Zum Hauptinhalt springen

«Portugal sollte zügig unter den Rettungsschirm gehen»

Portugal wird nach Ansicht des Chefökonoms der Deutschen Bank, Thomas Mayer, bald Milliardenhilfen aus dem Rettungsfonds der Euro-Staaten benötigen. Auch für Spanien wagt er eine Prognose.

Keine rosigen Aussichten: Eine Frau steht auf dem Balkon ihres Hauses in der Innenstadt von Porto.
Keine rosigen Aussichten: Eine Frau steht auf dem Balkon ihres Hauses in der Innenstadt von Porto.
Keystone

«Zusätzlich zu Griechenland und Irland würde ich mich nicht wundern, wenn Portugal in absehbarer Zeit auch unter den Rettungsschirm schlüpfen muss», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Der südeuropäische Staat wäre nach Ansicht des Ökonomen auch «gut beraten, zügig unter den Rettungsschirm zu gehen». «Irgendwann wäre es wohl sowieso fällig. Man könnte eine Hängepartie abkürzen.»

Dagegen müssen seiner Ansicht nach Spanien, Italien und Belgien mit ihren Schulden klarkommen. «Wenn die Aufregung weg ist und sich alle wieder auf die fundamentalen Wirtschaftsdaten konzentrieren, müsste Spanien aus dem Schneider sein», sagte Mayer weiter.

«Diese Länder haben ein Glaubwürdigkeitsproblem»

Die Sparprogramme der Regierungen in den hoch verschuldeten Euro-Staaten könnten die Investoren auf den internationalen Finanzmärkten nicht beruhigen, sagte Mayer. «Diese Länder haben ein Glaubwürdigkeitsproblem. Sie könnten zwar jetzt ein Sparprogramm veröffentlichen. Aber es dauert zu lange, bis man sieht, ob es funktioniert. Deshalb bleiben die Märkte skeptisch.»

Zugleich plädierte Mayer für die Einrichtung des seit Monaten diskutierten europäischen Währungsfonds. Dieser sollte jetzt beschlossen werden, denn im Januar werde der Druck der Märkte wieder zunehmen. Zudem würde ein solcher Fonds mit Finanzexperten besetzt, die «unabhängig von der Politik über die Rettung und Umschuldung von Staaten entscheiden. Die Politik war bisher mit den vielen praktischen Fragen überfordert», sagte er.

Rettungsfonds über 750 Milliarden Euro

Die Europäische Union hatte zunächst in aller Eile einen Rettungsschirm aufgelegt, um Griechenland vor einem Staatsbankrott zu bewahren. Mit diesem stellen die Euro-Staaten Griechenland 110 Milliarden Euro innerhalb von drei Jahren zur Verfügung. Die zwölf Länder mit dem Euro legten dann im Mai den aktuellen Rettungsfonds auf. Insgesamt steuern die Euro-Länder dazu 440 Milliarden Euro an Kreditbürgschaften bei. Zusammen mit Hilfen aus dem EU-Budget und vom Internationalen Währungsfond (IWF) beläuft sich der Fonds auf 750 Milliarden Euro. Irland erhält als erster Staat daraus 85 Milliarden Euro.

AFP/jak

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch