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Obama nominiert die «Taube» – Republikaner sind skeptisch

Gibt der Senat grünes Licht, wird Janet Yellen die erste Frau an der Spitze der Fed. Die Finanzwelt atmet auf – doch die Republikaner kritisieren Yellens «Vorliebe fürs Gelddrucken».

Sie könnte bald die erste Nicht-Republikanerin seit 30 Jahren und die erste Frau überhaupt an der Spitze der Fed sein: Janet Yellen bei der Nominierung neben Präsident Obama und Noch-Fed-Chef Bernanke. (9. Oktober 2013)
Sie könnte bald die erste Nicht-Republikanerin seit 30 Jahren und die erste Frau überhaupt an der Spitze der Fed sein: Janet Yellen bei der Nominierung neben Präsident Obama und Noch-Fed-Chef Bernanke. (9. Oktober 2013)
Keystone

Die US-Notenbank Fed soll erstmals in ihrer 100-jährigen Geschichte von einer Frau geleitet werden. US-Präsident Barack Obama hat die Fed-Vizechefin Janet Yellen für die Spitze der mächtigsten Zentralbank der Welt nominiert, wie das Präsidialamt mitteilte. Obama lobte Yellen als «ausserordentlich qualifiziert» für den Posten. «Amerikas Arbeiter und Familien werden in Janet eine Verfechterin ihrer Interessen haben», sagte der Präsident bei der Verkündung seines Entscheids im Weissen Haus.

Yellen steht für eine Fortsetzung der ultra-lockeren Geldpolitik Bernankes. Ihr fällt die schwierige Aufgabe zu, angesichts der wirtschaftlichen Erholung die üppigen Konjunkturhilfen der Fed allmählich zurückzufahren. Mit einer entsprechenden Entscheidung Bernankes war weithin bereits für September gerechnet worden. Doch bislang war der Notenbank die Belebung nicht stark genug, um ihre massiven Wertpapieraufkäufe zu drosseln.

Analysten zeigen sich erleichtert

Die Berufung Yellens kommt in einer innenpolitisch sehr angespannten Phase. Die Verwaltung steht teilweise still, weil sich Obamas Demokraten und die Republikaner nicht auf einen Haushalt einigen konnten. Ein Ende des Streits ist nicht in Sicht – und die Uhr tickt. Bis zum 17. Oktober müssen sich die Abgeordneten auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze einigen, sonst droht die Zahlungsunfähigkeit.

Am Aktienmarkt sorgte die geplante Nominierung Yellens für positive Reaktionen. Der Terminkontrakt auf den US-Börsenindex S&P-500 legte zu. «Gott sei Dank ist es Yellen, die unter den gegenwärtigen Umständen nominiert wird», sagte Anlagemanager Dan Fuss von Loomis Sayles in Boston. Die Personalentscheidung bedeute eine Unsicherheit weniger für die bereits sehr nervösen Märkte. «Einen Kurswechsel bei der Notenbank könnten wir gerade jetzt nicht gebrauchen.»

Auch die Analystin Annette Beacher von TD Securities in Singapur sprach von einer guten Nachricht für die Börsen. Mit Yellen werde die erwartete geldpolitische Drosselung wahrscheinlich frühestens im März beginnen. Aus dem heute veröffentlichten Protokoll einer Fed-Sitzung lassen sich jedoch auch andere Schlüsse ziehen (siehe Infobox).

Senat muss bestätigen

Nach dem überraschenden Verzicht des früheren Finanzministers Lawrence Summers galt Yellen als Top-Favoritin für die Bernanke-Nachfolge. Die 67-jährige Yellen ist eine anerkannte Ökonomin, die sich intensiv mit Theorien der Geldpolitik befasste. Sie studierte in Yale und lehrte mehr als ein Jahrzehnt in Berkeley.

Von 1994 bis 1997 gehörte sie erstmals der Fed-Spitze an, bevor sie Chefin der Wirtschaftsberater des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton wurde. Später leitete sie die Notenbank von San Francisco. Yellen hat den Ruf einer geldpolitischen «Taube», die dem Kampf gegen Arbeitslosigkeit durch billiges Zentralbank-Geld Vorrang gegenüber einer niedrigen Inflation einräumt.

Yellens Nominierung muss noch vom Senat bestätigt werden. Dies gilt als wahrscheinlich, da Obamas Demokraten in der Parlamentskammer die Mehrheit haben. Anders als Summers hat Yellen starke Unterstützung von den Demokraten erhalten.

Skeptische Republikaner

Unter den Republikanern herrscht dagegen grössere Skepsis. Viele befürchten, dass die extrem laxe Geldpolitik der Fed zu Blasen an den Märkten führen und die Inflation in ungewollte Höhen treiben könnte. In Bernankes Ägide sanken die Zinsen auf historisch niedrige Stände, während die Aktienkurse auf Rekordhöhe stiegen. Der republikanische Senator Richard Shelby aus Alabama sagte, ihn sorge Yellens «Vorliebe fürs Gelddrucken».

(AFP)

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