«So etwas wie hier in Davos habe ich noch nie erlebt»

Interview

Peter Pedersen führt das neue Intercontinental in Davos, auch Goldenes Ei genannt. Im Interview spricht er über WEF-Superlative, die SVP-Initiative – und das John-Kerry-Gerücht von Davos.

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Matthias Chapman@matthiaschapman

Herr Pedersen, statt dem Start des Intercontinental gab es zuerst mal eine Panne. Was geschah? Wir hatten kurz vor der Eröffnung einen Wasserschaden. Der Verschluss eines Feuerwehrschlauches platzte auf und während drei Stunden strömte Wasser aus. Das war im zweiten Stock, das Wasser drang bis in die Restaurants im Parterre runter. Das hat Nerven und einige Wochen Verspätung gekostet.

Gegen Ende Dezember machten Sie auf, wie fällt die Bilanz aus? Am Tag der offenen Tür hatten wir 5000 Besucher, davon vermutlich die Hälfte aus Davos. Das Interesse an unserem Haus ist gross, das ist natürlich auch eine Bestätigung. Über die Feiertage haben wir den Betrieb langsam hochgefahren, wir waren nicht ausgebucht, das ist aber für den Start auch richtig so. Jetzt, während des WEF sind wir voll.

Mit dem Intercontinental stösst ein neues Haus in den Davoser Markt vor. Jeder will die prominenten Gäste empfangen, die schönsten Partys beherbergen. Wie hart ist der Konkurrenzkampf wirklich? Konkurrenz belebt das Geschäft. Unser Neueintritt sicher auch. Kurz vor dem diesjährigen WEF haben viele der grossen Häuser renoviert oder umgebaut. Für Davos ist das gut, es bringt diese Destination nochmals voran. Ob da aber ein Kampf stattfindet, das sollen andere beurteilen. Klar ist: Wir schauen, dass wir das beste aus unserem Geschäft machen.

Mit dem Chedi in Andermatt, dem W in Verbier und dem Intercontinental in Davos sind gleich drei neue Häuser der obersten Preisklasse in den letzten Monaten in den Schweizer Alpin-Tourismus-Markt gestartet. Dafür hat es doch gar keinen Platz. Das zeigt, dass die Tourismus-Investoren offenbar auf die Schweiz setzen. Glauben Sie mir, wir werden uns kaum in die Quere kommen. Das Chedi funktioniert ganz anders, wir profitieren von der Marke Intercontinental. Zudem kann man Andermatt und Davos nicht vergleichen, das sind komplett unterschiedliche Destinationen. Davos kennt den Tourismus der obersten Preisklasse seit Jahrzehnten.

Was bedeutet die Dichte an hochrangigen Gästen, wie sie hier am WEF in Davos vorkommt für die Hotellerie? Ich habe schon viele Kongresse in der Hotelbranche mitgemacht, einmal einen Asean-Gipfel auf den Philippinen. Aber so etwas wie hier in Davos habe ich noch nie erlebt, so viele führende Köpfe aus Politik und Wirtschaft auf einem Platz, das ist weltweit einzigartig. Dass es dabei für alle zu Schwierigkeiten kommt, was die freie Bewegung betrifft, ist zwar mühsam, aber die meisten kennen das. Abgesehen davon: Wir stehen seit vier Tagen in der Lobby und empfangen Gäste.

Hier will jeder die ranghöchsten bei sich beherbergen, man hört gerüchteweise, US-Aussenminister John Kerry sei in ihrem Haus. Stimmts? Das ist der Einzige, den wir nicht bei uns haben (lacht).

Was sagen Sie zu Schwabs Kritik, Davos müsse in Sachen Gastfreundschaft zulegen? Ich war in den letzten 12 Jahren beruflich ausserhalb Europas gewesen. Ich kam jeweils als Tourist auf den alten Kontinent zurück. Mein Befund: Das Serviceniveau hat deutlich nachgelassen, die Freundlichkeit muss man oft suchen. In Davos waren meine Erfahrungen allerdings positiv.

Was meinen Sie konkret mit Serviceniveau? Das beginnt schon beim Empfang, sei es in Hotels oder auch Läden, die man schon besucht hat. Nehmen wir zum Beispiel die Boutique-Meile in Rom. Da fehlt es an Warmherzigkeit, man wird kaum angeschaut geschweige denn begrüsst. Dabei müssten doch gerade die Geschäftsführer an der Front stehen und auf die Kunden zugehen – im besten Fall erkennen sie diese wieder. Ich habe jetzt Italien erwähnt, das gilt aber genauso für meine Heimat Dänemark. Uns Dänen wird ja auch nachgesagt, wir seien kühl.

Sie kennen die Hotellerie auf anderen Kontinenten. Wo ist sie besser? Ich habe die letzten drei Jahre in Afrika gearbeitet. Die Warmherzigkeit dort ist überwältigend. Ein Lächeln für den Gast, damit muss es beginnen. In Europa ist man effizient. Aber das alleine reicht nicht.

Sie stellen für die Wintersaison 200 Mitarbeiter ein, was der Schweizer Markt natürlich nicht hergibt. Wie hoch ist die Quote der Angestellten aus der Schweiz? 23 Prozent. Und wir haben alles daran gesetzt, dass dieser Wert so hoch wie möglich ausfällt. Aber es gibt leider wenig Schweizer Bewerber in dieser Branche.

Die Anstellungen sind auch eine Frage des Lohnes. Sprich, für Ausländer müssen Sie weniger zahlen? Nein, das ist ja alles mit Branchenverträgen geregelt. Nochmals, wo es geht, stellen wir Schweizer an. Das zeigt ja auch die Tatsache, dass wir zum Beispiel in Verkauf- und Veranstaltungsbereich auf eine Quote von rund zwei Drittel kommen. Diese Leute haben wir auf dem Schweizer Markt eben bekommen.

Demnächst steht eine Volksabstimmung über die Beschränkung der Zuwanderung an. Wie stehen Sie dazu? Natürlich würde uns eine Beschränkung Sorgen machen, es könnte schwierig werden, Personal zu rekrutieren. Ich verfolge diese politische Debatte. Aber klar, das letzte Wort hat in der Schweiz das Volk. Das gilt es zu respektieren.

Mit der Mindestlohninitiative sind sie gleich noch von einer politischen Vorlage betroffen. Was bedeutet das für Sie? In einer Branche, wo gut 50 Prozent der Kosten Ausgaben für das Personal sind – in Deutschland zum Beispiel sind es nur rund 35 Prozent –, kann das natürlich zum Problem werden. Aber wer in die Schweizer Tourismus-Branche investiert, weiss, dass er mit überdurchschnittlich hohen Personalkosten budgetieren muss.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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