«Auch das Ski-Ticket lässt sich auf den Swiss Pass laden»

Was kann das neue E-Ticket, was nicht – und wer profitiert? Dazu Jeannine Pilloud von den SBB im Video-Interview.

«Auch die GA-Besitzer werden gescannt»: Jeannine Pilloud von den SBB. (10. März 2015)

Statt einer blauen Plastikkarte erhalten GA- und Halbtax-Nutzer ab August eine rote, mit Chip ausgestattete Karte namens «SwissPass». Der «SwissPass» sei ein Werkzeug, sagte Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr. Die heutigen Abos bleiben dieselben; künftig ist es jedoch möglich, beispielsweise eine Tageskarte eines Skigebiets zu lösen und diese auf den «SwissPass» zu laden (siehe Video oben).

Sieben Skigebiete und Bergbahnen sind laut Communiqué bereits definitiv ab 1. August dabei, ebenso Mobility und PubliBike. Die Angebote sollen laufend ausgebaut und erweitert werden. Vorstellbar sei etwa auch, dass Eintritte für Hallenbäder oder Zoos auf die Karte geladen werden könnte.

Ab dem 1. August erhalten alle, die ein GA oder Halbtax kaufen oder ihr Abo verlängern, statt des gewohnten blauen Kärtchens den «SwissPass». «Wir gehen von der blauen in die rote ÖV-Welt», sagte Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV), am Dienstag vor den Medien in Bern.

In Zukunft sollen auch die Abos von Verbunden wie dem ZVV oder dem Libero auf den «SwissPass» geladen werden. Zunächst sollen ab Ende 2016 die ersten Westschweizer Verbundabos über den «SwissPass» erhältlich sein, die anderen folgen später.

Der «SwissPass» bringt für die Kunden verschiedene Änderungen. So werden künftig GA und Halbtax-Abos automatisch verlängert - ausser die Kunden kündigen. Bereits heute verlängerten über 60 Prozent der Kundinnen und Kunden ihr GA oder Halbtax nahtlos, sagte Pilloud.

Die Kunden würden aber auf den möglichen Kündigungstermin im Voraus aufmerksam gemacht. Gekündigt werden könne online, am Schalter oder per Telefon. Für die Branche habe die automatische Verlängerung den Vorteil, dass weniger Karten ausgestellt werden müssten.

Der «SwissPass» kann auch gesperrt werden, wenn er gestohlen oder verloren wurde. Damit kann verhindert werden, dass gestohlene GA von Betrügern eingesetzt werden. «Heute sind relativ viele GA doppelt im Umlauf», sagte Stückelberger. Das sei mit dem «SwissPass» nicht mehr möglich.

GA muss künftig gescannt werden

Durch den «SwissPass» ändert sich auch die Kontrolle in Zügen, Bussen oder auf Schiffen: Statt das GA nur anzuschauen, muss es mit einem Gerät gescannt werden. Erst dann sieht der Kontrolleur, ob das GA noch gültig ist.

Denn auf dem «SwissPass» selbst sind nur ein Foto, Name, Geburtsdatum sowie unpersönliche Identifikationsnummer aufgedruckt - nicht jedoch die Art des Abos und die Dauer. Diese Informationen sind im RFID-Chip gespeichert, den die Karte enthält.

Die Kontrolle von einem GA dauere künftig zwei bis drei Mal länger, weil die Kunden ihr GA dem Kontrollpersonal aushändigen müssen. Mit den neuen Geräten werde das Scannen von E-Tickets gleichzeitig aber schneller, so dass die Kontrollen insgesamt gleich viel Zeit beanspruchen sollen, sagte Pilloud.

Die Branche habe hier «ein Stück Einheitlichkeit» geschaffen, freute sich Stückelberger. Das habe einige Diskussionen gebraucht. Nötig waren auch einige Investitionen - die Kosten für den «SwissPass» belaufen sich insgesamt auf rund 61 Millionen Franken, wie Stückelberger sagte.

Der «SwissPass» erfüllt die Anforderungen des schweizerischen Datenschutzes, wie die Branchenvertreter betonten. Mit dem Chip sei keine Ortung möglich. Festgestellt werde, wann auf welcher Strecke kontrolliert wurde, nicht aber, wo der Kunde ein- und aussteige.

Diese Daten werden 90 Tage gespeichert - für den Fall von Streitigkeiten. Die Branche wolle mit den Daten keinen Handel betreiben, sagte Pilloud.

«Evolution statt Revolution»

Die Einführung des «SwissPass» sei keine Revolution, sondern eine Evolution, sagte Stückelberger. Die Branche habe einen Mittelweg gewählt: Es gebe Veränderungen, aber schrittweise. «Wir dürfen nicht zu schnell gehen nur für die Freaks», sagte Stückelberger. Das sei keine Frage der Technik.

Ein System wie BiBo (be-in-be-out) einzuführen, bei dem das E-Ticket automatisch beim Ein- und Aussteigen erfasst wird, ist derzeit schweizweit kein Thema. Einzelne Transportunternehmen könnten dies frühestens ab Ende 2016 testen, sagte Pilloud.

Video, Claudia Salzmann/sda

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