Lachen mit dem Banker

TV-Kritik

Ex-UBS-Chef Oswald Grübel war bei «Giacobbo/Müller» zu Gast. Mit gewohnt tiefer Stimme und kurzen Antworten gewann er die Gunst des Publikums – was für einen Banker nicht selbstverständlich ist.

«Jawohl, 53 nachts über die Grenze – ebbe»: Kurz und prägnant antwortete Grübel gestern auf Giacobbos Fragen.

«Jawohl, 53 nachts über die Grenze – ebbe»: Kurz und prägnant antwortete Grübel gestern auf Giacobbos Fragen.

(Bild: SF)

Matthias Chapman@matthiaschapman

«200 Franken sind es», wandte Oswald Grübel am Schluss der Sendung ein. Es ging um die Gage für den Auftritt im Fernsehstudio. Giacobbo fragte Müller, ob es 150 oder 250 Franken seien. Der Ex-Banker wusste es ganz genau. Multimillionär Grübel konnte den letzten grossen Lacher der Sendung für sich verbuchen. Überhaupt hatte Grübel die Gunst des Publikums auf seiner Seite.

Ob milliardenschwerer Verlust eines Händlers in London, Besuch im Albisgüetli oder Subprime-Krise, immer hatte Grübel die richtige Antwort parat – oder zumindest diejenige, die ihm den Applaus des Publikums zutrug. «In diesem Geschäft muss man ja ein bisschen streng sein», so Grübel – um trocken anzufügen, «sonst verliert man schnell einmal zwei Milliarden Franken.» Fall Adoboli lässt grüssen.

Grübels Vorteil

Eigentlich verwunderlich, dass ein solcher Spruch schallendes Gelächter auslöst. Immerhin sind wir über unsere Pensionskassen auch am Kursverlust der Bank beteiligt. Aber vermutlich war Grübels Unverfrorenheit der entscheidende Vorteil.

Was hat sich da in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit nicht an Unverständnis – gar Wut – angestaut. Millionenboni trotz Milliardenverlusten, unlauteres Geschäft mit ausländischen Bankkunden und unbeliebte Staatshilfe – endlich durfte einmal herzhaft darüber gelacht werden. Und Grübel gab dazu Anlass mit seiner ultratrockenen Art.

Entlarvende Antworten

«Ebbe, ja», bestätigte der Ex-Banker Giacobbos Bemerkungen zum Vorleben des Bankers. Er habe die Subprime-Krise kommen sehen, habe es sogar gesagt, nur hätte niemand zuhören wollen – «ebbe, ja». Und: «Jawohl, 53 nachts über die Grenze – ebbe», nachdem er vom Gastgeber auf seine Flucht aus der DDR angesprochen wurde.

Selbst die teils entlarvenden Antworten taten dem Sympathiezuspruch des Publikums keinen Abbruch. Dumpfes Grunzen hat Grübel für die Weissgeldstrategie des Bundesrates übrig – «weil es keine Strategie ist». Und zum Geschäftsmodell mit unversteuerten Geldern sagt er: «Das hat uns gutgetan.» Auf das darauffolgende Schweigen im Publikum folgte sogleich der nächste Lacher: Die Sozialdemokraten wären die Ersten, die jammern würden, wenn ohne das bisherige Geschäftsmodell das Geld nicht mehr fliessen würde, so der Banker.

Zahmer Giacobbo

Gerade mal geschlagene 12 Minuten dauerte der äusserst unterhaltsame Schlagabtausch des Satirikers mit dem Banker. Man hätte gerne noch länger zugehört. Allerdings hätte Giacobbo Grübel durchaus noch etwas mehr auf die Füsse treten können. Welchen Anteil trägt der als Retter von CS und UBS gefeierte Grübel an den derzeitigen Querelen der Credit Suisse mit den Amerikanern? Und warum wollte er damals 2009 trotz Staatshilfe noch immer Boni von über 10 Millionen Franken gutheissen? Aber: «Ebbe, ja.»

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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