Zum Hauptinhalt springen

Banken und Firmen sagen reihenweise Veranstaltungen ab

Raiffeisen verschiebt wegen der Corona-Ansteckungsgefahr Delegiertenversammlungen, auch andere Banken sagen Events ab. Und Konzerne verschieben ihre Generalversammlungen.

Viele Raiffeisen-Delegiertenversammlungen werden verschoben. Foto: Davide Agosta (Keystone)
Viele Raiffeisen-Delegiertenversammlungen werden verschoben. Foto: Davide Agosta (Keystone)

Das Coronavirus zerschiesst den Veranstaltungskalender von Banken und Unternehmen. UBS und Credit Suisse müssen Kundenevents verschieben. Die schweizweit rund 230 regionalen Raiffeisenbanken haben ihre Delegiertenversammlungen fast flächendeckend abgesagt. Und eine Reihe börsenkotierter Firmen verschiebt die alljährlich stattfindenden Generalversammlungen. Wirtschaftsminister Guy Parmelin kündigte an, dass die Eidgenossenschaft für die Aktionärstreffen Empfehlungen machen wolle.

«Die meisten Raiffeisenbanken haben ihre General- oder Delegiertenversammlung bereits verschoben – einzelne Entscheide stehen noch aus», erklärt eine Sprecherin. Die Treffen sollen nachgeholt werden, «sobald die Lage dies zulässt». Notfalls könne das auch erst ab dem zweiten Halbjahr sein.

UBS und Credit Suisse verschieben Kundenveranstaltungen

Die Epidemie hat aber nicht nur Auswirkungen auf interne Veranstaltungen. Die UBS habe bis auf weiteres weltweit Kundenveranstaltungen verschoben oder versuche, auf Konferenzschaltungen auszuweichen, sagt eine Sprecherin. Die Credit Suisse reagiert ähnlich und hat Kundenevents in der Schweiz im Einklang mit den Vorgaben des Bundes zunächst bis zum 15. März abgesagt. Wenn möglich sollten diese später nachgeholt werden, erklärt ein Sprecher.

Zum Inhalt

Hintergrund sind die Vorschriften des Bundesamts für Gesundheit. Dieses hat Veranstaltungen von mehr als 1000 Personen in der Schweiz bis 15. März verboten. Anlässe mit mehr als 150 Personen sollen vom Kanton genehmigt werden. Mit dem Vorgehen will der Bund die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus verringern.

Für etliche börsenkotierte Firmen wird das nun zum Problem: Denn sie halten üblicherweise in diesen Tagen ihre alljährlichen Generalversammlungen ab – und oft kommen dabei Hunderte von Aktionärinnen und Aktionäre. Bei den Treffen gibt es einen Apéro und ein meist grosszügiges Mittagessen, man kann dem Verwaltungsratspräsidenten kurz die Hand schütteln und trifft viele Gleichgesinnte.

Generalversammlungen ohne Aktionäre

Doch dieses Jahr ist alles anders: Etliche Firmen haben ihre Generalversammlungen bereits verschoben – darunter die Hypothekarbank Lenzburg, der Lebensmittelkonzern Orior und der Fleischverarbeiter Bell. Die allermeisten Generalversammlungen jedoch sollen nach jetzigem Stand stattfinden – auch wenn sie drohen, zu Geisterveranstaltungen zu werden.

Denn die Unternehmen empfehlen ihren Aktionären, lieber zu Hause zu bleiben und ihre Stimmrechte auf einen Berater zu übertragen, der für sie abstimmt. Ausserdem gibt es bei vielen Firmen keinen Apéro und kein Mittagessen. Swisscom erklärt beispielsweise, Aktionäre erhielten lediglich ein Getränk und gegebenenfalls eine kleine Verpflegung wie einen Riegel.

Die Privatbank Vontobel teilt mit, sie habe «mit grossem Bedauern entschieden», den traditionellen Apéro im Anschluss an die Veranstaltung ausfallen zu lassen. Und in der GV-Einladung des Derivate-Anbieters Leonteq heisst es: «Zum Schutze der Gesundheit unserer Aktionäre und Mitarbeitenden werden ausnahmsweise die Türen erst 15 Minuten vor Beginn geöffnet, die Generalversammlung auf das juristisch Notwendige (ohne Ansprachen) reduziert und auf Kaffee bzw. Apéro verzichtet.» Für viele Kleinanleger dürfte damit auch ein wichtiger Anreiz zur Teilnahme wegfallen. Traditionell pilgern viele Pensionäre zu Generalversammlungen. Sie gehören jedoch zur Corona-Risikogruppe.

Andere Firmen wie Implenia prüfen, die Generalversammlung auf mehrere Räume aufzuteilen und über Video zu übertragen, damit sich zeitgleich nicht mehr als 150 Personen in einem Raum befinden.

Ohne Generalversammlung gibts auch keine Dividende

Eine Absage oder Verschiebung ist für viele Unternehmen jedoch keine Option. Auch Roche und Schindler halten an ihren Plänen fest. Denn gerade für grössere Veranstaltungen ist es schwierig, dann kurzfristig einen Veranstaltungsort zu finden, wenn sich die Lage beruhigt. Ausserdem würde das auch die Aktionäre treffen: Denn die Dividenden werden nur dann ausbezahlt, wenn die Aktionäre vorher auf der Generalversammlung grünes Licht dazu geben. Ohne GV gibt es also keine Dividende.

Das Gesetz schreibt grundsätzlich vor, dass Generalversammlungen spätestens ein halbes Jahr nach dem Ende des Geschäftsjahres stattfinden müssen. Eine Komplettverlagerung ins Internet ist ebenfalls nicht möglich, denn das ist rechtlich nicht erlaubt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch