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BEKB erzielt Rekordgewinn

Der neue BEKB-Chef Armin Brun nimmt Stellung zum rasanten Wachstum bei Hypotheken und zur Herabstufung durch Moody’s. Kleinsparer will er länger als Konkurrenten von Negativzinsen verschonen.

Julian Witschi
Die Berner Kantonalbank habe die Risiken im Griff, sagt der neue Chef Armin Brun.
Die Berner Kantonalbank habe die Risiken im Griff, sagt der neue Chef Armin Brun.
Franziska Rothenbühler

Um rund 1 Milliarde Franken hat die Berner Kantonalbank (BEKB) im vergangenen Jahr ihre Hypothekarkredite ausgeweitet. Das Gesamtvolumen stieg damit überdurchschnittlich um 4,8 Prozent auf 22,6 Milliarden Franken an. «Wir konnten 2019 mehr als tausend Familien dabei unterstützen, den Traum ihres Eigenheims zu verwirklichen», sagt BEKB-Chef Armin Brun.

Ist die Bank, die Anfang der 1990er-Jahre wegen der Immobilienkrise am Abgrund gestanden war, von ihrer vorsichtigen Kreditvergabe abgerückt? «Nein», sagt Brun, die Versuchung im umkämpften Hypothekenmarkt sei im Allgemeinen zwar gross, von bewährten Vergaberichtlinien abzuweichen. Die BEKB halte aber «an einem qualitativ einwandfreien Kreditportfolio» fest. Sie vergebe Hypotheken nur, wenn sie für die Kundinnen und Kunden langfristig tragbar seien.

Ein Warnruf

Die Ratingagentur Moody’s hat letzte Woche allerdings davor gewarnt, dass in der Schweiz die Verschuldung stärker steige, als die Wirtschaftsleistung und die Einkommen wüchsen. Sie senkte in der Folge die Bewertung für die langfristige Kreditwürdigkeit der BEKB.

«Das beunruhigt mich nicht», sagt Brun. Der BEKB-Chef betont, dass der Grund für die Herabstufung das allgemeine wirtschaftliche Umfeld in der Schweiz sei und die Bewertung mit «Aa2» nun statt auf der zweit- auf der dritthöchsten Stufe liege. Damit gehöre die BEKB weiterhin zu den bestbewerteten Banken in der Schweiz.

Auch habe Moody’s bestätigt, dass die Verlustrisiken im Kreditportefeuille der BEKB unterdurchschnittlich seien, ergänzt Finanzchef Alois Schärli. Im Stresstest vor zwei Jahren sei bereits die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) zu diesem Schluss gekommen. Weiterhin seien die Kundenausleihungen vollständig mit Kundengeldern und Pfandbriefdarlehen gedeckt.

Und noch ein Punkt relativiert laut der BEKB-Führung den Boom bei den Hypotheken. Auf Anfang 2019 übernahm die Bank ein Hypothekenportefeuille, das im Rahmen der Kooperation «Family-net» mit der Versicherung Mobiliar aufgebaut worden war. Zieht man diese 428 Millionen Franken ab, dann wuchsen die Hypokredite noch um 2,8 Prozent. Das liege im Rahmen des Marktwachstums, sagt Brun.

Kleinsparer schonen

Ausserdem brachten die Kundinnen und Kunden auch mehr Geld zur BEKB. Die Kundeneinlagen und Kassenobligationen nahmen um 4,8 Prozent auf 23 Milliarden Franken zu.

Für Kleinsparerinnen und Kleinsparer hat Brun eine gute Nachricht: Während Grosskunden mit Guthaben ab einer Million Franken damit rechnen müssten, dass sie Negativzinsen bezahlen müssten, würden sie so lange wie möglich davor geschützt. Auf Spar- und Privatkonten erhebe die Bank grundsätzlich keine Negativzinsen, sofern die Nationalbank den Leitzins nicht noch weiter senke.

Vorsorgegeschäft ausweiten

Brun setzt damit auf Wachstum: «Für etliche Privatkunden sind wir heute eine Nebenbank, wir wollen aber ihre Hauptpartnerin in Finanzfragen werden.» Verstärken will die BEKB das Geschäft mit Vorsorgeanalysen und Steuerberatungen. «Hier wollen wir die Kundenberaterinnen und Kundenberater noch gezielter einsetzen», sagt Brun.

Der Umbau der Filialen läuft weiter. Die Bank investiert dazu jährlich etwa 10 Millionen Franken. An den rund 60 Filialstandorten hält Brun, der Mitte 2019 den Chefposten von Hanspeter Rüfenacht übernommen hat, vorläufig fest.

Die BEKB muss bei der Nationalbank hin und wieder selber Negativzinsen für ihre Einlagen bezahlen. Wie viel, das gibt sie nicht bekannt. Trotzdem erzielte die Bank einen Rekordgewinn. Das Jahresergebnis 2019 stieg um 1,5 Prozent auf 142,9 Millionen Franken. Dazu trug der 5,4 Prozent höhere Zinserfolg wesentlich bei.

Die Kantonalbank erhöht zum 24. Mal in Folge die Dividende. Nach 8.00 Franken im Vorjahr erhalten die Aktionäre nun 8.40 Franken pro Titel. Total sind es 78,3 Millionen Franken. Davon erhält der Kanton als Mehrheitsaktionär 40,3 Millionen Franken.

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