.

SDA/fko

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