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Der Vater des Ford Mustang ist tot

Autoindustrie Lee Iacocca, Sohn italienischer Einwanderer, war einer der ganz Grossen in der US-Autoindustrie

Thomas Fromm
War bekannt für sein Marketing-Gespür: Lee Iacocca posiert mit einem 1990 Dodge Viper, 1990. (Foto: Keystone)
War bekannt für sein Marketing-Gespür: Lee Iacocca posiert mit einem 1990 Dodge Viper, 1990. (Foto: Keystone)

In einer Zeit, in der nicht mehr so viel über das Auto an und für sich gesprochen wird, dafür umso mehr über CO2-Grenzwerte, E-Ladesäulen und Rabatte, und in der Automanager am liebsten Spar- und Gewinnziele vortragen – in so einer Zeit hat dieses Bild eine ­besondere Kraft: Die April-Ausgabe des US-Magazins «Newsweek» aus dem Jahr 1964 (Preis: 30 Cent) zeigt einen roten Ford Mustang mit roten Polstersitzen, Weisswandreifen, davor die Aufnahme eines Mannes im dunklen Anzug, weissem Hemd und brauner Krawatte. Die Haare mit reichlich Pomade nach hinten gekämmt, den Blick dynamisch in Fahrtrichtung. Der Cowboy und das Pferd. Ein Mann und sein Auto.

Lee Iacocca (1924–2019) wurde nach seinem berühmten Coupé selbst zur Ikone. Foto: John Olson (Getty Images)
Lee Iacocca (1924–2019) wurde nach seinem berühmten Coupé selbst zur Ikone. Foto: John Olson (Getty Images)

Der damalige Ford-Manager Lee Iacocca, seit 1946 beim Autohersteller aus Detroit, hatte diesen neuen, bezahlbaren Sportwagen für die Massen entwickeln und auf den Markt bringen lassen. Der Name des Autos: Mustang. Ein Modell, das so hiess wie Wildpferde im Wilden Westen, das war natürlich ein genialer Marketing-Coup. Als das Coupé im Laufe der Jahre zur Ikone wurde, setzte auch die Ikonisierung jenes Mannes ein, der den Mustang einst losgelassen hatte.

Der Stiftungsmanager

Dazu passte die Geschichte dieses Mannes, dessen Eltern aus Italien über Ellis Island in die USA kamen, lange bevor laut ­tönende Populisten in Italien und den USA das Thema Migration für ihre eigenen Zwecke entdeckten. Jahre später wurde Iacocca Chef einer Stiftung, die Mittel für die Restaurierung der Freiheitsstatue in New York sammelte. Der Manager verstand das nicht zuletzt als Andenken an seine Eltern. Dass er es bis nach ganz oben geschafft hatte, ­beschäftigte ihn zeit seines Lebens. «Ich begann mein Leben als Sohn von Immigranten», schrieb Iacocca in seiner 1984 erschienenen Autobiografie. «Und ich habe mich bis auf den Präsidentensessel von Ford hochgearbeitet.» Bis Ende der 70er-Jahre war er bei Ford unter Vertrag. Dann kam der Juli 1978 – jener Tag, an dem nach drei Jahrzehnten Schluss war. «Es war nett, mit Ihnen zusammenzuarbeiten», soll Gründer-Enkel Henry Ford II. den Rausschmiss eingeleitet haben.

Lee Iacocca (links) und Don Frey, Produkt Manager von Ford, posieren mit einem Mustang. (Foto: Keystone)
Lee Iacocca (links) und Don Frey, Produkt Manager von Ford, posieren mit einem Mustang. (Foto: Keystone)

1980 rettete er den Autobauer vor dem Aus und kürzte sein Gehalt auf einen Dollar pro Jahr. 1992 ging Iacocca in den Ruhestand.

Der Chrysler-Sanierer

Der geschasste Manager zog ­weiter zu Chrysler, dem nach ­General Motors und Ford damals drittgrössten US-Autohersteller, der kurz vor der ­ Pleite stand. Aus dem Mustang-Mann wurde der Chrysler-Sanierer: ­Iacocca besorgte 1,5 Milliarden Dollar vom Staat, schloss Werke und strich Jobs. Sein eigenes Ge­halt liess er auf 1 Dollar im Jahr kürzen, bis der Konzern wieder aus dem Schlimmsten ­heraus war. Iacocca, der Charismatiker, wurde so auch zu einem Medienstar.

Später, als die Autowelt für ihn zu klein wurde, outete er sich als politisch interessierter Präsidentenkritiker. «Where Have All the Leaders Gone?» hiess sein 2007 erschienenes Buch über Führungsqualitäten – es war eine Abrechnung mit dem Establishment und dem damaligen Präsidenten George W. Bush. Das klang so: «Eine Bande ratloser Kerle ist gerade dabei, unser Staatsschiff auf eine Klippe zuzusteuern. Wirtschaftsgangster rauben uns aus – und wir können nicht einmal (...) Hybridautos bauen. Ich sags Ihnen ganz offen: Schmeisst die Penner raus!» Jetzt ist der Mustang-Mann im Alter von 94 Jahren gestorben.

Der klassische Ford Mustang, hier ein Modell in Playboy Pink von 1967. Auf diese erste Generation folgten bis heute fünf weitere.
Der klassische Ford Mustang, hier ein Modell in Playboy Pink von 1967. Auf diese erste Generation folgten bis heute fünf weitere.
© Ford Motor Company
Parallel zum Mittelmotor-Mustang wurde an einem familientauglichen Sportwagen gearbeitet. Diese Studie entstand im Jahr 1963.
Parallel zum Mittelmotor-Mustang wurde an einem familientauglichen Sportwagen gearbeitet. Diese Studie entstand im Jahr 1963.
© Ford Motor Company
Bereits im Oktober 1963 drehte ein Ford Mustang mit Fastback seine Testrunden, präsentiert wurde 1964 aber vorerst ein Hardtop-Coupé und ein Cabriolet. Im Bild: Ein Prototyp des Ford Mustang T5 von 1965.
Bereits im Oktober 1963 drehte ein Ford Mustang mit Fastback seine Testrunden, präsentiert wurde 1964 aber vorerst ein Hardtop-Coupé und ein Cabriolet. Im Bild: Ein Prototyp des Ford Mustang T5 von 1965.
© Ford Motor Company
Fand Gefallen in Amerika und Europa: Das Ford-Mustang-Hardtop-Coupé, wie es 1964 präsentiert wurde.
Fand Gefallen in Amerika und Europa: Das Ford-Mustang-Hardtop-Coupé, wie es 1964 präsentiert wurde.
© Ford Motor Company
Sportliche Naturen bestellten gerne den Ford Mustang GT Fastback, hier ein Modell von 1966.
Sportliche Naturen bestellten gerne den Ford Mustang GT Fastback, hier ein Modell von 1966.
© Ford Motor Company
Der Mustang wuchs und wurde stärker und stämmiger: Ford Mustang Mach I von 1969.
Der Mustang wuchs und wurde stärker und stämmiger: Ford Mustang Mach I von 1969.
© Ford Motor Company
Eines der letzten Modelle der ersten Mustang-Generation: Ford Mustang Mach I von 1973.
Eines der letzten Modelle der ersten Mustang-Generation: Ford Mustang Mach I von 1973.
© Ford Motor Company
Mit dem Mustang II schrumpfte das Pferd aus dem Ford-Stall wieder zu kompakten Dimensionen. Nur – der klassische Look war weg.
Mit dem Mustang II schrumpfte das Pferd aus dem Ford-Stall wieder zu kompakten Dimensionen. Nur – der klassische Look war weg.
© Ford Motor Company
Wenigstens leistungsmässig ging es mit dem Fünfliter beim Mustang II wieder ein wenig aufwärts: Modell King Cobra von 1978.
Wenigstens leistungsmässig ging es mit dem Fünfliter beim Mustang II wieder ein wenig aufwärts: Modell King Cobra von 1978.
© Ford Motor Company
Die dritte Generation des Ford Mustang – im Bild das Modell Cobra von 1979  – basierte auf der sogenannten Fox-Plattform, Aerodynamik und Sicherheit waren wichtiger geworden.
Die dritte Generation des Ford Mustang – im Bild das Modell Cobra von 1979 – basierte auf der sogenannten Fox-Plattform, Aerodynamik und Sicherheit waren wichtiger geworden.
© Ford Motor Company
Niedriger Luftwiderstand und ein «europäischer Look» waren bei der dritten Generation wichtiger als Erinnerungen an den ersten Mustang.
Niedriger Luftwiderstand und ein «europäischer Look» waren bei der dritten Generation wichtiger als Erinnerungen an den ersten Mustang.
© Ford Motor Company
Die vierte Generation entfernte sich noch weiter vom Ur-Mustang, dafür wartete sie wieder mit viel Leistung auf: Ford Mustang SVT Cobra R von 1995.
Die vierte Generation entfernte sich noch weiter vom Ur-Mustang, dafür wartete sie wieder mit viel Leistung auf: Ford Mustang SVT Cobra R von 1995.
© Ford Motor Company
Moderne trifft auf Tradition: Ford Mustang von 2004 (l.) neben dem Bruder von 1965, dahinter ein Jagdflugzeug North American P-51 Mustang aus dem Zweiten Weltkrieg.
Moderne trifft auf Tradition: Ford Mustang von 2004 (l.) neben dem Bruder von 1965, dahinter ein Jagdflugzeug North American P-51 Mustang aus dem Zweiten Weltkrieg.
© Ford Motor Company
Die fünfte Mustang-Generation sah wieder richtig nach Mustang aus. Das gefiel auch Carroll Shelby, der hier vor dem Ford Mustang Shelby GT von 2007 posiert.
Die fünfte Mustang-Generation sah wieder richtig nach Mustang aus. Das gefiel auch Carroll Shelby, der hier vor dem Ford Mustang Shelby GT von 2007 posiert.
© Ford Motor Company
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