Wo die UBS überzeugt – und wo nicht

Analyse

Die Schweizer Grossbank hat die Zahlen 2011 vorgelegt. Positives fällt im Kerngeschäft Vermögensverwaltung auf. Das Sorgenkind der UBS leidet hingegen noch immer. Eine Analyse.

Noch nicht da, wo sie hin will: Die UBS meldet einen Gewinn von 4,2 Milliarden Franken.

Noch nicht da, wo sie hin will: Die UBS meldet einen Gewinn von 4,2 Milliarden Franken.

(Bild: Reuters)

Matthias Chapman@matthiaschapman

«Leicht enttäuschend, vor allem der Ausblick», sagt Arno Endres, Chef Research der Luzerner Kantonalbank, zu den heute von der UBS präsentierten Jahreszahlen 2011. Zwar sei der Ausblick für die ganze Finanzindustrie getrübt, dennoch hätte er von der UBS etwas positivere Prognosen erwartet.

Besonders negativ schlägt für den Experten der erneute Vorsteuerverlust des UBS-Investmentbankings zu Buche: «Man muss sich schon fragen, ob dieses Geschäftsmodell mittelfristig noch haltbar ist», so Endres. Einerseits baue man Kosten und Stellen ab, und dennoch sei es weiterhin nicht möglich, Gewinne zu schreiben. «Das Investmentbanking ist schnelllebig und an alte Erfolge wird man nicht so einfach wieder anknüpfen können.»

Der Prestige-Erfolg der Konkurrenz

Endres verweist auch auf verlorenes Terrain im Vergleich zur Konkurrenz: «Morgan Stanley zum Beispiel bringt jetzt Facebook an die Börse. Solche Erfolge braucht man in diesem Geschäft, das ist wichtig für die Reputation.» Dass Börsengänge für Investmentbanken eine prestigeträchtige Angelegenheit sind, erklärte jüngst auch IPO-Experte Andreas Neumann im thunertagblatt.ch/Newsnetz-Interview.

Positiv fällt Endres der Neugeldzufluss auf. Offensichtlich sei der Bank hier eine Trendumkehr gelungen. «Das Misstrauen gegenüber der UBS ebbt ab.» In der Vermögensverwaltung sei die Schweizer Grossbank weltweit immer noch der Platzhirsch. Selbst in den USA konnte die Bank Neugelder anziehen. In Asien legt das Vermögensverwaltungsgeschäft generell zu. Davon profitiert auch die UBS. Endres glaubt nicht, dass dieses Geschäft dort ähnlich unter Druck gerät wie in Europa und den USA.

Vorteil im Steuerstreit

Einen Vorteil zur Schweizer Konkurrenz sieht Endres darin, dass die UBS den Steuerstreit schon länger hinter sich gebracht hat. «Die anderen Banken sind im Visier der USA und werden dadurch in ihrer Geschäftstätigkeit gehemmt.»

Eine wichtige Baustelle der Bank bleibt das Investmentbanking, wo man grosse Veränderungen auch im laufenden Jahr erwartet. Daneben erwartet Endres vor allem «personalpolitische Veränderungen». Oswald Grübel habe bei der UBS viel verändert, und jetzt gehe das weiter. «Das ist eine Art Interludium.»

Weber wird Akzente setzen

Vom neuen Verwaltungsratspräsidenten der UBS erwarte er, dass dieser die Weichen neu stellen und die eine oder andere Personalentscheidung treffen wird. Ob das auch im Investmentbanking der Fall ist, bleibe offen. Aber: «So wie ich Weber einschätze, ist er ein risikobewusster Banker», sagt Endres.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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