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Adoboli schluchzt im Gerichtssaal

Im Prozess gegen den ehemaligen UBS-Händler Kweku Adoboli trat der Angeklagte heute selbst in den Zeugenstand. Adoboli wehrte sich gegen die Vorwürfe des Gerichts.

Ermöglicht Einsichten ins UBS-System: Ehemaliger Händler Kweku Adoboli.
Ermöglicht Einsichten ins UBS-System: Ehemaliger Händler Kweku Adoboli.
AFP

Kweku Adoboli hat heute seine Schilderung darüber abgegeben, wie der Handelsverlust im Umfang von 2,3 Milliarden Dollar zustande kam, den die UBS in ihrer Londoner Handelsabteilung letzten Herbst erlitten hatte.

Bereits nach wenigen Fragen geriet der ehemalige Händler der Investmentbank ins Stocken. Als ihn Anwalt Paul Garlick auf seinen Vater ansprach, der für den Prozess extra aus Ghana angereist ist, wurde Adoboli von Emotionen überwältigt. Der angeklagte Banker musste sich die Tränen aus dem Gesicht wischen und war für einige Momente ausserstande, zu sprechen. Dies berichten Korrespondenten verschiedener Medien aus dem Geschworenengericht des Londoner Southwark Crown Court.

Vertieftes Computerwissen

Richter Brian Keith habe Adoboli daraufhin gesagt, er müsse sich für den Gefühlsausbruch nicht schämen. Die Jury erhalte so auch die Gelegenheit, den «Mann hinter dem Namen» kennen zu lernen. Gegenüber dem Gericht versuchte Adoboli in der Folge, seinen Standpunkt klarzumachen. Der frühere UBS-Wertpapierhändler beurteilt sein eigenes Verhalten nicht als betrügerisch. Es sei unfair zu behaupten, seine frühere Tätigkeit in einer Abwicklungsabteilung der UBS-Investmentbank habe ihm das Computerwissen und die Fähigkeit zum Betrug vermittelt, so Adoboli.

Er sei ausdrücklich aufgefordert worden, seine Kenntnisse von der «Interaktion verschiedener Systeme» in seine Arbeit einzubringen, sagte er auf eine Frage seines Verteidigers. Adoboli hatte bei der UBS zuletzt mit börsennotierten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) gehandelt. Er wurde im September des vergangenen Jahres festgenommen. Nach Ansicht der Ankläger verzockte er zulasten der Bank 2,3 Milliarden Dollar. Unerlaubte Transaktionen soll er mithilfe fiktiver Konten im Computersystem der Bank verschleiert haben. Er plädiert auf nicht schuldig.

Stillschweigende Duldung

Der 32 Jahre alte Sohn eines ehemaligen UNO-Diplomaten aus Ghana sagte zum ersten Mal aus. In den sechs Wochen seit Prozessbeginn waren ehemalige Kollegen und UBS-Mitarbeiter, die für die interne Überwachung und Kontrolle zuständig waren, als Zeugen gehört worden.

Die Verteidigung war bestrebt, nachzuweisen, dass Adoboli mit der stillschweigenden Duldung seiner Vorgesetzten handelte. Zudem seien die internen Kontrollen zu lax gewesen und die Systeme hätten nicht immer richtig funktioniert. Die Staatsanwälte wollen die Geschworenen dagegen davon überzeugen, dass Adoboli ein Zocker war, der aus Ehrgeiz und weil er auf hohe Erfolgsprämien scharf war, unerlaubt Risiken einging und eine «Betrugspyramide» aufbaute.

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