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Zentralbanken stützen die Märkte in einer Notfall-Aktion

SNB, Fed und EZB verbünden sich gegen Corona. Und das Fed macht einen historischen Zinsschritt.

Überraschend hat am späten Sonntagabend die US-Notenbank Fed ihren Leitzins ausserfahrplanmässig massiv gesenkt. Diesmal um ein ganzes Prozent auf ein neues Zielband von nur noch 0 bis 0,25 Prozent. Bereits am 3. März hat die Notenbank ebenfalls ausserhalb einer ordentlichen Zinssitzung des Entscheidungsgremiums den Leitzins um 0,5 Prozent herabgesetzt. So stark – also um ein ganzes Prozent – hat das Fed die Zinsen noch nicht einmal auf dem Höhepunkt der Finanzkrise reduziert.

Grund für diesen im historischen Vergleich einmalig dramatischen Schritt ist die Angst um die Folgen der Krise im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus. «Die Auswirkungen des Coronavirus werden die wirtschaftliche Aktivität kurzfristig belasten und ein Risiko für die konjunkturelle Entwicklung bedeuten», begründete das Fed den Schritt. Die neue Spanne werde so lange auf diesem Niveau bleiben, bis die Wirtschaft die jüngsten Entwicklungen überstanden habe und wieder auf Kurs sei, ihre Ziele für Beschäftigung und Preissatabilität zu erreichen.

Aus dem gleichen Grund hat das Fed zudem beschlossen, in nächster Zeit Staatsanleihen im Umfang von 500 Milliarden Dollar und verbriefte Immoblienpapiere im Umfang von 200 Milliarden Dollar über die nächsten Monate zu kaufen.

Weiter hat das Fed zusammen mit weiteren Notenbanken, wie der Schweizerischen Nationalbank und der Bank of England, der Bank of Japan und der Europäischen Zentralbank eine koordinierte Aktion zur Stärkung der weltweiten Liquiditätsversorgung bekanntgegeben. Dazu sollen die bestehenden US-Dollar-Swap-Abkommen gestärkt werden. Im Kern wollen die Notenbanken damit untereinander den Zugang zur Hauptreservewährung Dollar vergrössern und verbilligen. Das kommt letztlich dem gesamten internationalen Finanzsystem zugute, das wegen der Viruskrise unter grossen Stress geraten ist.

Derartige Kooperation per Swap-Vereinbarungen sowie die aussergewöhnlichen Zinssenkungen sind Massnahmen, die bislang vor allem aus der Finanzkrise bekannt gewesen sind.

Der Effort der Notenbanken weltweit gilt nicht in erster Linie einer Konjunkturbelebung, sondern vor allem einer Stabilisierung der Finanz- und Kapitalmärkte. Der dramatische Börsensturz in den letzten Wochen und deutlich höhere Risikoaufschläge für Schuldner mit einer schlechteren Kreditqualität haben erneut Ängste vor einem finanziellen Kollaps und vor einem Einfrieren der Kreditversorgung für Unternehmen geweckt. Diesen Ängsten wollen die Notenbanken nun mit einer erneuten Geldschwemme entgegentreten.

Die US-Notenbank Fed blieb bisher die einzige entscheidende Notenbank, deren Leitzins noch deutlich im positiven Bereich lag und die deshalb hier noch Spielraum hatte.. Mit der Zinssenkung auf praktisch Null Prozent hat nun auch sie ihr Arsenal erschöpft. Sie kündigte zwar an, sie würde auch weiter ihr ganzes Potenzial an Instrumenten nutzen, sollte das nötig sein. Damit rücken auch in den USA Negativzinsen in Reichweite.

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