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Schwellenländer lösen sich vom Dollar

Den Wert der eigenen Währung an den US-Dollar binden: So einfach war Geldpolitik für viele Schwellenländer über Jahrzehnte. Doch damit ist es vorbei.

Währung massiv abgewertet: Ägypter bei einer Wechselstube in Kairo (14. März 2016).
Währung massiv abgewertet: Ägypter bei einer Wechselstube in Kairo (14. März 2016).
Keystone

Seit Jahrzehnten koppeln viele Schwellenländer ihre heimischen Währungen an den US-Dollar. Doch inzwischen springen immer mehr von ihnen ab, weil die starke US-Währung sie zunehmend unter Druck setzt.

Nach der Zinserhöhung vom Dezember steht heute erneut eine Entscheidung der US-Notenbank Fed an. Mit einer erneuten Zinserhöhung rechnet zwar kaum jemand. Doch könnte die Fed die Gelegenheit nutzen, die Anleger auf weitere Erhöhungen einzustimmen. Dies könnte den Dollar weiter stärken.

Diese Woche hat Ägypten die Notbremse gezogen und seine Währung massiv abgewertet. In kürzester Zeit büsste die Währung zum Dollar etwa 13 Prozent an Wert ein. Zudem kündigte die Notenbank an, den Wechselkurs künftig flexibler zu handhaben. «Unsere Entscheidung wird Ägypten in die Länder mit hocheffektiven und transparenten Wechselkurssystemen einreihen», begründeten die Experten den Schritt. Die Orientierung am Dollar - ein Modell von gestern?

Ein Schwellenland nach dem anderen

So scheint es. Denn nicht nur Ägypten kehrt sich vom Dollar ab. Seit vergangenem Jahr verabschiedet sich ein Schwellenland nach dem anderen vom US-Vorbild. Argentinien, Nigeria, Angola und Vietnam, die Liste ist lang. Auch Russland und das wirtschaftliche Schwergewicht China haben kräftig abgewertet. Die heftigste Bewegung gab es nach der Wechselkursfreigabe im August in Kasachstan. Der kasachische Tenge verlor fast die Hälfte seines Werts.

Ausländische Touristen mit günstigeren Preise locken

Der wichtigste Grund für die Abkehr vom Dollar ist dessen Stärke. Wenn er auch zuletzt wieder etwas nachgegeben hat: Unterm Strich ist er seit dem vergangenen Jahr so stark wie seit Anfang des neuen Jahrtausends nicht mehr. Und ein Ende ist nicht in Sicht. «Der nächste Zinsschritt dürfte vorbereitet werden», sagt Dirk Gojny, Analyst bei der National-Bank.

Das Kalkül der Schwellenländer bei der Auflösung der Dollarbindung: Eine Abwertung der heimischen Währung macht Investitionen für Ausländer attraktiver, weil diese in anderen Währungen gemessen billiger werden. Ausserdem werden ausländische Touristen mit günstigeren Preise gelockt, und die Exportprodukte werden erschwinglicher.

Druck des Marktes

Allerdings werten viele Länder nicht ganz freiwillig ab, sondern geben schlicht dem Druck des Marktes nach. In Ägypten beispielsweise hatte sich ein erheblicher Teil des Devisenhandels in den Schwarzmarkt verlagert. Dort bekomme man selbst nach der Abwertung immer noch mehr ägyptische Pfund für einen US-Dollar, meint Lothar Hessler, Analyst bei HSBC Deutschland.

Bauchschmerzen bei der Abkehr vom Dollar sind berechtigt, denn sie ist riskant. Starke Währungsschwankungen machen Handelspartnern die Kalkulation schwer. Das wirkt abschreckend, und ein Grossteil des weltweiten Handels wird in Dollar abgewickelt. Ausserdem droht eine galoppierende Inflation. Importierte Güter werden teurer. Das geht zu Lasten der Menschen, die sich von ihrem Geld weniger leisten können.

Turbulenzen an den Finanzmärkten

Im Falle des wirtschaftlichen Riesen China kommt hinzu, dass die Währungsabwertungen heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten weltweit verursachen. Wann immer China den Yuan, auch Renminbi genannt, überraschend und kräftig abwertet: Die Börsen rund um den Globus spielen verrückt.

Besonders schlimm war es im Sommer 2015 und zu Beginn des laufenden Jahres. Inzwischen versucht Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan zu beschwichtigen. Am Samstag betonte er, dass China keine weitere Abwertung anstrebe. Die Währung befinde sich inzwischen auf einem «angemessenen» Niveau, sagte Zhou.

Ölexportländer sehr eng an den Dollar gebunden

Einige Spekulanten schenken solchen Beschwörungen aber wenig Glauben und sehen in ihnen eher eine Gelegenheit, gegen die Notenbanken zu wetten. Die müssen dann mit Devisenverkäufen gegenhalten. Gehen die Fremdwährungsreserven zur Neige, wird es eng. Ganz oben auf der Angriffsliste stehen derzeit auch die Ölexportländer im Nahen Osten, die bislang sehr eng an den Dollar gebunden sind.

Die seit Monaten extrem niedrigen Ölpreise machen ihnen zu schaffen. Die Spekulanten setzen darauf, dass die Wüstenstaaten ihre Währungen abwerten müssen, um die Ölindustrie und damit die Staatskasse zu entlasten. Es ist ein Tauziehen, das die Wechselkursbindungen zu zerreissen droht.

SDA/kko

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