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«Wir wollen nicht, dass der Euro-Raum ohne Grund explodiert»

Ein Artikel über den möglichen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro schlägt ein wie eine Bombe. Die Euro-Gruppe dementiert, Athen wehrt sich heftig. Doch die Zweifel bleiben.

Das Gerücht eines möglichen Austritts Griechenlands schickt den Euro auf Talfahrt: Die Akropolis in Athen.
Das Gerücht eines möglichen Austritts Griechenlands schickt den Euro auf Talfahrt: Die Akropolis in Athen.

Hickhack um einen Spiegel-Online-Bericht: Die Kernländer der Eurozone sahen sich genötigt, nach einem unangekündigten Treffen in Luxemburg den Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion auszuschliessen. Das Online-Magazin hatte zuvor berichtet, Athen habe EU-Kommission und Partnerländern in den vergangenen Tagen signalisiert, die Eurozone möglicherweise verlassen zu wollen.

Der Chef der Eurogruppe, Luxemburgs Finanzminister Jean-Claude Juncker, bezeichnete einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone als «dumme Idee». Das wäre «ein Weg, den wir niemals gehen würden», sagte er nach dem Treffen. Und: «Wir wollen nicht, dass der Euro-Raum ohne Grund explodiert». Auch eine Umschuldung Griechenlands komme nicht in Frage.

Eine EU-Quelle sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Finanzminister hätten bei den Treffen jedoch ihre Sorge darüber geäussert, ob das hochverschuldete Land, die ihm auferlegten Auflagen zur Reduzierung seines Haushaltsdefizits und Sanierung seiner Staatsfinanzen werde einhalten können. Im Mittelpunkt der laufenden Euro-Krisentreffen stehen daher Überlegungen, wie Griechenlands Schuldenlast verringert werden kann - etwa durch die Verlängerung von Rückzahlungsfristen.

«Keinerlei Diskussion über einen Austritt»

Juncker, der Vorsitzende der Eurogruppe, hatte am Freitag noch zurückgewiesen, dass es überhaupt ein Krisentreffen gebe. Am Samstag hiess es dann, dass er zusammen mit der französischen Finanzministerin Christine Lagarde, die derzeit die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) leitet, zu der informellen Gesprächsrunde eingeladen habe. Ein Sprecher Junckers erklärte, an dem Treffen hätten die Finanzminister der Eurostaaten teilgenommen, die zur G20 zählen. Ebenfalls mit dabei waren der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, und EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Die Politiker hätten einige die G20 betreffende Fragen diskutiert, die sich aus einer Konferenz in Washington im April ergeben hätten. Da dort viel über Griechenland gesprochen worden sei, habe sich Juncker dazu entschlossen, auch den griechischen Finanzminister Giorgos Papaconstantinou zu dem informellen Treffen zu laden.

Ziel des Treffens war laut griechischem Finanzministerium ein Meinungsaustausch über die finanzielle Entwicklung in Griechenland. Es habe keinerlei Diskussion über einen Austritt des Landes aus der Währungszone gegeben. Nach Angaben aus Brüssel standen auf dem Programm auch das Hilfsprogramm für Portugal, die Kandidatur des Italieners Mario Draghi als neuer EZB-Chef sowie der künftige ständige Rettungsfonds für in Finanznöte geratene Euro-Staaten (ESM).

Flucht aus dem Euro - Kritik aus Athen

Der Euro reagierte auf den Bericht von Spiegel Online mit einem Kurssturz: Die Gemeinschaftswährung verlor am Freitagabend zeitweise mehr als zwei Cent im Vergleich zum Tageshoch. «Solche Berichte sind eine Provokation, sie untergraben die Anstrengungen Griechenlands und des Euro und dienen spekulativen Spielen», heisst es in einer Stellungnahme des Finanzministeriums in Athen.

Derartige Berichte seien «mit einer unfassbaren Leichtfertigkeit geschrieben», obwohl die Regierung Griechenlands und anderer EU-Staaten derartige Gerüchte immer wieder zurückgewiesen hätten.

FDP-Chef: «Nur eine Frage der Zeit und der Bedingungen»

Der Generalsekretär der deutschen FDP Christian Lindner sagte der Zeitung «Die Welt», er schliesse eine Umschuldung Griechenlands nicht mehr aus. «Wenn ich die Entwicklung der Märkte betrachte, dann ist das für mich nur eine Frage der Zeit und der Bedingungen», sagte er.

«Prinzipiell sollten zukünftig bei Schuldenkrisen erst die privaten Gläubiger in die Pflicht genommen werden, dann müssen die betroffenen Staaten ihre Hausaufgaben machen», fügte er hinzu. Europäische Nothilfe sei «das letzte Mittel».

AFP/ sda/ dapd/rub

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