Schweizer Topmanager ist der Totengräber von Thomas Cook

Der einstige Kuoni-Manager Peter Fankhauser hat den britischen Reisekonzern in die Pleite geführt. Nun werden seine Boni kritisiert.

Der Schweizer Peter Fankhauser war seit 2014 CEO des zweitgrössten europäischen Reiseveranstalters Thomas Cook. Video: Tamedia
Karin Kofler@sonntagszeitung

«Es ist tragisch, dass es so weit kommen musste. Zum ersten Arbeitgeber hat man eine besondere emotionale Beziehung», sagte Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser 2015. Damals war der Schweizer Reisekonzern Kuoni notfallmässig an die deutsche DER Touristik verkauft worden. Fankhauser hatte seine Karriere bei Kuoni begonnen.

Nun erlebt der bald 59-jährige Manager seine eigene Tragödie: Unter seiner Leitung meldete der älteste Reiseveranstalter der Welt am Montag Insolvenz an. 21'000 Mitarbeitende in 16 Ländern, eine Flugzeugflotte von 105 Fliegern, Reisebüros auf der ganzen Welt und rund 600'000 Feriengäste sind betroffen.

Peter Fankhauser spricht von einem «tieftraurigen Tag» und dass er bis zuletzt gekämpft habe. Der Manager, der im Jugendalter Kunstturnen auf Spitzenniveau betrieben hatte, muss damit etwas tun, was gegen sein Naturell ist: aufgeben. Als er 2014 den Job als CEO bei Thomas Cook bekam, hatte er grosse Ambitionen: Er wollte den gebeutelten Reiseveranstalter zurück auf den Erfolgspfad bringen.

Das Unternehmen war schon 2011 kurz vor der Pleite gestanden. Fankhauser hat die kritische Phase als COO und England-Verantwortlicher hautnah miterlebt, musste 2500 Jobs abbauen, 400 Reisebüros schliessen.

«Päge» nicht mehr beneidet

Schliesslich versorgten die Banken das Unternehmen mit frischem Geld. Die damalige Konzernchefin dankte ab, Fankhauser rückte im November 2014 nach und erreichte mit dem Posten des CEO des zweitgrössten europäischen Reiseveranstalters den Zenit seiner Karriere. Doch der in Burgdorf aufgewachsene Manager, der an der Hochschule St. Gallen (HSG) Staatswissenschaften studiert und promoviert hat, blieb der Schweiz stets verbunden.

Er ist seit 2018 Honorarprofessor an der HSG. Einer seiner engeren Freunde ist Martin Wittwer, der Chef von Tui Suisse. Er ist aber unter anderem auch mit UBS-Konzernleitungsmitglied Axel Lehmann oder SBB-Präsidentin Monika Ribar bekannt, die er aus Studienzeiten kennt.

Unter den hiesigen Touristikern blickte man stets mit einer Mischung aus Bewunderung und Neid auf den dreifachen Familienvater, der im Winter häufig ins Wallis zum Skifahren kommt: Peter oder «Päge», wie ihn etwa Globetrotter-Chef André Lüthi nennt, war mit seiner unaufgeregten, ironischen Art, seiner raschen Analysefähigkeit, gepaart mit einem gut kaschierten Machtinstinkt, zum erfolgreichsten Schweizer Touristiker geworden.

«Es ist leider ein erneuter Beweis, dass unser Geschäftsmodell massiv unter Druck ist.»Dieter Zümpel, CEO DER Touristik Suisse

Nun beneiden ihn seine Kollegen nicht mehr; Fankhauser wird zum Totengräber einer Firmenikone – und zur Zielscheibe. Noch während er um die Rettung kämpfte, zählte der «Daily Telegraph» bereits die Boni in der Höhe von über 20 Millionen Pfund auf, die das Management über die letzten fünf Jahre trotz offenkundiger Erfolglosigkeit kassiert hat.

Der Veranstalter scheiterte letztlich an seiner Schuldenlast, verknüpft mit einem in den letzten Monaten zunehmend negativen Geschäftsgang, der unter anderem vom Brexit geprägt war.

Lange beneidet, nun zu Fall gekommen: Peter Fankhauser. Foto: Archiv

Fankhauser selbst versuchte das Touristikgeschäft für die Zukunft fit zu machen. Er setzte unter anderem verstärkt aufs Hotelgeschäft und holte 2015 die chinesische Investmentgruppe Fosun als starker Aktionär und Partner an Bord. Fosun hätte nun auch beim Rettungsplan eine entscheidende Rolle spielen sollen.

Die Thomas-Cook-Pleite ist letztlich auch ein Mahnmal für die Branche. Dieter Zümpel, CEO von DER Touristik Suisse/Kuoni und einstiger Weggefährte von Fankhauser, spricht aus, was alle denken: «Es ist leider ein erneuter Beweis, dass unser Geschäftsmodell massiv unter Druck ist.»

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