Nach Paukenschlag bei ABB: Interimschef nennt Gründe

Beim Schweizer Technologiekonzern kommt es überraschend zu einem Wechsel an der Spitze. Peter Voser erklärte sich an einer Telefonkonferenz.

Übernimmt als neuer Chef bei ABB: Peter Voser. Bild: Samuel Truempy/Keystone

Übernimmt als neuer Chef bei ABB: Peter Voser. Bild: Samuel Truempy/Keystone

(Bild: Keystone Samuel Truempy)

Der Technologiekonzern ABB wechselt seinen Chef aus. «Der Verwaltungsrat von ABB und CEO Ulrich Spiesshofer haben sich darauf geeinigt, dass er von seiner Funktion zurücktritt, die er seit 2013 innehatte», meldet der Industriekonzern in einem Communiqué.

Der Präsident des Verwaltungsrates, Peter Voser (61), wird mit sofortiger Wirkung zusätzlich die Position des Interims-CEO übernehmen. Voser ist seit 2015 Verwaltungsratspräsident von ABB.

Der Suchprozess für einen neuen CEO wurde eingeleitet. Peter Voser war in früheren Jahren CFO des Unternehmens und galt lange als Kronprinz für den Chefposten. Später wechselte er zurück zu Shell, wo er bis 2002 bereits als Finanzchef einer Division amtete.

Spiesshofer und die Schweden

Voser nannte an einer Telefonkonferenz als Grund für den Rücktritt von Spiesshofer einen kulturellen Wechsel in der Firma. Dieser soll begleitet werden von jemandem, der auch den angestossenen Strategiewechsel bei ABB über die nächsten Jahre begleiten könne. Deshalb sei nun der richtige Zeitpunkt, um den CEO auszuwechseln, sagte Voser.

ABB hat im vergangenen Dezember aufgezeigt, wie die Firma künftig aufgestellt wird. Das Geschäft wird in vier Sparten aufgeteilt, namentlich Robotik & Fertigungsautomation, Antriebstechnik, Industrieautomation und Elektrifizierung. Die vier Chefs der Divisionen werden mehr Macht erhalten. Das Stromnetzgeschäft hingegen verkauft ABB.

Wie lange Voser an der Spitze des Unternehmens bleiben wird, sei schwierig abzuschätzen, sagte er. Man sei nun auf der Suche nach einem neuen CEO.

Ulrich Spiesshofer geriet in den vergangenen Jahren unter Druck des aktivistischen Investmentfonds Cevian. Sie forderten die Aufspaltung des Konzern. Bereits kurz nach dem Einstieg der schwedischen Investoren im Jahr 2015 wollten sie einen Verkauf der Stromnetzsparte erzwingen.

Spiesshofer unter Druck: Der Kursverlauf der ABB-Aktie im Vergleich zum SMI. Quelle: Swissquote

Die Geschäftsleitung um Spiesshofer prüfte die Forderung, erteilte ihr aber eine Abfuhr. Im Dezember 2018 wurde die Forderung von Cevian-Chef Lars Förberg dann doch noch Tatsache. ABB verkaufte das Stromnetzgeschäft an die japanische Hitachi.

Cevian hält etwas über 5 Prozent der Aktien an ABB. Förberg selbst vertritt Cevian seit April 2017 im Verwaltungsrat des Konzerns. Er sagt auf Anfrage: «Wir unterstützen die strategische Neuausrichtung von ABB und haben volles Vertrauen in Peter Voser und das Management Team, die Transformation von ABB umzusetzen.»

Was Spiesshofer in Zukunft machen wird, ist unklar. «Ich werde nun eine Auszeit nehmen, bevor ich über das nächste Kapitel meines Berufslebens entscheide», lässt er sich im Communiqué zitieren.

cpm/phf

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