Zum Hauptinhalt springen

Miniwachstum statt Rezession

Die Konjunkturexperten der ETH sind optimistischer als kurz nach dem Frankenschock im Januar. Sie rechnen nun mit einer annähernd stagnierenden Schweizer Wirtschaftsleistung.

Die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich gibt sich für die Schweizer Wirtschaft inzwischen weniger pessimistisch als noch kurz nach der Aufhebung des Euromindestkurses. Sie rechnet nun mit einem Miniwachstum im laufenden Jahr von 0,2 Prozent.

Ende Januar hatte die KOF angesichts des Frankenschocks ihre Konjunkturprognose ausserplanmässig aufdatiert und vor einer kurzen Rezession bei einem Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP) im laufenden Jahr von 0,5 Prozent gewarnt.

Andere Konjunkturauguren von Banken blieben hingegen im leicht positiven Bereich. BAK Basel wiederum korrigierte die anfängliche Annahme von minus 0,2 Prozent bereits auf plus 1,0 Prozent.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verzichtete zunächst auf eine Prognose und stellte vergangene Woche ein Plus von 0,9 Prozent in Aussicht. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) rechnet – zwei Monate nachdem sie den Euromindestkurs aufgegeben hat – mit einem BIP-Wachstum von knapp 1 Prozent.

Kurz nach der Kursfreigabe sei die KOF davon ausgegangen, dass Euro und Franken längere Zeit bei der Parität verharren würden, erklärte KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm am Donnerstag. Die neue Prognose gehe nun von einem Eurokurs von 1.07 Franken aus. Der weitere Verlauf sei entscheidend. Am Freitag notierte die Gemeinschaftswährung bei knapp 1.05 Franken.

Weiterhin kurze Rezession

Die KOF hält aber daran fest, dass die Schweizer Wirtschaft vom ersten bis ins dritte Quartal leicht schrumpfen und damit eine kurzfristige Rezessionsphase durchlaufen werde, wie Sturm vor den Medien sagte.

Insbesondere die Exportfirmen und der Tourismus spürten die Frankenstärke. Es sei aber ein Härtetest für die Schweizer Wirtschaft insgesamt, denn auch binnenorientierte Firmen litten unter dem Preisdruck. In diesem Umfeld dürften sie sich mit Ausrüstungsinvestitionen (+0,3 Prozent) zurückhalten.

Bei den Bauinvestitionen rechnet die KOF im laufenden Jahr mit einer Abnahme (–0,6 Prozent) auf allerdings hohem Niveau. Ein Grund dafür sei die anhaltende Unsicherheit bezüglich Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative.

Geringere Produktion

Den Unterschied zu den anderen, etwas optimistischeren BIP-Prognosen erklärte Sturm insbesondere mit der Berücksichtigung von Lagereffekten. In den letzten Jahren während des Euromindestkurses hätten die Firmen immer wieder Lager aufgebaut und auf eine bessere Nachfrage gehofft. Das BIP sei davon begünstigt worden. «Jetzt wird die Produktion an die tatsächliche Nachfrage angepasst», sagte Sturm.

In vielen Branchen sei mit Produktionsrückgängen zu rechnen, vor allem bei Firmen, die mehrheitlich im Euroraum verkauften. Eine gewisse Kompensation sieht Sturm durch die Erstarkung des US-Dollar und die Erholung der Weltwirtschaft. Das Exportwachstum werde insgesamt noch tiefe 1,2 Prozent erreichen.

Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt seien zunächst zwar relativ gering. Die Arbeitslosenquote dürfte laut KOF im laufenden Jahr leicht auf 3,4 Prozent steigen, 2016 dann aber 3,8 Prozent erreichen. Trotzdem bleibe der private Konsum (+2,1 Prozent) eine Stütze des Wirtschaftswachstums. Sturm begründete dies mit den immer noch komfortablen Einkommen und den tieferen Preisen (–0,8 Prozent).

Für 2016 prognostiziert die KOF neu ein Wachstum von 1,0 Prozent, nachdem sie Ende Januar von einer Stagnation ausgegangen war. Die Szenarien reichen dabei von einem halben bis 2,5 Prozent.

SDA/rub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch