Pfizer krebst nach Trump-Drohung zurück

Nach der Kritik des Präsidenten verschiebt der Pharmakonzern eine Preiserhöhung. Unter einer Bedingung.

Donald Trump übt Druck auf US-Konzerne aus - meistens via Twitter. Foto: EPA, Keystone

Donald Trump übt Druck auf US-Konzerne aus - meistens via Twitter. Foto: EPA, Keystone

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Der Pharmakonzern Pfizer verzichtet nach Kritik von US-Präsident Donald Trump vorerst auf seine jüngsten Preiserhöhungen für Medikamente. Nach «ausführlichen Diskussionen» mit dem Präsidenten habe man sich zu dem Schritt entschlossen, teilte Pfizer mit. Der Konzern knüpft den Verzicht auf Preiserhöhungen jedoch an eine Bedingung. Im Mai hatte Trump in einer Rede Vorschläge zur Regulierung von Arzneimittelkosten gemacht. Diese waren noch recht vage. Der Präsident solle seine Pläne jetzt konkretisieren, teilte Pfizer mit.

Der Konzern hatte Anfang Juli die Preise von rund 40 Medikamenten erhöht. Trump hatte das Unternehmen daraufhin via Twitter attackiert: Der Konzern solle sich schämen, ohne Grund Arzneimittelpreise anzuheben, schrieb Trump sinngemäss. Noch bevor das Unternehmen am späten Dienstagabend seinen Rückzieher offiziell bekannt gab, twitterte der US-Präsident: «Pfizer nimmt seine Preiserhöhungen zurück, so dass amerikanische Patienten nicht mehr zahlen.» Er hoffe, dass andere Firmen das Gleiche täten.

US-Pharmakonzerne stehen schon lange wegen ihrer Preispolitik in der Kritik. Pfizer ist als Branchenführer besonders im Fokus. Die USA haben die höchsten Medikamentenkosten der Welt. Der Durchschnittsamerikaner bezahlt pro Jahr 1100 Dollar für Arznei. Jeder Vierte kann wegen der hohen Preise seine Pillen nicht regelmässig nehmen. Anders als zum Beispiel in Deutschland reguliert die amerikanische Regierung die Preise nicht. Pharmakonzerne legen sie danach fest, was sie am Markt erzielen können. Die Industrie argumentiert, dass sie die hohen Preise braucht, um neue Präparate zu entwickeln. Kritiker verweisen auf hohe Margen, Marketingbudgets und Managergehälter.

Pfizer verteidigt sich

Trump hatte die Medikamentenpreise in den USA schon mehrfach kritisiert, allerdings meist nur mit Tweets oder Schlagworten bei Wahlkampfveranstaltungen. Konkrete Gesetzesänderungen stehen bislang nicht an. Trotzdem haben sich einige Pharmakonzerne verpflichtet, statt der bislang üblichen Preiserhöhungen zweimal im Jahr nur noch einmal zu erhöhen und die Steigerungen, soweit möglich, unter zehn Prozent zu halten. Pfizer gehörte bislang nicht dazu.

Pfizer-Chef Ian Read verteidigt seine Branche immer wieder. In den vergangenen Jahren seien die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA relativ stabil geblieben, wenn man den Anteil an den gesamten Gesundheitsausgaben betrachtet. Dass Medikamente für Patienten teurer werden, liege nicht an den Herstellern, sondern an den Krankenkassen, die zum Beispiel die Selbstbeteiligungen erhöhen. «Es geht nicht um Medikamentenpreise. Die Erschwinglichkeit der Medikamente ist das Problem», sagte er. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.07.2018, 20:36 Uhr

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