So will sich die UBS Chinas Millionäre angeln

Die Bank baut aus, um vom Boom der Reichen zu profitieren. Doch der chinesische Festland-Markt ist ein hartes Pflaster.

Wachstumsmarkt: China zählt heute 3,5 Millionen Millionäre (Symbolbild). Foto: Keystone

Wachstumsmarkt: China zählt heute 3,5 Millionen Millionäre (Symbolbild). Foto: Keystone

Holger Alich@Holger_Alich

Der chinesische Markt auf dem Festland ist für Banken bis heute vor allem eins: ein grosses Versprechen auf die Zukunft. Denn der chinesische Kapitalmarkt ist immer noch stark abgeschottet, das Geld der Inländer kommt schwer raus, das der Ausländer nur mit Mühe rein. Daher spielt die Musik im Geschäft mit reichen Chinesen überwiegend in Hongkong und Singapur.

Die UBS baut dennoch schrittweise ihre Festland-Präsenz aus. Als erstes westliches Institut hat die Grossbank im vergangenen Dezember die Aktienmehrheit am chinesischen Aktienbroker UBS Securities China erwerben dürfen. Das brachte der Grossbank zunächst einmal einen Verlust von 270 Millionen Franken ein, denn die zugekauften Aktien waren günstiger als die Aktien, welche die UBS im Bestand hatte, sie musste daher eine Wertkorrektur buchen.

Ausbau der Beteiligung möglich

Das entmutigt die UBS aber nicht, weiter in China zu investieren. «Wir prüfen, das Kapital von UBS Securities zu erhöhen, um Kunden mehr Wertpapier-Kredite anbieten zu können», sagt Eugene Qian, Chef von UBS Securities China, im Gespräch. Eigenkapital ist der Treibstoff einer Bank; je mehr sie davon im Tank hat, umso mehr kann sie Gas geben. Derzeit hat der chinesische Broker der UBS rund 230 Millionen Franken Eigenkapital. Bis 2021 darf UBS den Broker vollständig übernehmen, doch laut Qian sei dies nicht unbedingt geplant, denn der Co-Aktionär, die Bejing Municipal Gouvernment Group sei sehr hilfreich bei der Kundenakquise.

Will die UBS mit dem Ausbau des Kreditgeschäfts Chinas Schuldenblase weiter aufpumpen? Schliesslich hat China Schulden aufgetürmt, die 300 Prozent der Wirtschaftsleistung entsprechen. Qian winkt ab, «als Wertpapierhändler werden wir nicht in Firmenkredite einsteigen», erklärt er. «Unser Kreditangebot richtet sich an vermögende Privatkunden und institutionelle Kunden, wie Fondsmanager oder Hedgefonds», so der UBS-Manager. Sprich, die Kunden hinterlegen Wertpapiere als Sicherheit und bekommen dafür Kredite. Verluste drohen dann, wenn die hinterlegten Sicherheiten massiv an Wert verlieren.

Der chinesische Broker wurde 2006 gegründet, ein wichtiger Ergebnistreiber ist die Einheit allerdings noch nicht. Qian beziffert die Einnahmen des Brokers mit rund 130 Millionen Franken pro Jahr. Zum Vergleich: In der Sparte Wealth Management nahm UBS im Asiengeschäft insgesamt 2,4 Milliarden Franken ein, im Investmentbanking waren es 2,2 Milliarden. Mit verwalteten Vermögen von knapp 360 Milliarden Franken in der Region Asien gilt die UBS als Marktführerin. Laut Schätzungen stammen rund 20 Prozent dieser Gelder von chinesischen Kunden, exakte Länderdaten zu China veröffentlicht keine Bank, auch nicht die UBS.

«Wir erwarten für unser Geschäft in China eine zweistellige Wachstumsrate.»Eugene Qian, Chef von UBS Securities China

Laut dem Credit Suisse Wealth Report hat China heute 3,5 Millionen Millionäre, nur in den USA gibt es mehr Menschen mit siebenstelligen Vermögen. Laut dem Bericht soll die Zahl der Millionäre in China bis 2023 um 62 Prozent wachsen auf dann 5,6 Millionen Millionäre. Da China sich immer weiter öffnet, dürfte auch die Bedeutung des Geschäfts auf dem Festland zunehmen. Daher will sich die UBS früh etablieren. «Wir erwarten für unser Geschäft in China eine zweistellige Wachstumsrate», gibt Qian als Ziel vor.

Qian hat mit der Kapitalstärkung des Brokers aber nicht nur den chinesischen Kunden im Auge. «Im Zuge der Öffnung des chinesischen Kapitalmarkts werden mehr internationale Investoren direkt in China investieren wollen», meint er. So kündigte der Index-Anbieter MSCI Anfang Monat an, das Gewicht der auf dem chinesischen Festland gehandelten Aktien, den sogenannten A-Aktien, in seinen Aktienindizes schrittweise zu erhöhen.

Automatisierte Beratung in Planung

Ausländer können diese Titel über Hongkong handeln. Oder sie nutzen das sogenannte Qualified Foreign Institutional Investor Program, das Ausländern erlaubt, direkt Wertpapiere von Festlandchina zu handeln. Die Regierung hat das Volumen des Programms Anfang Jahr auf 300 Milliarden Dollar verdoppelt, UBS hält daran eine Quote von 3,04 Milliarden Dollar.

Neben den Reichen will UBS in China auch die Mittelklasse bedienen. So hat die Grossbank ein Gemeinschaftsunternehmen mit Qianhai Financial Holdings gegründet, einem Unternehmen der lokalen Regierung von Chinas Gegenstück zum Silicon Valley. Das Ziel: Eine digitale, automatisierte Vermögensverwaltung für sogenannte Affluent-Kunden aufzubauen, das sind Kunden, die weniger als eine Millionen anlegen wollen. Laut Qian sei das Gemeinschaftsunternehmen seien die Vorbereitungen für den Start gut unterwegs.

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