Zum Hauptinhalt springen

Alstom: 500 Millionen Schmiergeld?

Ein Urteil des Bundesgerichts lässt erahnen, wie bei Alstom im grossen Stil geschmiert wurde, um Grossaufträge zu ergattern. In einem Fall in Italien kam es bereits zu Verurteilungen.

Alstom steht unter Korruptionsverdacht. Im Bild die Schweizer Zentrale in Baden.
Alstom steht unter Korruptionsverdacht. Im Bild die Schweizer Zentrale in Baden.
Keystone

Am Hauptsitz von Alstom in Paris dürfte man über das Urteil des Bundesstrafgerichts wenig erbaut sein. Denn die Spitze des Technologiekonzerns schweigt sich seit Monaten über die Bestechungsvorwürfe aus. Die Bundespolizei hatte im August bei Alstom Razzien durchgeführt und einen pensionierten Manager verhaftet. Ein Entscheid des Bundesstrafgerichts in Bellinzona gibt nun, unverhofft, einen Einblick, wie tief Alstom aus der Sicht der Ermittler im Korruptionssumpf steckt.

Die Bundesanwaltschaft, die wegen Verdachts auf Geldwäscherei, Bestechung und ungetreue Geschäftsbesorgung ermittelt, fährt in ihren Eingaben an das Bundesstrafgericht schweres Geschütz auf. Vordergründig wurde darum gestritten, ob die Ermittler von Unterlagen, die sie bei der Tochterfirma Alstom Prom beschlagnahmt hatten, Kopien anfertigen und diese herausrücken müssen.

Fälle in Sambia, Italien und Mexiko

Die Bundesbehörde wehrte sich dagegen, mit der Begründung, Verantwortliche der Alstom-Gruppe hätten mit fiktiven Beraterverträgen seit 2000 pro Jahr 70 Millionen Franken in schwarze Kassen umgeleitet. Insgesamt seien über fingierte Zahlungen an Berater über 500 Millionen Franken aus Alstom abgeflossen. Die Gelder seien «für Korruptionszwecke bestimmt und auch entsprechend verwendet worden», so der Verdacht der Bundesermittler. Konkret steht der Verdacht im Raum, dass Millionen an ausländische Funktionäre geflossen sind, um etwa Grossaufträge in Italien, Sambia und Mexiko zu ergattern. Über zwei Schweizer Firmen seien einmal 10 Millionen Franken, einmal 300'000 Euro verschoben worden. Im Falle Sambias sind laut Bundesanwaltschaft über Briefkastenfirmen rund eine Million Euro in die Taschen eines Ministers geflossen. Alstom-Sprecher Philippe Kasse wies die Vorwürfe zurück: Für die Beschuldigungen fehle es an Beweisen.

Doch die Bundesanwaltschaft lässt nicht locker. Erste Ermittlungen waren 2006 provisorisch eingestellt worden. Vor einem Jahr nahm sie das Verfahren wieder auf, nachdem in den Ermittlungen im Fall des Ex-Privatbankiers Oskar Holenweger neue Indizien aufgetaucht waren. Ein grosser Teil der Zahlungen von rund einer halben Milliarde müsste nach heutigem Kenntnisstand als verdächtig bezeichnet werden, so die Ermittler. Denn zahlreiche dieser sogenannten Berater hätten überhaupt keine der vereinbarten Dienstleistungen erbracht, sondern bloss ihre Konten zur Verfügung gestellt. Mit fingierten Beraterverträgen und gefälschten Rechnungen seien so die Gelder an Mittelsmänner verschoben worden, teilweise in bar.

Fall in Italien bereits abgeurteilt

Das Bundesstrafgericht hat die Ermittler verknurrt, Kopien der beschlagnahmten Akten herauszurücken. Der verhaftete Ex-Manager von Alstom, der im Konzern für die Einhaltung der Gesetze zuständig war, ist wieder auf freiem Fuss. Ob es im Fall Alstom in der Schweiz zu einer Anklage kommt, ist offen.

In Italien jedenfalls kam es in einem Korruptionsfall bereits zu Verurteilungen, wie das «Wall Street Journal» unlängst enthüllte. Der besagte Ex-Manager und drei Helfershelfer wurden im März wegen Bestechung zweier Offizieller des halbstaatlichen Energiekonzerns Enel zu neun bis elf Monaten Gefängnis verurteilt. Die Gelder seien über Alstom Prom geflossen, hiess es im Strafurteil.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch