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SNB hat seit einem Jahr nicht interveniert

Anlässlich einer Rede in Washington verteidigte SNB-Präsident Thomas Jordan die Mindestkurspolitik – und gab dabei neue Aufschlüsse über das Ansehen, das die Nationalbank am Markt geniesst.

Die Schweizerische Nationalbank verteidigt den Mindestkurs mühelos – und dies seit über einem Jahr, wie Präsident Thomas Jordan heute in einer Rede am Peterson Institute in Washington sagte. «Der Franken hat sich seit September 2012 leicht über der Mindestgrenze von 1.20 Franken eingependelt», sagte Jordan gemäss Redetext. «Demgemäss musste die SNB die Grenze seit über einem Jahr nicht mehr verteidigen.»

Die Äusserung ist interessant, weil der Eurokurs noch innerhalb dieses Zeitraums gefährlich nahe an die Grenze gekommen war: Am 26. November 2012 notierte der Euro bei 1.2033 Franken. Dass die SNB auch dann nicht intervenieren musste, deutet auf das hohe Ansehen hin, dass die Notenbank inzwischen am Markt geniesst. Gesamthaft wurden 188 Milliarden Franken zur Stützung des Kurses ausgegeben, doch diese Interventionen liegen länger zurück. Aktuell wird an den Finanzmärkten rund 1.2269 Franken pro Euro bezahlt.

Kritik an der Kritik

Jordan machte in Washington klar, dass die Schweiz nicht vom Mindestkurs ablassen wird und ging dabei auch auf den hohen Ertragsbilanzüberschuss der Schweiz ein. Dieser dient Beobachtern des öfteren als Ansatzpunkt für Kritik an der SNB. Im zweiten Quartal dieses Jahres schwoll der Überschuss der Schweizer Ertragsbilanz auf insgesamt 80,4 Milliarden Franken an. Der hohe Überschuss wird als Zeichen gewertet, dass der Franken nicht zu stark, sondern zu schwach ist. Mit der Aufhebung des Mindestkurses würde sich auch der Überschuss verringern, so das Argument gegen den Mindestkurs. Gleichzeitig würden sich die Ungleichgewichte zwischen Ländern mit einem sehr hohen Überschuss und anderen mit einem hohen Defizit verringern und dementsprechend Instabilitäten auf das weltwirtschaftliche Wachstum verkleinern.

Jordan kontert dieser Kritik und nennt als die drei wichtigsten Faktoren für den Ertragsbilanzüberschuss: die Kapitaleinkommen auf das hohe Nettoauslandsvermögen der Schweiz, die Einnahmen des Finanzsektors aus dem Geschäft mit ausländischen Kunden und die Erträge aus dem Transithandel.

Aufwertungsdruck könnte erneut einsetzen

«Diese drei Faktoren hängen ab von den Entwicklungen im Ausland, den internationalen Finanzmärkten und der weltweiten Nachfrage nach Rohstoffen», sagte Jordan. Der Wechselkurs des Frankens spiele dagegen keine bestimmende Rolle. Dementsprechend spiele der Ertragsbilanzüberschuss für die Geldpolitik keine Rolle. In einer offenen Volkswirtschaft wie der Schweiz würden sich aber grosse Wechselkursveränderungen stark auf Produktion und Preise auswirken, hielt er fest.

Zwar halte sich der Franken seit einiger Zeit knapp oberhalb der 1.20er-Marke, jedoch seien die Abwärtsrisiken in der Weltwirtschaft nach wie vor beträchtlich und der Franken sei immer noch hoch bewertet. «Falls sich daher der Aufwertungsdruck auf den Franken erneut erhöhen sollte, kann der Mindestkurs eine unerwünschte Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen verhindern», betonte der SNB-Präsident.

(SDA)

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