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Mobility-Jaguar provoziert Kritiker

Die Car-Sharer stehen für umweltschonenden Betrieb. Jetzt kommt Mobility mit «luxuriösem Fahrspass». Geht das?

Mobility stellt unter anderem in Bern und Zürich-Altstetten Jaguar zur Verfügung. Foto: Mobility
Mobility stellt unter anderem in Bern und Zürich-Altstetten Jaguar zur Verfügung. Foto: Mobility

Die Carsharing-Genossenschaft Mobility stösst ins Segment der Luxusautos vor. Die derzeit knapp 200000 Kundinnen und Kunden von Mobility können nun auch wuchtige Land Rover und schnittige Jaguar fahren. Die neuen Fahrzeuge stehen an Standorten in Bern, Ebikon LU, Luzern, St. Gallen und Zürich-Altstetten zur Verfügung. Bei einem grossen Teil der Modelle handelt es sich um sogenannte SUV (Sport Utility Vehicle) – also Limousinen, die über gewisse Eigenschaften von Geländewagen verfügen.

Das von Mobility als «luxuriöser Fahrspass» beworbene Angebot hat seinen Preis: Die Fahrzeuge kosten 9 Franken pro Stunde. Hinzu kommen 1.50 Franken für jeden gefahrenen Kilometer. Für Kleinwagen zum günstigen «Budget»-Tarif bezahlen Kunden nur 2 Franken je Stunde und 55 Rappen je Kilometer.

Neue Kunden gewinnen

Bei den neuen Fahrzeugen ist ­allerdings nicht nur der Preis ­höher, sondern auch der Spritverbrauch. Die grösseren und schwereren Luxuswagen stehen deshalb im Widerspruch zu den Zielen, die sich die Mobility-Genossenschaft in ihren Statuten setzt. Dort steht in Artikel 2: «Die Genossenschaft bezweckt (...) den energie-, rohstoff- und umweltschonenden Betrieb von Fahrzeugen aller Art.»

Patrick Eigenmann, Sprecher von Mobility, bestätigt den «Zielkonflikt», relativiert aber sogleich: «Wer mit Mobility unterwegs ist, nutzt das Auto deutlich weniger häufig als jemand, der privat ein Fahrzeug besitzt.» Untersuchungen würden zeigen, dass ein Mobility-Auto zehn Privatautos ersetze. Die Genossenschaft möchte weitere Kunden gewinnen, um bei möglichst vielen Leuten eine Verhaltensänderung herbeizuführen und so die Zahl der Fahrten weiter zu reduzieren, argumentiert Eigenmann.

Nachfrage nach SUV steigt

«Es wäre falsch, Autos hinzustellen, die an den Wünschen der Kunden vorbeizielen.» Mobility habe festgestellt, dass bei Autoverkäufen die Nachfrage nach SUV steige, erläutert Eigenmann. Diesen Trend will die Genossenschaft nicht verpassen, weshalb sie in Zusammenarbeit mit der Emil Frey AG nun ihr Angebot um das Luxussegment erweitert.

«Mobility sollte sich dafür einzusetzen, dass Carsharing und ökologisches Verhalten toll und trendy sind.»

Michael Töngi, Grüne LU

Trotzdem stösst der Ausbau auf Kritik: Nationalrat Michael Töngi (Grüne, LU) ärgert sich über die Schlagworte von Mobility. In ihrer Medienmitteilung wirbt die Genossenschaft damit, dass die neuen luxuriösen Marken «die Herzen höherschlagen lassen». Laut dem Verkehrspolitiker ist das Unternehmen damit auf der falschen Spur unterwegs: «Damit befeuert Mobility solche Marken als prestigeträchtige Statussymbole, statt sich dafür einzusetzen, dass Carsharing und ökologisches Verhalten toll und trendy sind.»

Elektroautos sind unbeliebt

Schliesslich bezweifelt Michael Töngi, dass Mobility mit den «Luxusschlitten» und «Benzinfressern» ein neues Kundensegment erreicht. Denn diese teuren Autos seien für viele Eigentümer ein Statussymbol. Doch als Mietobjekt habe ein Statussymbol nicht die gleiche Bedeutung. ­Auch in Bern werden kritische Stimmen laut. So fordert der Verein «Läbigi Stadt», der sich für nachhaltige Mobilität einsetzt, Mobility auf, die Fahrzeuge von Jaguar und Land Rover sofort wieder aus dem Angebot zu nehmen. Dies schreibt die Organisation in einer Medienmitteilung.

Mobility will nun mit neun Fahrzeugen im Luxussegment ein Jahr lang Erfahrungen sammeln und danach entscheiden, wie es weitergeht. Sprecher Eigenmann betont, dass die Genossenschaft gleichzeitig die Flotte der elektrisch betriebenen Fahrzeuge bis 2020 auf 130 Stück ausbaue. «Doch leider sind diese ­Fahrzeuge unterdurchschnittlich ausgelastet.» Die Genossenschaft bietet schweizweit an 1480 Standorten insgesamt 2890 Fahrzeuge an.

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