«Was wir sehen, ist nicht berauschend»

Die Credit Suisse vermeldet heute für das erste Quartal einen Reingewinn von 44 Millionen Franken. Sonderfaktoren drücken das Ergebnis. Doch wie liest sich die Dreimonatsbilanz wirklich? Erste Reaktionen von Analysten.

Bringt er die Credit Suisse wieder auf die Erfolgsstrasse? Brady Dougan unter Beobachtung. (Archivbild)

Bringt er die Credit Suisse wieder auf die Erfolgsstrasse? Brady Dougan unter Beobachtung. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Matthias Chapman@matthiaschapman

«Die Quartalszahlen der Credit Suisse sind etwa inline bei den Markterwartungen, beim Reingewinn etwas besser und bei der Entwicklung der Neugelder etwas schlechter», sagt Arno Endres, Chef Research der Luzerner Kantonalbank gegenüber thunertagblatt.ch/Newsnetz. 297,9 Millionen Franken Verlust hatten neun von Bloomberg angefragte Analysten im Durchschnitt für die zweitgrösste Schweizer Bank vorausgesagt. Auf dem Resultat lastet allerdings die Neubewertung eigener Schulden im Wert von 1,554 Milliarden Franken.

Mit knapp einer Milliarde Franken Vorsteuergewinn hat die zuletzt darbende Investmentbank nun zu Jahresbeginn einen positiven Beitrag geleistet. «Das Resultat der Investmentbank war deutlich stärker, als wir erwartet hatten», schreibt etwa Analystin Teresa Nieslen von Vontobel in ihrem Morgenkommentar. Dies entspreche aber dem Trend, der sich bereits durch die in den USA publizierten Quartalszahlen der Finanzindustrie gezeigt habe. Traditionell ist das Investmentbanking im ersten Quartal des Jahres stärker.

Hohe Kosten

Was Endres an den gezeigten Zahlen bemängelt: «Die Cost-Income-Ratio (das Kosten-Einkünfte-Verhältnis, Anm. d. Redaktion) ist noch immer sehr hoch.» Zwar sei der Wert von deutlich über hundert auf unter hundert gesunken. Verglichen aber mit Werten von rund 50 bei der früheren Clariden Leu, sei der Wert noch immer hoch. Die CS betont, man sei mit dem Sparprogramm, das die jährlichen Kosten um zwei Milliarden Franken drücken soll, auf Kurs.

Was die verwalteten Vermögen betrifft, zeigt sich Endres skeptisch. «Man ist mit dem Anspruch angetreten, international Neugeld zu akquirieren. Was wir aber jetzt sehen, ist nicht berauschend.» Tatsächlich musste die Bank im Asset-Management (Vermögensverwaltung für institutionelle Kunden) einen empfindlichen Abfluss in Milliardenhöhe hinnehmen. Die Bank begründete den Rückgang mit einem «Einzelmandat mit tiefer Marge». Endres sagt dazu: «Die Gründe dafür können mannigfaltig sein, möglicherweise hat es auch einen regulatorischen Hintergrund.»

Strategische Ausrichtung im Fokus

Vontobel-Analystin Nielsen erwartet für die weiteren Quartale ein schwieriges Geschäft, beeinflusst von sich verlangsamenden Märkten. Und: «Wir glauben, die Restrukturierung der Investmentbank und der Vermögensverwaltung wird weiter auf den Resultaten lasten.»

Endres will die strategische Ausrichtung der Credit Suisse im Auge behalten. Allerdings sei die Schweizer Grossbank nicht das einzige Finanzinstitut, das sich neu ausrichten müsse. Positiv fiel Endres auch auf: «Die Integration von Clariden Leu scheint zu funktionieren.»

Steuerstreit mit den USA als Belastung

Bezüglich der Position von CS-Konzernchef Brady Dougan gibt sich Endres vorsichtig: «Noch immer bleiben viele Baustellen bei der Bank, hier ist starke Führung gefragt.» Die Tatsache aber, dass die Credit Suisse mit den USA einen Streit zu lösen habe, lähme möglicherweise das Management.

Die Aktien der Grossbank sind am Mittwoch nach Beginn des Börsenhandels um 1 Prozent gestiegen. Die CS-Aktie kostete einige Minuten nach Handelsstart 23.79 Franken.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt