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Barack Obama – ein Segen für die Weltwirtschaft

Ein Wahlsieg des Demokraten wird die Wirtschaft der USA stärken und so dem Rest der Welt neuen Schwung verleihen – auch den Börsen.

Börsianer wetten gerne, und sie haben sich entschieden: Morgen wird Barack Obama zum neue Präsidenten der USA gewählt. Das zeigen nicht nur die Meinungsumfragen, sondern auch die Wettquoten. Was aber bedeutet ein Sieg des ersten Schwarzen für die Anleger? Auf den ersten Blick haben sie Grund zur Besorgnis.

Obama ist mit einem sehr linken Programm angetreten. Er meint es ernst, wenn er von «Change» spricht: Ölkonzerne müssen einen Teil ihrer riesigen Gewinne abliefern, wer mehr als 250'000 Dollar verdient, muss höhere Steuern bezahlen. Firmen, die Jobs ins Ausland verlagern, werden bestraft, wer hingegen einheimische Arbeitsplätze schafft, wird belohnt. Der freie Handel soll zurückgebunden, die Gewerkschaften sollen mehr Macht erhalten. Der Staat notfalls noch mehr Schulden machen, um Infrastruktur, Bildungs- und Gesundheitswesen auszubauen.

«Ein bisschen umverteilen»

Obama hat erklärt, er wolle «den Reichtum ein bisschen umverteilen». Was meint er damit? Die letzten zehn Jahre waren für den amerikanischen Mittelstand mager: Unter Bush hat sich die Einkommensschere weit geöffnet. Zwischen 2000 und 2006 ist das Bruttoinlandprodukt zwar 18 Prozent gewachsen, das reale Einkommen des Mittelstandes ist jedoch gesunken. Und der Rückgang war deutlich: Die amerikanische Durchschnittsfamilie verdient heute rund 2000 Dollar weniger als im Jahr 2000. Das Einkommen der Superreichen hat sich im gleichen Zeitraum mehr als vervierfacht.

Die Wirtschaft der USA hat sich in den letzten Jahren auch sehr einseitig entwickelt. 40 Prozent der Gewinne wurden letztes Jahr von Banken, Hedge Funds und Private Equity Firmen erzielt, obwohl die Finanzbranche gerade mal 8 Prozent des Bruttoinlandprodukts erwirtschaftet. Langfristig gesehen ist das keine nachhaltige Strategie. Wenn die USA kein riesiges Finanzkasino werden wollen, dann brauchen sie eine neue Wirtschaftspolitik.

Ein New Deal im Sinne Roosevelts

Die Finanzkrise hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, und Obama scheint entschlossen zu sein, die Gelegenheit zu nutzen: Er will dem Land einen New Deal im Sinne von Franklin Roosevelt verpassen. Dieser hat die amerikanische Wirtschaft mit einem gewaltigen Ankurbelungsprogramm aus der Grossen Depression der Dreissigerjahre herausgeführt.

Obama führt ähnliches im Schild: «Wir werden zwei Millionen neu Jobs schaffen, in dem wir die zerfallende Infrastruktur wieder aufbauen und etwa auch Breitband-Internet «in den hintersten Winkel des Landes bringen», verspricht er. «Ich werde im nächsten Jahrzehnt jedes Jahr 15 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investieren. Das wird fünf Millionen gut bezahlte, neue Jobs schaffen, die nicht ins Ausland verlagert werden können und unsere Abhängigkeit vom Öl des Mittleren Ostens verkleinern.»

Der Super-Investor ist an Bord

Haben also alle Recht, die in Obama einen verkappten Sozialsten sehen? Nein, er will seinen New Deal mit den besten Kapitalisten des Landes umsetzen: Warren Buffett, der legendäre Investor und derzeit wieder einmal reichster Mann der Welt. Er gehört zu seinen Bewunderern und Beratern, genauso wie Paul Volcker, Ex-Präsident der US-Notenbank, der in den Achtzigerjahren erfolgreich die Inflation niedergerungen hat. Als möglicher Wirtschaftminister einer Obama-Regierung wird Lawrence Summers gehandelt, der dieses Amt schon unter Clinton inne gehabt und sich damals als Globalisierungsfreund einen Namen geschaffen hatte.

Nach dem «schwarzen September» ist daher Obama wahrscheinlich das beste, was der US-Wirtschaft derzeit zustossen kann. Er will die reale Wirtschaft stärken. Wenn die USA ökonomisch wieder auf die Füsse kommen, wird auch die Weltwirtschaft davon profitieren. Das wird den Börsen neuen Schwung verleihen. Wegen der sich abzeichnenden Regulierung sollte man Finanzaktien derzeit allerdings tendenziell eher meiden.

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