Plötzliche Sprünge beim Frankenkurs

Euro und Dollar legen heute seit 9 Uhr zur Schweizer Währung deutlich zu. Was ist passiert?

Matthias Chapman@matthiaschapman

1.02 Euro pro Franken im April, 1.03 im Juni und heute wieder der Sprung über 1.07 Franken pro Euro. Die Schweizer Währung verliert auch zum Dollar an Wert und steuert wieder auf die Parität zu, die sie im letzten März unterschritten hatte.

Was sind die Gründe für die plötzlichen Währungssprünge? Der Franken gab schon in den vergangenen Tagen spürbar nach. Ein Kommentar der VPBank verweist auf Charttechnik: «Aus charttechnischer Sicht stellte die Marke von 1.0680 einen wichtigen Widerstand dar. Der Bruch der 1.0680 führte dann auch nahezu ruckartig zu höheren Notierungen.» Ein Eingreifen der SNB schliessen die Analysten aus. «Die SNB hielt sich zuletzt mit Interventionen zurück. Die Schwäche des Franken dürfte deshalb nicht auf Aktionen der eidgenössischen Währungshüter zurückzuführen sein.»

SNB toleriere keine Kurse unter 1.04

Aus fundamentaler Sicht sei die derzeitig kurzfristige Franken-Schwäche gerechtfertigt. Abgesehen vom griechischen Schuldendrama präsentiere sich die «Eurozone derzeit so gut wie schon lange nicht mehr». Die deutschen Unternehmen etwa hätten heute einen «bemerkenswert guten Auftragseingang» vermeldet. Darüber hinaus blickten die schuldengeplagten Länder der Eurozone auf eine spürbare wirtschaftliche Erholung. Allen voran stünde dabei Spanien. Aller Voraussicht nach werde das Land im laufenden Jahr einen BIP-Zuwachs von knapp 3 Prozent verbuchen. Die Eurozone als Gesamtes werde vermutlich mit 1,5 Prozent zulegen. Die VPBank geht davon aus, dass die SNB noch in den vergangenen Wochen am Währungsmarkt interveniert hat. «Wie die Entwicklung der Sichteinlagen der Geschäftsbanken bei der SNB zeigen, lag das wöchentliche Interventionsvolumen Anfang Juli sogar bei über zwei Milliarden Franken. Bei genauerer Betrachtung des Wechselkursverlaufes lässt sich vermuten, dass die SNB Kurse unter 1.04 nicht tolerierte.»

Auf längere Sicht wieder über 1.10

Für die nächsten 3 bis 6 Monate rechnet die VPBank weiterhin mit Wechselkursnotierungen «im Bereich zwischen 1.00 und 1.10». Später dürfte der Franken «aber wieder über der Marke von 1.10 gegenüber dem Euro notieren». Die Kaufkraftparität sehen die Analysten bei 1.25 Franken pro Euro.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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