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Wie Manager lügen

Firmen-Chefs verpacken schlechte Nachrichten gerne in schöne Worte. US-Wissenschaftler haben nun das Muster erforscht, wie Manager Unternehmenszahlen beschönigen. Prominentestes Beispiel ist Lehman Brothers.

Das Ende eines Lügengebildes: Ein Lehman-Brothers-Schild kommt beim Auktionshaus Christie's in London unter den Hammer.
Das Ende eines Lügengebildes: Ein Lehman-Brothers-Schild kommt beim Auktionshaus Christie's in London unter den Hammer.
AFP
Am 15. September 2008 kommt die Schocknachricht: Lehman Brothers meldet Insolvenz an. Nachrichtenticker am New Yorker Times Square am Abend des Zusammenbruchs.
Am 15. September 2008 kommt die Schocknachricht: Lehman Brothers meldet Insolvenz an. Nachrichtenticker am New Yorker Times Square am Abend des Zusammenbruchs.
Reuters
Zürich, 24. Dezember 2008.
Zürich, 24. Dezember 2008.
Keystone
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Anhand zehntausender Präsentationen von Unternehmenszahlen haben US-Wissenschaftler bestimmte Muster aufgespürt, mit denen lügende Firmenvorstände besser entlarvt werden können. So benutzen die Führungskräfte von Konzernen in den Telefonkonzernen zur Vorlage ihrer Quartalszahlen sehr oft das Wort «Wir» statt «Ich», wenn sie unwahre oder ungenaue Angaben zum Abschneiden des Unternehmens machen.

Dies geht aus einer Studie von zwei Professoren der US-Eliteuniversität Stanford hervor. Auf diese Weise entledigten sich die Vorstände des Unternehmens ein Stück weit der persönlichen Verantwortung für das Vorgetragene, argumentieren die Forscher.

Die «unglaublichen» Zahlen von Lehman Brothers

Ein weiteres Zeichen für unwahre Äusserungen sei, wenn Konzernverantwortliche bei der Vorlage der Zahlen sehr viele Wörter verwendeten, die sehr stark aufgeladen mit Gefühlen seien. Als Beispiel nannten die Wissenschaftler die Vorlage der Zahlen der Investmentbank Lehman Brothers im Jahre 2008, wenige Monate vor deren kompletten Zusammenbruch.

Lehman-Finanzvorstand Erin Callan habe damals 14 Mal das Wort «grossartig», 24 Mal das Wort «stark» und acht Mal das Wort «unglaublich» verwendet. Der Studie zufolge ist die Wahrscheinlichkeit falscher Angaben besonders hoch, wenn die emotional gefärbten Wörter kaum von tatsächlichen starken Zahlen begleitet seien, was etwa bei Lehman der Fall war.

30'000 Telefonkonferenzen ausgewertet

Auch die Verwendung von Allgemeinplätzen wie «Jeder von uns weiss» ist der Studie zufolge ein Zeichen, dass die folgenden Aussagen zweifelhaft sind. Für ihre Forschungsarbeit werteten die Stanford-Wirtschaftsprofessoren David Larcker und Anastasia Zakolyukina vor allem die Mitschriften von knapp 30'000 Telefonkonferenzen von Unternehmen in den Jahren 2003 bis 2007 aus.

Die Wissenschaftler entwickelten daraus auf linguistischen Kriterien beruhende Modelle, mit denen der Wahrheitsgehalt einer Präsentation vorhergesagt werden kann. Um zu prüfen, wie gut ihr Modell funktioniert, analysierten sie auch, welche Aussagen und Erwartungen die Unternehmen wenig später wieder korrigieren mussten.

In diesen Fällen unterstellten die Wissenschaftler, dass die Vorstände schon zum Zeitpunkt der Telefonkonferenz wussten, dass die tatsächlichen Zahlen ihrer Firma eigentlich weniger rosig aussehen. Die Forschungsarbeit mit dem Titel «Über das Aufspüren von täuschenden Aussagen in Telefonkonferenzen» ist bisher noch unveröffentlicht. Die Studie soll Analysten helfen, Gefahren für die Anleger auch dann vorauszusehen, wenn Zahlen einer Firma gefälscht worden sind.

(AFP)

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